Jagd
Dieser Jäger kennt die Wälder und Wiesen im Kanton Zug nicht nur vom Hörensagen

Der 56-jährige Alfred Meier ist vor zwei Wochen als Präsident des Zuger Kantonalen Patentjägervereins zurückgetreten. Das Feuer für sein Tun in der Natur brennt aber weiterhin. Der Urägerer erachtet es als ein Privileg, im Kanton Zug auf die Jagd zu gehen.

Marco Morosoli
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Alfred Meier im Lorzentobel. Nach 16 Jahren als Präsident des Patentjägervereins des Kantons Zug ist er zurückgetreten.

Alfred Meier im Lorzentobel. Nach 16 Jahren als Präsident des Patentjägervereins des Kantons Zug ist er zurückgetreten.

Bild: Matthias Jurt (Baar, 21. April 2021)

Ein gekröntes Haupt sitzt mit seiner Gefolgschaft hinter unzähligen schön aufgereihten Hirschen, Rehen, Hasen, Wildschweinen und anderem Getier. Eine Szenerie, die es so im Kanton Zug noch nie gegeben hat und auch nie mehr geben wird. Das sagt der Unterägerer Alfred Meier. Kürzlich ist der Unternehmer als Präsident des Zuger Kantonalen Patentjägervereins zurückgetreten – nach 16 Jahren. Im Vorstand der Jägerinnung war Meier sogar 21 Jahre. Fast gleichzeitig mit der Erlangung des Jagdpatents Ende der 1990er-Jahre nahm er in diesem Gremium Einsitz: «Spasshaben ist beliebt. Jedoch etwas für die Gemeinschaft leisten eher weniger», so der Unterägerer. Bei den Zuger Jägern seien alle Chargen Ehrenämter.

Doch wer den passionierten Jäger aus dem Ägerital erzählen lässt, der merkt: Da ist Herzblut für die Jagd vorhanden, viel Herzblut. Seinen jährlichen Aufwand im Namen der Zuger Jäger schätzt Alfred Meier im Nachhinein auf ungefähr 200 Stunden. Er habe aber schnell gelernt, dass es «unmöglich ist, es allen recht zu machen». Vor allem nicht in einem Verein, bei dem über 300 Mitglieder eingeschrieben sind. Praktisch alle Zuger Jäger haben sich dieser Interessengemeinschaft angeschlossen. Mit dem Steinhauser Beda Schlumpf übernehme nunmehr ein Quereinsteiger das Präsidentenamt. Schlumpf hat es eher mit den Hölzern als mit der Jagd. Einen Nachteil darin sieht Alfred Meier nicht:

«Der neue Mann kann auf einen erfahrenen Vorstand bauen.»

Und ganz weg ist der Unterägerer auch nicht: «Sie haben mich gefragt, ob ich den Jagdlehrgang betreuen wolle.» Da habe er ja nicht Nein sagen können. Einmal Jäger, immer Jäger.

Interessierter Nachwuchs

Erstaunlich bei den Zuger Patentjägern: Nachwuchssorgen sind ihnen fremd. Das zeigen die Zahlen vom Vorjahr. 20 Jagdlehrlinge haben den zweijährigen Jägerlehrgang vor einem Jahr begonnen. «Wir hätten viele mehr ausbilden können», erklärt Alfred Meier. Es sei dem Zuger Kantonalen Patentjägerverein ein grosses Anliegen, «nicht an der Qualität zu sparen». Den Zuspruch am Jagen erklärt sich Meier mit «die Natur zieht» und «in ihr kann ein jeder etwas anderes machen».

Die Ausbildung, an dessen Ende das Jagdpatent steht, ist eine Ochsentour. Es gilt die Regel, dass für alle Teile des Lehrgangs 120 Stunden aufzuwenden sind. «Es werden viel mehr», entgegnet Alfred Meier: «Die vorgenannte Zahl ist in der Praxis zu verdoppeln.» Auch das Schiessen will gelernt sein, doch ebenso wichtig ist die Hege. Oder die Jagdschüler gehen mit dem Förster in den Wald, um vielfältige Arbeiten zu erledigen. Das nach der Maxime, dass Jagen ab und an ein blutiges Handwerk, aber immer im Einklang mit der Natur zu erledigen ist. Ein Überhang der Rotwildpopulation hätte gravierende Folgen für den Zuger Wald, denn Tannentriebe sind für diese Tiere ein Festessen. Der neue Präsident der Zuger Patentjäger Beda Schlumpf dürfte gerade in dieser Sparte hellhörig sein. Er macht auch noch bei Wald Zug, dem ehemaligen Waldwirtschaftsverband, mit.

Um die Bürokratie kümmern sich nun andere Kräfte

Sein Rücktritt öffnet für Meier ein neues Jagddasein. Um die Bürokratie kümmern sich nunmehr andere. So hat der Unterägerer Unternehmer dann im Herbst wieder mehr Zeit, auf die laute Jagd zu gehen. Bei dieser kommen Hunde zum Einsatz. «Diese Art des Jagens hat eine grosse Tradition», weiss Meier zu berichten. Es sei zwar beim Jagen so, dass derjenige, welcher etwas erlegt, auch das Fleisch behalten kann. Doch bei solchen Streifzügen sei eine Jagdgesellschaft unterwegs. Der passionierte Jäger Meier nennt denn auch heute viele Jägerkollegen Freunde. Würden sie gemeinsam auf die Pirsch gehen, dann seien auch Wildhüter unterwegs, fügt er an:

«Deshalb gab es wohl im Kanton
Zug noch nie Wildfrevel.»

Was der Unterägerer in diesem Zusammenhang auch loswerden will: «Wir sind die einzigen Waldnutzer, die kontrolliert werden. Im Gegensatz zum Beispiel zu den Bikern.»

Ebenfalls eine Mär ist, dass Jäger so viele Tiere abschiessen können, wie ihnen vor das Gewehr kommen. Anhand von Wildzählungen lege, so Meier, der Kanton fest, wie viele Rehe in der aktuellen Jagdsaison zum Abschuss freigegeben seien: «Reglementiert sind auch die Jagdtage.» Hirsche waren zum Beispiel 2020 vom 1. bis zum 26. September zum Abschuss frei. Wildschweine habe es im Kanton Zug keine.

Die Sache mit dem Hirschstier zeigt, auf was es bei der Jagd ankommt

Meiers herausragendes Jagdereignis: Die Glanztat begann mit einer verspäteten Ankunft eines Jägerkollegen beim vereinbarten Treffpunkt in einer Berggemeinde. «Wäre er pünktlich gewesen, dann hätte ich diesen prächtigen Hirschstier im Jahre 2013 nicht geschossen», sagt Meier. Dieses Hochwild bringe gut und gerne 160 bis 180 Kilogramm auf die Waage. Rund die Hälfte des Lebendgewichts ist nutzbar. Wie der ehemalige Präsident der Zuger Patentjäger erzählt, ist das Tier noch vor Ort auszuweiden. Für zu verkaufendes Wildfleisch verlangt der Staat ein genaues Protokoll. Anschliessend muss es umgehend in die Kühlung. Die Belohnung, so Meier, folgt später: «Solches Fleisch ist ökologischer und erst noch besser als Biofleisch.» Jäger können übrigens auch offen sagen, dass bei ihrem Tun der Zufall viel wichtiger sei als das Können. Ein wahrhaft ehrliches Hobby im Dienste der Natur.