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JAHRESTAG: Der Tag, an dem der Zugersee einen US-Bomber preisgab

Heute vor 65 Jahren holt ein innovativer Tankstellenbesitzer einen viermotorigen US-Bomber aus dem Zugersee. Dessen Notlandung hat die Schweiz im Jahre 1944 bewegt.
Oskar Rickenbacher
Am 25. August 1952 wurde der viermotorige US-Bomber aus den Tiefen des Zugersees geholt. (Bild: PD)

Am 25. August 1952 wurde der viermotorige US-Bomber aus den Tiefen des Zugersees geholt. (Bild: PD)

Am 16. März 1944 starteten am frühen Morgen ab vielen Flugplätzen in England insgesamt 740 US-Bomber der 3. US-Air-Division in Richtung Deutschland. Der zur 8. US-Luftflotte gehörende Verband setzte sich aus Maschinen der Typen Boeing B-17 und Consolidated Vultee B-24 ­zusammen. Die viermotorigen Bomber wurden von Jagdflugzeugen der Serien North American P-51 Mustang und Republic P-47 Thunderbolt begleitet. Ziel war die Bombardierung und Zerstörung der Messerschmitt-Flugzeugwerke und des Flugplatzes bei Augsburg. Östlich von Stuttgart, bei Schwäbisch Gmünd, wurden die Bomber von deutschen Jagdflugzeugen Messerschmitt ME 109 und Focke Wulf FW 190 angegriffen. Der später im Zugersee gelandete viermotorige US-Bomber B-17G Flying Fortress (fliegende Festung) mit dem Spitznamen «Lonesome ­Polecat» und der Nummer J 42-38160 war um drei Uhr nachts in Great Ashfield östlich des englischen Cambridge gestartet.

Ein getroffener Bomber schert aus dem Verband aus

Beim Angriff der deutschen Jagdflugzeuge wurde die «Lonesome Polecat» an zwei Motoren und am Bug getroffen und schwer beschädigt. Zwei Mitglieder der Bombercrew, der untere Kugelturmschütze Charles W. Page und Carl J. Larsen, Bombenschütze, wurden durch Beschuss verletzt. Der US-Pilot scherte aus dem Bomberverband aus und entschied sich, Richtung Schweiz und dann weiter Richtung Spanien zu fliegen. Mit Notabwurf wurden die Bomben und weiteres Material über Deutschland abgeworfen. An der Schweizer Grenze wurde die Maschine von Schweizer ME-109 Jagdflugzeugen abgefangen. Sie versuchten, die Maschine zum Flugplatz Dübendorf zu lotsen. Der Pilot wollte aber Spanien erreichen. Er flog nun Richtung Südwesten. Angesichts der hohen und stark verschneiten Berner Oberländerberge entschied der Pilot, Robert W. (Bob) Meyer, im Raum Brünig umzudrehen. So flog er über den Urnersee, Goldau, Zug in Richtung Baar. Auf diesem Abschnitt ­wurde der Bomber von Schweizer Jagdflugzeugen des französischen Typs Morane-Saulnier D-3801 begleitet.

Über Baar gab der Pilot den Befehl, dass die neun Besatzungsmitglieder mit dem Fallschirm abspringen sollten. Der Navigator Robert A. Williams verletzte sich dabei tödlich, weil sich sein Fallschirm nicht rechtzeitig öffnete. Die zwei beim Luftkampf verletzten Crewmitglieder landeten sicher und wurden ins Spital Baar überführt. Auch der Rest der Bomberbesatzung konnte sich retten. Der 22-jährige US-Pilot Robert W. Meyer blieb an Bord und steuerte die Maschine zurück auf den Zugersee, wo er mit einer grossartigen Leistung notwasserte. Er stieg aus dem Cockpit, und vom Flügel aus sprang er ins kalte Wasser. Er wurde bald durch die Gebrüder Norbert und Werner Henggeler in ihr Ruderboot aufgenommen und in der Unteraltstadt Zug an Land gebracht. Eine grosse Zuschauerzahl verfolgte das Geschehen. Der Bomber versank kurz vor 13 Uhr ausserhalb des Casinos. Die Crewmitglieder wurden in Dübendorf und später in einem Hotel in Wengen interniert.

1952 wurde der viermotorige US-Bomber durch den Tankstellenhalter Schaffner aus Suhr (AG) aus 45 Metern Tiefe gehoben, und zwar genau heute vor 65 Jahren (25. August 1952). Der Bomber wurde auf dem ehemaligen Kiesplatz, hinter dem heutigen Bootshafen, an Land gebracht. In Zug, Basel, Biel-Bözingen, Lausanne, Bümpliz, Suhr, St. Gallen-Winkeln und zuletzt in St. Moritz wurde die «fliegende Festung» ausgestellt. Überall gab es viele Besucher, die 1.10 Franken Eintritt bezahlten und zusätzlich noch eine Broschüre mit Details zum US-Bomber erhielten.

Bomber landet 1972 auf dem Schrottplatz

Schaffner wurde in der Schweiz Spezialist für das Heben von Flugzeugen und Schiffen. Im Ausland bekam er den Übernamen «Bomber-Schaffner». Am letzten Ausstellungsort in St. Moritz-Bad (ab 1970) wurde der Bomber 1972 verschrottet. Einige wenige Teile des Bombers sind bei Sammlern in der Schweiz und in Holland noch vorhanden.

Der Autor dieser Zeilen hat den Überflug des US-Bombers als 5-Jähriger erlebt, hatte Angst, dass nun bald Bomben fallen würden, und versteckte sich unter einer Aussentreppe eines Wohnhauses an der Industriestrasse in Zug.

Oskar Rickenbacher

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis: Oskar Rickenbacher ist Hobbyhistoriker und wohnt in Zug.

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