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Zuger Kunstvermittlerin: «Jeder kann über Kunst reden»

Sandra Winiger ist seit 20 Jahren als Kunstvermittlerin tätig. Im Kunsthaus organisiert sie Führungen, Workshops und vieles mehr. Und alle Generationen motiviert sie zum aktiven Dialog.
Monika Wegmann
Sandra Winiger ist überzeugt: «Durch die Auseinandersetzung mit Kunst kann man etwas über sich und über das Leben erfahren.»

Sandra Winiger ist überzeugt: «Durch die Auseinandersetzung mit Kunst kann man etwas über sich und über das Leben erfahren.»

Wie kann man heute junge und ältere Menschen vom Fernseher oder vom Smartphone weg- und ins Museum hineinlocken? Um die Hemmschwelle zu überwinden und Interesse zu wecken, braucht es Ideen. «Das Museum soll ein Ort sein, wo man gerne hingeht», sagt Sandra Winiger (50). Seit 20 Jahren steht sie im Zuger Kunsthaus als engagierte Kunstvermittlerin im Einsatz. Mittlerweile haben, wie sie schmunzelnd sagt, einige zehntausend Personen an ihren Vermittlungsaktivitäten teilgenommen. «Das Museum hat traditionell einen elitären Charakter, was viele Leute abschreckt. Wir versuchen über das Gespräch Türen zu öffnen, um miteinander die Kunst zu erkunden.» Als positive Resonanz ihrer Arbeit sieht sie die steigende Beteiligung bei den Angeboten.

Es hat sich einiges verändert, seit Winiger 1998 als Kunstpäd­agogin angestellt wurde. «Das Kunsthaus war damals ein ausserschulischer Lernort. Der Fokus meiner Arbeit war stark auf Schulen ausgerichtet.» Sie erinnert sich noch gut, dass ihre erste Aufgabe darin bestand, den Schülern die Sammlung Kamm, die damals neu ins Kunsthaus gekommen war, näherzubringen. «Dafür habe ich wahnsinnig viel gearbeitet und mich Tag und Nacht zur Kunst eingelesen. Aber es war toll, so anzufangen.»

Wichtig ist es, dem Original zu begegnen

Der Institution windet Sandra Winiger ein Kränzlein, wenn sie sagt: «Damals hatte die Kunstvermittlung für das Kunsthaus Zug bereits einen hohen Stellenwert.» Anfangs hätten nur wenige Gemeinden, die Stadt und der Kanton die Kunstvermittlung finanziell unterstützt. Darum freut sie sich, dass das Projekt inzwischen breit etabliert ist.

Ihr ist es wichtig, dass durch die direkte Begegnung mit dem künstlerischen Original eine Auseinandersetzung entsteht. «Ich will den Besucher nicht als stummen Fisch erleben, sondern ihn aktivieren und im Gespräch seine Wahrnehmung und seine Ausdrucksfähigkeit stärken. Für mich haben Kinder, Jugendliche, Erwachsene und auch Behinderte im Museum etwas zu sagen.» Dabei merke man rasch, dass es verschiedene Sichtweisen gebe. «Wir wollen hier einen aktiven und persönlichen Dialog mit dem Besucher führen», so Winiger.

Nicht einfach sei es aber, junge Erwachsene anzusprechen, stellt sie aber fest. Dabei sorge die Begegnung mit dem Originalbild, seiner physischen Präsenz, der Leinwand, dem Farbmaterial, das den Pinselstrich des Künstlers zeige, für eine andere Erfahrung, als wenn man nur das gepixelte Bild im Netz sehe. Darum sagt sie: «Zur Kunsterfahrung braucht es das Original, und es geht darum, sich Zeit zu nehmen.

Ihre Arbeit stösst auf Resonanz

Inzwischen hat Sandra Winiger zahlreiche Projekte zu Wechselausstellungen realisiert, Räume mitkuratiert, Kunst im öffentlichen Raum vermittelt, beim Kunsthaus mobil und beim Ship of Tolerance mitgewirkt und hat einen Kunstreiseführer für Kinder, Familien und Schulen geschrieben. Wie sie mit gewissem Stolz festhält, seien einzelne Projekte bereits Gegenstand von Forschungsarbeiten geworden.

Besondere Resonanz habe die erste Ausstellung im Jahr 2000 verzeichnet, welche die gemalten Sichtweisen von Kindern im Dialog mit den Originalkunstwerken ins Zentrum stellte. «Da haben wir ein Tabu gebrochen. Auch mit dem Projekt, bei dem das Publikum aus der Sammlung ein Bild auswählen und dem Publikum vorstellen konnte.» Neu gibt es zu jeder Ausstellung Gesprächs­stunden mit Sandra Winiger: «Wir möchten den Leuten einen Schlüssel in die Hand geben. Wenn sie sich auf die Auseinandersetzung mit dem Fremden einlassen, passiert oft etwas. Das sind schöne Momente.»

Sandra Winiger war zuerst Primarlehrerin, sie bildete sich weiter als Zeichenlehrerin/Fotografin und studierte Kunstgeschichte. Derzeit schreibt sie ihre Doktorarbeit über das kommunikative Verhalten der Museumsbesucher in Rauminstallationen. Und noch immer quirlt sie über vor Ideen. Der Pferdeschwanz wippt, und ihre Augen strahlen, wenn sie vom neusten Projekt spricht: «Im Herbst wollen wir mit Demenzkranken schaffen.» Nicht zuletzt darum freut sich die Kunstvermittlerin über das Label «Kultur inklusiv» der Pro Infirmis, das das Kunsthaus als erste Innerschweizer Institution erhalten hat.

Und sie hält fest: «Im Kunsthaus habe ich viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung. Das ist spannend. Die Kunstvermittlung hat sich verändert und auch ihre Formate. Sie findet nicht im stillen Kämmerlein statt, sondern strahlt in die Gesellschaft aus und richtet sich an alle Schichten.» Sie ist überzeugt: «Durch die Auseinandersetzung mit Kunst kann man etwas über sich und über das Leben erfahren.»

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