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Als Jankowski auf Zug hinunter blickte...

Von einem tüchtigen, nicht näher erfassten Maler des 19. Jahrhunderts stammt eine seltene Vedute der Stadt Zug. Die detailreiche, leicht idealisierte Darstellung vermittelt eine Idee davon, wie die Altstadt in den 1860er-Jahren in etwa aussah.
Andreas Faessler
So sah der Maler Johann (Friedrich) Wilhelm Jankowski in den 1860er-Jahren die Stadt Zug. Unten rechts hat er sein Gemälde mit F. W. Jankowski signiert. (Bild: Andreas Faessler)

So sah der Maler Johann (Friedrich) Wilhelm Jankowski in den 1860er-Jahren die Stadt Zug. Unten rechts hat er sein Gemälde mit F. W. Jankowski signiert. (Bild: Andreas Faessler)

Die Zentralschweiz lieferte den Romantikern des 19. Jahrhunderts reichlich Stoff. Namhafte Maler aus dem In- und Ausland bannten die Landschaften rund um die Rigi vielfach auf Leinwand und trugen die Schönheit dieser Region so in die Welt hinaus. Allein der Münchner Maler Josef Schoyerer etwa schuf mehrere Ansichten vom Urnersee mit dem Urirotstockmassiv. Auch Grössen wie Hubert Sattler, François Diday oder Alexandre Calame würdigten dieses Panorama mit Malereien von fantastischer Qualität. Die Mythen oder die Stadt Luzern und deren Hinterland finden sich ebenso häufig in romantischen Veduten wieder – etwa bei Jakob Joseph Zelger und natürlich bei Robert Zünd. Und der grösste aller Biedermeiermaler – der Wiener Ferdinand Georg Waldmüller – hat gar eine bäuerliche Szene mit dem Zugersee und der Rigi im Hintergrund festgehalten, wovon an dieser Stelle im November 2013 zu lesen war.

Etwas arg stiefmütterlich behandelten die Künstler von damals hingegen die Stadt Zug. Qualitätvoll gemalte Ansichten von ihr sind vergleichsweise sehr selten, erst recht solche aus namhafter Hand. Eine der wenigen erwähnenswerten Zuger Veduten stammt vom Düsseldorfer Maler Franz Pauly (1837-1913): Auf einem grossformatigen Gemälde sind die alte Michaelskirche und der Zurlaubenhof vor der See- und Bergkulisse zu sehen.

Eine weitere Ansicht Zugs, welche gar die gesamte Altstadt zeigt, hat der böhmisch-österreichische Maler Johann Wilhelm Jankowski (ca. 1800-1870) geschaffen, gelegentlich wird er auch als Friedrich W. Jankowski benannt. Ob sein Gemälde – Öl auf Leinwand, 55x69cm – vor Ort entstanden ist, ob er es mittels Versatzstücken im Atelier ausgeführt oder gar nach einer Vorlage gemalt hat, ist nicht überliefert. Aber das Bild zeigt bemerkenswerte Details. Unverkennbar ist es die Ansicht Zugs von der Guggiwiese aus betrachtet. Sollte Jankowski vor Ort gemalt haben, so hätte er seine Staffelei wohl exakt an jener Stelle aufgestellt gehabt, wo heute die überdachte Holzbeige steht. In der linken unteren Hälfte des Gemäldes sind zwei Leutchen im Sonnenlicht. Etwa dort dürfte heute der kleine Platz mit der bei vielen als «Kifferbänkli» bekannten Ruhebank liegen.

Abweichungen und Idealisierungen

Der Ortskundige erkennt aber auch gleich, dass der Maler nicht in jeder Hinsicht die Realität abgebildet hat, was Perspektiven und Anordnung der Gebäude betrifft: Der Zytturm in der Bildmitte erweckt mit dem überhöhten Spitzhelm eher den Eindruck, eine Kirche zu sein. Gleich links davon ist die Liebfrauenkapelle erkennbar. Der Abstand zur Oswaldskirche, welche Jankowski in ihren Dimensionen stark reduziert hat, ist geringer als in Wirklichkeit. Auch die Burg, der ebenfalls überhöhte Pulverturm und das Kapuzinerkloster sind gedrungen dargestellt. Der Kapuzinerturm versteckt sich hinter dem Baum, aber die alte Michaelskirche hingegen ist wieder sichtbar, jedoch ohne die Käsbisse, sondern hier mit einem Spitzhelm. Die Bergkulisse entspricht mehrheitlich der Realität, ausser dass die Ostflanke der Rigi etwas steil geraten ist und der Pilatus rechts von der Bildmitte eher wie ein gross geratener Hügel daherkommt.

Der spannendste Teil unserer Vedute liegt in der unteren rechten Ecke. Hell von der Nachmittagssonne erleuchtet malt Jankowski verhältnismässig realitätsgetreu das alte Baarertor, welches 1873 abgebrochen worden ist. Beim rechts anschliessenden Gebäude handelt es sich um das 1842 erbaute Stadttheater, das ab 1849 auch die Post beherbergte und später dem heutigen Verwaltungsgebäude weichen musste. Mit dem Umzug der Post vom «Hirschen» hierhin wurde der Platz in «Postplatz» umbenannt. Bis dahin hatte er «Schanzenplatz» geheissen. Im Vordergrund anhand des markanten Mansardwalmdaches schön zu erkennen ist der Vorgängerbau der 1902 fertiggestellten Hauptpost. Es handelt sich um das sogenannte Landtwing’sche Fideikommissgebäude, ein spätbarocker Palastbau aus dem Jahre 1762, erbaut von Franz Fidel Landtwing. Es beherbergte ab 1882 bis zu seinem Abbruch um 1899 die Poststelle und ab 1892 zudem Büroräumlichkeiten der Zuger Kantonalbank.

Ganz aussen am rechten Bildrand malt Jankowski das Regierungsgebäude, welches von 1869 bis 1873 errichtet worden ist. Zuvor war dieser Grund unbebaut gewesen und der ehemalige Schanzenplatz zum See hin offen. Die Tatsache, dass Jankowski das Regierungsgebäude abbildet, lässt auf ein Spätwerk des Malers schliessen, da er um 1870 verstorben ist, als das Regierungsgebäude im Bau war. Dass der Maler die im Entstehen begriffene «Kantonskanzlei» als schlichten Baukörper mit Walmdach ausführt, mag einerseits dadurch zu erklären sein, dass zum damaligen Zeitpunkt erst die Grundmauern standen und er es aus der Fantasie heraus «vollendete». Andererseits könnte sich der Maler an Entwürfen aus den 1860er-Jahren orientiert haben, die tatsächlich ein Bauwerk vorsahen, welches dem hier gemalten ähnlich war. Ein interessantes Detail erkennt man beim genauen Hinsehen mitten auf dem Postplatz: Eine grosse Treppenanlage führt rechts weg auf eine scheinbar tiefer gelegene Ebene nach dahin, wo heute auf gleichem Bodenniveau die Bahnhofstrasse vom Postplatz wegführt.

Und zu guter Letzt sei noch auf ein weiteres Detail hingewiesen, was im Kontext mit dem aktuell wieder auflodernden Gezeter um die Parkplätze auf dem Postplatz nicht einer gewissen Ironie entbehrt: Schon in den 1860er-Jahren wurde auf dem unteren Postplatz parkiert, auch wenn es damals halt nur Pferdefuhrwerke waren...

Ein gemaltes Zeitdokument

Johann Wilhelm Jankowski ist biografisch kaum erfasst. Man kennt bestenfalls die ungefähren Lebensdaten, dass er böhmisch-österreichischer Abstammung und dem Anschein nach sehr viel gereist war. Seine qualitativ hochwertigen Bilder sind beliebt und recht häufig im Kunsthandel anzutreffen – er scheint sehr fleissig gewesen zu sein. Jankowski dürfte auch wiederholt Luzern besucht haben, zumal mehrere Veduten der Stadt existieren, sogar eine von Kriens mit dem Pilatus. Häufig reicherte der Maler seine Ansichten mit fantasievollen Ergänzungen an, so dass sie zuweilen stark von der Realität abweichen. Glücklicherweise ist das bei unserem hier präsentierten Gemälde weniger der Fall, was es zu einem wunderbaren Zeitdokument macht, welches dem Betrachter vor Augen führt, wie sich Stadt und Landschaft in den 1860er-Jahren präsentiert haben – beim Blick von der Guggiwiese.

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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