Jahresrechnung 2020
In Unterägeri schwemmt es Ungeahntes in die Gemeindekasse

Der Ertragsüberschuss der Gemeinde ist im operativen Ergebnis doppelt so hoch wie budgetiert. Der Finanzvorstand Josef Iten-Nussbaumer hat dafür eine plausible Erklärung.

Marco Morosoli
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Finanzchef Josef Iten-Nussbaumer.

Finanzchef Josef Iten-Nussbaumer.

Bild: Christian Herbert Hildebrand

Finanzchefs im öffentlichen Bereich müssen sich Jahr für Jahr mit dem gleichen Problem herumschlagen. Einem Architekten gleich zeichnen sie einen Bauplan für einen Leuchtturm namens Budget. Ihr mit dem Team erarbeitetes Werk soll vor der Gemeindeversammlung oder dem Parlament möglichst hell scheinen. Damit ihre Baute nicht zu schief in der Landschaft steht, müssen die Finanzoberen mit dem Wissen der Vergangenheit eine Wette auf die Zukunft machen.

In dieser Disziplin ist der Unterägerer Finanzchef Josef Iten-Nussbaumer (CVP) mittlerweile ein Profi. Er ist seit 15 Jahren im Amt. Und doch ist die Abweichung in der Jahresrechnung 2020 im Vergleich zum Voranschlag deutlich – im positiven Sinn. Statt einem Plus von rund 3,1 Millionen Franken resultierte im operativen Ergebnis ein Überschuss von 6,3 Millionen Franken. Dies bei einem Gesamtertrag von 53,5 Millionen Franken und einem totalen Aufwand von 47,2 Millionen Franken. Die Gemeinde schreibt in ihrer Mitteilung zur Rechnung 2020 von einem Plus von «nur» 3,3 Millionen Franken. Dies weil hierbei eine Vorfinanzierung für das Schulhaus Acher Mitte in der Höhe von drei Millionen Franken abgezogen ist.

Ein Faktor für das so oder so gute Ergebnis, so erklärte es Gemeinderat Josef Iten-Nussbaumer, waren Erbschafts- und Schenkungssteuern. Angesagt waren in diesem Bereich 200'000 Franken. Effektiv erwirtschaftete Unterägeri in diesem Segment 1,45 Millionen Franken. Bei der Grundstückgewinnsteuer hatte Iten-Nussbaumer im Budget Einnahmen von einer 1,1 Millionen Franken vorgesehen. Es waren letztlich 1,5 Millionen Franken mehr. Iten-Nussbaumer bezeichnet diese Entwicklung als «positiven Ausreisser».

In diesem Steuersektor zeichnet sich in Unterägeri für das laufende Jahr eine Wiederholung der sogenannten Einmaleffekte ab. Der Posten Grundstückgewinnsteuer dürfte 2021 noch einmal massiv zulegen. Der Unterägerer Finanzvorstand kann die Quelle benennen, aber ins Detail geht er nicht:

«Hängige Grundstückverkäufe aus dem Vorjahr wirken sich hierbei positiv aus.»

In die Zukunft blickend glaubt der Finanzvorstand deshalb, dass sich ein weiteres gutes Steuerjahr für Unterägeri abzeichnet.

Grosse Unterstützung der anderen Gemeinden

Wie budgetiert, stammen 18,1 Millionen Franken auf der Einnahmenseite aus dem Topf des Zuger Finanzausgleichs. Ohne diese Transferzahlungen könnte die Berggemeinde, die inzwischen über 9000 Einwohner zählt, nicht überleben. Erwähnenswert ist hierbei der Umstand, dass die Unterägerer Steuereinnahmen mit 21 Millionen Franken nur unwesentlich höher liegen als diese Unterstützung der anderen Zuger Gemeinden.

Als «eine gute Sache» bezeichnet Josef Iten-Nussbaumer überdies den Wechsel von der degressiven zur linearen Abschreibung. Er sei auf die vorgegebene Nutzungsdauer der Investition ausgelegt. Diese Zahl ist dadurch ein Wert, der Jahr für Jahr zu berücksichtigen ist, aber besser planbar sei als bei der früheren Abschreibungsart.

Der Finanzvorsteher hält für die Bürger auch ein Versprechen bereit: Der derzeit gültige Finanzplan sieht bis 2024 einen Steuerfuss von 60 Prozent vor. Wer auf der Zeitachse vier Jahre zurückgeht, landet im Jahre 2017 bei einem Steuerfuss von 68 Prozent. Iten-Nussbaumer will zudem auch in den kommenden Jahren das derzeit gelebte Kostenbewusstsein fördern. Zunächst wird aber die Gemeindeversammlung am 14. Juni über die Rechnung 2020 befinden.