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Leserbrief

Jeder Einzelne muss selbst aktiv werden

Zu den Klimastreiks der Schüler

An den Freitagmorgen ziehen Tausende von Schülern durch die Städte. Ihre Forderung: Die Ausrufung des Klimanotstands. Wozu? Wo beginnt die Mitwirkung für einen sinnvollen Beitrag zur Umwelt? In Sachen Umweltschutz kursierte kürzlich ein Videoclip mit wahren Fakten. Eine weise, ergraute Dame, 60 plus, gibt der jungen Kassiererin im Supermarkt, die ihr eine Plastiktüte für ihre Besorgung anbietet, eine Lektion in Sachen Umwelt. Sinngemäss sagt sie: «Früher beim Einkaufen haben wir unsere Einkaufstasche noch selbst mitgebracht. Vergassen wir sie, so packte uns der Händler den Einkauf in braune Papiertüten, die wir Zuhause für viele Zwecke weiter verwendeten. Plastiktüten, wie sie heute in jedem Laden zu haben sind, kannten wir nicht. Unsere Generation kannte keinen Umweltschutz, das war auch gar nicht nötig, weil leere Glasflaschen gaben wir an den Laden zurück, wo wir sie gekauft hatten, und erhielten auch noch 50 Rappen als Pfand zurück. Von dort gingen sie an den Hersteller, der die Glasflaschen wusch, sterilisierte und auffüllte, sodass jede Flasche unzählige Male benutzt wurde.»

Die heutige Generation hält kurz am Kiosk an, holt sich eine PET-Flasche und wirft sie danach in den Abfall. Die Milch holten wir als Kinder beim Milchhändler in unserer eigenen Milchkanne ab. Wir gingen zu Fuss die paar Schritte zum nächsten Lebensmittelgeschäft und benutzten keinen 350 PS starken Geländewagen. Damals wuschen wir Babywindeln. Einwegwindeln und Feuchttücher, die sowieso nicht ins WC entsorgt werden dürfen, da sie biologisch nicht abbaubar sind, gab es nicht. Die Kleidung der Kinder ging stets an die jüngeren Geschwister. Die Kleider wurden noch in der Schweiz fabriziert und waren qualitativ hochwertig.

Die heutige Generation, darunter auch die streikenden Schüler, trägt aber lieber top Designerkleidung. Dass diese in Bangladesch oder China durch Kinderarbeit hergestellt und durch mit Schweröl betriebene Containerschiffe nach Europa gebracht wird, ist der Jugend offensichtlich egal – Hauptsache, man geht freitags zur Demo für die Umwelt und trägt dazu Designer-Outfits. Am Morgen gab’s noch Filterkaffee und die ganze Wohnung duftete nach frisch gemahlenem Kaffee. Der Kaffeesatz wurde später für denn Garten verwendet. Heute wird lieber Kaffee aus der Alukapsel bevorzugt, es geht schneller und Zeit ist wertvoll. Die Alukapsel wird der Bequemlichkeit wegen in den Abfall geworfen.

In der Stadt beim Vorbeigehen oder im Bus nahmen wir die Umgebung wahr und begrüssten uns. Heute sind viele nur mit Kopfhörer im Ohr unterwegs und fokussiert auf das Smartphone. Ihr Umfeld wird nicht wahrgenommen. Ist der Kopfhörer defekt, wird er gleichgültig weggeworfen. Für zehn Franken gibt’s ja einen neuen aus China. Wo beginnt der Gedanke für einen sinnvollen Beitrag zur Umwelt? Bestimmt nicht bei den Politikern, die der Komplexität dieses Themas einzig durch CO2-Abgaben auf Treibstoffe, Heizöl, oder höhere Steuern auf Autos und Flugtickets et cetera rein symbolisch entgegentreten, aber darauf abzielen, dadurch versteckte Steuereinnahmen zu generieren.

So betragen die fixen Abgaben an Mineralölsteuer, Mineralölsteuerzuschlag und Importabgaben am Benzin etwa 73 Rappen pro Liter und gehen in die Bundeskasse. Damit wird deutlich, dass der Staat von hohen Benzinpreisen profitiert. Und die Umwelt? Der Gedanke, etwas Sinnvolles für die Umwelt zu tun, beginnt bei jedem Einzelnen. Wenn wir den Schutz der Umwelt und des Klimas nicht im grösseren Zusammenhang sehen, dann unterschätzen wir bei weitem, wie dringend es ist, dass auch jeder selbst aktiv werde. Die ältere Dame hat uns aus ihrem erlebnisreichen Leben ihre zweckdienlichen Erfahrungen weitergegeben und, gewollt oder ungewollt, einen Weg aufgezeigt, wie jeder Einzelne einen wertvollen Beitrag zur Umwelt beitragen kann, auch die streikenden Schüler.

Philippe J. Zihlmann, Zug

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