Ein Jahreseinstieg mit den Altmeistern

Am Neujahrskonzert des Collegium Musicum Zug wurden zwei Streichquintette von Mozart und Brahms gespielt.

Jürg Röthlisberger
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Anspruchsvolle Klassik präsentierte das Collegium Musicum Zug zum Neujahr in der Liebfrauenkapelle.

Anspruchsvolle Klassik präsentierte das Collegium Musicum Zug zum Neujahr in der Liebfrauenkapelle.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 2. Januar 2020)

Es war wohl richtig, das «Neujahrskonzert» des Collegium Musicum Zug auf den 2. Januar anzusetzen. So waren Interpreten und Publikum sicher in besserer Stimmung für anspruchsvolle Werke. Das Klangerlebnis wurde nur ein einziges Mal durch eine verspätete Knallerei von aussen gestört. Eine vollgültige Begegnung mit den beiden Streichquintetten von Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms verlangte tatsächlich sowohl von den Ausführenden wie vom Publikum volle Konzentration. Albor Rosenfeld ist bei dem seit 60 Jahren bestehenden Collegium Musicum Zug seit 40 Jahren dabei. Als Primgeiger gestaltete er ebenfalls alle bisher 19 solistisch besetzten Neujahrskonzerte.

Auch die Cellistin Anne Christina Vandevalle sowie die beiden Bratschisten Alexander Besa und Alessandro d’Amico kennen die Liebfrauenkapelle und das Zuger Publikum schon gut. Neu dabei war Reiko Koi, zweite Violine. Joseph Haydn schrieb 83 Streichquartette, aber kein einziges Streichquintett. Angeblich soll ihm für die fünfte Stimme bei seinen diesbezüglichen Versuchen nichts mehr eingefallen sein. Genau diese Lücke wollte Mozart mit seiner 1787 entstandenen Komposition KV 516 in g-Moll füllen.

Spürbar war durch die ganze Interpretation die Nähe der gleichzeitig entstandenen Don-Giovanni-Oper. Die düstere Moll-Stimmung wurde an verschiedenen Orten nur kurz aufgehellt, um sich dann in eigenwilligen Harmonien gleich wieder zu verdunkeln. Im langsamen Grundtempo hatte sich der Menuett-Satz weit vom ursprünglich gemeinten Gesellschaftstanz entfernt. Eigenwillig erschien der wenig betonte Übergang vom Adagio zum Allegro im letzten Satz; aber er passte stimmungsmässig ins Gesamtkonzept.

Schön zur Geltung kam der Übergang vom Frühklassiker im Sinne Haydns zum Spätklassiker, wie ihn dann anschliessend Beethoven verkörperte. Manchmal erschien das Cello noch als blosses Fundament; dann wurde es doch an der Thematik beteiligt, wie es Mozart fast am Schluss seines kurzen Lebens mit den «Preussischen Quartetten» noch weitergeführt hat. Zur Spätzeit gehörte auch die Verselbstständigung der Stimmen, oft zwei neben drei oder sogar jede einzelne in eigener Linie. Dadurch blieb der Gesamteindruck rein kammermusikalisch und jede orchestrale Wirkung, wie etwa bei seinem Vorgänger Luigi Boccherini, wurde vermieden.

Brahms kürte das Cello

Ganz andere Welten öffneten sich mit Opus 111 in G-Dur von Johannes Brahms. Schon der allererste Einsatz des Cellos führte in Lagen, welche Mozart diesem Instrument mit seinen frühen und mittleren Werken nie zutraute. Schade, wurde dies von den Begleitstimmen teilweise übertönt. Bald hatte man sich aber für das richtige klangliche Gleichgewicht gefunden. Angemessen in den Vordergrund traten die exponierten Einsätze der beiden Bratschen, und die Komposition gab auch der zweiten Geige einige thematisch bedeutende Sequenzen.

Vom Klavier und vom Gesang her zur Musik gekommen, blieb Brahms in Bezug auf Streichinstrumente lang ein Suchender, der sich von den Interpreten vor und während der Niederschrift des Notentextes beraten liess. Keine Ratschläge brauchte er aber für die unübertreffliche, edle harmonische Struktur, die auch in der Zuger Aufführung voll zur Geltung kam.

Den Schlussapplaus verdankten die Ausführenden mit einem weiteren Brahms-Allegretto und mit den besten Wünschen für ein gutes 2020 und ein weiterhin erfreuliches Gedeihen des Collegium Musicum Zug.