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Kolumne

Jammern ist okay

«Seitenblick» zur gegenwärtigen Grippewelle
Rahel Hug
Bild: stk

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Es ist ein Klischee, das sich hartnäckig hält: Jenes vom Mann, der bei jedem kleinen Wehwehchen aus einer Mücke einen Elefanten macht. Kaum läuft die Nase und kratzt der Hals, wird das sogenannte starke Geschlecht zum bemitleidenswerten Wesen: Männer seien wehleidiger als Frauen, so die landläufige Meinung.

Im Moment geht bekanntlich der Grippeteufel um. Nur wenige bleiben diesen Winter verschont von der Schnupfen-, Nies- und Hustenplage. Auch ich habe mir eine beharrliche Erkältung eingefangen, und bringe sie einfach nicht los – seit etwa drei Wochen hält sie mich auf Trab. Jeden Tag trinke ich mindestens einen Liter Ingwer-Zitronen-Tee mit Honig, esse so viele Zitrus-Früchte wie sonst nie, schlucke fleissig Zinkpillen und hin und wieder rettet mir eine Pretuval-C-Brausetablette den Tag.

Das ist ganz schön anstrengend. Der Tee hängt mir langsam, aber sicher zum Hals heraus und die Ricola-Zältli kann ich nicht mehr sehen. Ich möchte endlich wieder joggen gehen und ein Essen geniessen, das auch wirklich nach etwas schmeckt. Wenn ich erkältet bin und am Morgen aufwache, dann fühlt es sich an, als würde ich nie wieder gesund werden. Als müsste ich mein Leben lang mit entzündeten Nebenhöhlen, Kopfweh und triefender Nase durch die Weltgeschichte gehen. Wann hat diese Qual endlich ein Ende?

Sie merken es vielleicht: Bin ich krank oder nicht ganz auf der Höhe, mutiere ich zum Jammeri. Das gebe ich an dieser Stelle offen und ehrlich zu. In den vergangenen Wochen musste das auch mein Freund erfahren. Stoisch und mit einer Engelsgeduld hat er meine Klagen ertragen. Dass er selber auch angeschlagen und zum Teil nicht weniger erkältet war als ich, hat er sich nicht anmerken lassen. Nächtelang hat er gehustet, ohne seinem Frust Ausdruck zu geben. Jeden Tag ist er ohne zu seufzen aufgestanden.

Was ist nun mit dem eingangs erwähnten Klischee? Meine «bessere Hälfte», wie man so schön sagt, erfüllt dieses also ganz und gar nicht. Und das ist gut so. Nicht nur für mich als Partnerin, sondern auch, weil Stereotypen ja in gewisser Weise dazu da sind, um sie aufzubrechen und zu widerlegen. Wie auch immer: Ich wünsche jedem und jeder, der zurzeit mit einer gemeinen Erkältung kämpft, ganz gute Besserung. Und gebe Folgendes mit auf den Weg: Ein bisschen jammern darf und muss sein.

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