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JAGD: Wenn Fuchs und Reh gute Nacht sagen

Der Bestand des Wildes wird jährlich gezählt, damit das Abschussziel definiert werden kann. Doch dieses Ziel ist höchst umstritten. Warum, weiss der oberste Zuger Jäger.
Charly Keiser
Alfred Meier liebt die Natur und beobachtet gerne Wild. Oben: Fuchs und Reh sagen sich gute Nacht. Mitte: Vorwitziges Rehwild. Unten: Hirschkuh im Lichtkegel. (Bilder Charly Keiser)

Alfred Meier liebt die Natur und beobachtet gerne Wild. Oben: Fuchs und Reh sagen sich gute Nacht. Mitte: Vorwitziges Rehwild. Unten: Hirschkuh im Lichtkegel. (Bilder Charly Keiser)

Es ist dunkel. Stockdunkel. Alfred Meier, Präsident des Zuger Kantonalen Patentjägervereins, sitzt regungslos auf dem «Bänkli» am Strassenrand und schaut hinunter zur Euzen-Weid. Sein Hund Artus sitzt genauso ruhig neben ihm. Nur wenn es im Wald in unserem Rücken raschelt oder ein Geruch in Artus’ Nase steigt, ist seine Angespanntheit zu erkennen. Schon deutlich länger als eine Stunde sitzen wir hier zu viert am Waldrand. Unser Ziel ist es, Hirsche auf kurze Distanz zu Gesicht zu bekommen.

Treffpunkt vor drei Stunden war der Raten, von wo es zuerst zur östlichen Seite von St. Jost ging. Vergebens war die Müh: Denn die Fuchsfamilie war entweder noch im grossen Bau oder hatte sich schon auf den Weg in den «Ausgang» gemacht. Zurück gings darum auf den Raten und ein paar hundert Meter in Richtung Biberbrugg. Tatsächlich zeigten sich zaghaft Rehe an den Waldrändern der Weiden auf der südöstlichen Seite von St. Jost. Via Raten gings danach in Richtung Gottschalkenberg zum Chlausenchappeli und von dort zu Fuss an besagten Waldrand. Zu Beginn waren Rehe noch gut von Auge auszumachen, und dank Meiers Feldstecher konnten die Tiere gar perfekt gezählt werden.

Überraschende Entdeckung

Doch jetzt in der Dunkelheit sind mit dem Feldstecher und durch den Fotoapparat mit dem Teleobjektiv nur noch Schatten zu erkennen. Gross ist die Überraschung, als dann auf dem Kameradisplay nicht die zwei vermuteten Rehe, sondern eine Rehgeiss und ein Fuchs zu erkennen sind (Bild rechts). Möglich macht dies der hochempfindliche Sensor des Fotoapparats.

Wir ziehen ab. Es sei zu dunkel, um noch Hirsche zu sehen, sagt Meier, und Urs Schmid, Verantwortlicher für die Kommunikation beim Patentjägerverein, fügt hinzu: «Die Hirsche sind wohl weiter unten aus dem Wald gekommen, weil sie uns gewittert haben.»

Rein ins Auto und zurück zum Raten. Selbst Treiberin Ursula Keiser ist überrascht, als ein Reh knapp vor dem Wagen über die Strasse springt. Obwohl sie es sich doch gewohnt ist, in ihrer Jagdgruppe Rehe aufzuschrecken und vor die Flinten der Jäger zu treiben. Meier fährt langsam – hält an. Er nimmt seine Taschenlampe hervor und leuchtet in Richtung Wald. Da stehen sie: Hirsche. Eine Kuh bleibt stehen, ihr Kalb folgt ihr. Langsam fahren wir weiter, der Lichtkegel von Meiers Lampe streift übers Gras. Plötzlich lugt ein Rehkopf aus dem Grün. Wie gebannt schaut das Tier ins Licht. Der Verschluss der Kamera klickt.

Wir haben genug, fahren zum Restaurant Raten und freuen uns auf ein Bier. «Der Frühbestand der Rehe beträgt 1034, und ich schätze, es hat etwa 60 bis 80 Hirsche im Zugerland», erklärt Meier. Jedes Jahr würden die Wildtiere gezählt, damit das Abschussziel definiert werden könne, fügt er an. Dazu seien die Gebiete eingeteilt, und Jäger würden die Zählungen an mehreren Abenden vornehmen. «Die meisten Jäger wären mit weniger Abschüssen zufrieden, damit der Bestand steigt», verrät Alfred Meier. Ganz anderer Meinung seien hingegen die Förster und Waldbesitzer, die möglichst wenig Wild in ihren Wäldern haben möchten. Der Grund liegt beim sogenannten Verbiss, bei dem vom Wild Knospen, Blätter und Zweige abgebissen werden und der dadurch den Wuchs der Pflanzen verzögert oder ein Krüppelwuchs oder gar ein Absterben verursacht. «Fredi» siehts pragmatisch. «Wir legen die Zahlen zusammen fest und kommen immer auf einen Nenner. Ich schiesse gerne Wild, bin aber gerne in der Natur und liebe das Beobachten des Wildes.» Wie recht er hat.

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