Leserbrief

Jedes Jahr das gleiche Theater

«Stadt Zug: Platzmangel bei der Betreuung», Ausgabe vom 9. November

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Mir stehen alle Nackenhaare zu Berge, wenn ich in der Zeitung lese, dass im November 2020 274 Kinder auf den Wartelisten für die schulergänzenden Betreuungsangebote der Stadt Zug stehen. Mein Gott, diese Kinder sind doch nicht plötzlich vom Himmel gefallen. Ich denke, man muss davon ausgehen, dass alle Kinder, welche in den Kitas sind und dann in den Kindergarten kommen auch tageweise einen Mittagstisch oder Tagesbetreuung brauchen.

Ich lese: «Am Montag ist die Warteliste am längsten. Dann fehlen 107 Plätze am Mittagstisch und 83 in der Nachmittagsbetreuung. Am Donnerstag ist es gerade umgekehrt.» Ja und, warum macht man am Montag den Mittagstisch nicht in zwei Schichten? Das Personal ist ja sowieso da. Warum hat die Stadt Zug, nach meiner Information als einzige Gemeinde, von 12 bis 14 Uhr Mittagspause? Vor 30 Jahren wurde uns im Parlament gesagt, es sei wegen Platzmangel der Musikschule, aber seit her hat die Musikschule ja ein eigenes schönes Schulhaus. Das Schulamt, das heisst die zuständige Stadträtin, ist verantwortlich für die Bereitstellung der benötigten Räume, sei es für die Schule oder die Tagesbetreuung. Sie ist die Bestellerin und muss Druck machen auf das Parlament. Was bringt es, das Material der Doku zu übernehmen und dann braucht die Bibliothek wieder mehr Platz respektive spekuliert schon wieder auf die Räume des alten Bauamtes? Was ist mit der über 20-jährigen Brandruine an der Zugerberstrasse 10?

Auch lese ich immer wieder von Tariferhöhungen für die schulergänzende Betreuung. Offensichtlich seien Gespräche im Stadtrat am Laufen, welche Eltern, die mehr als 140 Prozent arbeiten, mit einer Tariferhöhung zu bestrafen. Wohin führt diese Diskussion? Alleinerziehende haben laut Reglement sowieso einen Platz auf sicher und jetzt kommen noch Eltern, welche zusammen unter 140 Prozent arbeiten, zu einem günstigeren Tarif. Eine absurde Diskussion, bestraft werden diejenigen Eltern, welche voll arbeiten und brav höhere Steuern bezahlen.

Mitte der 1990er-Jahre hat die FDP-Fraktion eine Motion unter dem Titel «neue Schulzeiten» eingereicht. Wir machten zusammen mit den anderen bürgerlichen Parteien (SVP kam damals neu in Fraktionsstärke in den GGR) Druck für die Abschaffung der Blockzeiten und so weiter und beschlossen, dass alle Kinder den genau gleichen Betrag für den Mittagstisch und nicht wie vorher nach Einkommen bezahlen sollen. Auch war sich der GGR damals einig im Wissen, dass mehrere Millionen für die Seniorenbetreuung (Altersheime/Pflegeheime und so weiter) bezahlt werden, eine ähnliche finanzielle Beteiligung durch die Stadt (Steuerzahler) an die Kinderbetreuung erfolgen sollte. Da war eine Aufbruchsstimmung in die Zukunft zu spüren. 30 Jahre später, habe ich das Gefühl, wenn ich mit jungen Müttern spreche, es geht nicht vorwärts. Warum zum Beispiel muss in der Stadt Zug ein Kind im Minimum zwei Tage pro Woche in die Kita? Es heisst Kindeswohl. In allen anderen Gemeinden kann man die Kinder tageweise bringen, kein Kindeswohl?

Ich wünsche dem Stadtrat und dem Parlament mehr Mut, macht Nägel mit Köpfen. Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen. Familien sind ein Standortvorteil für eine lebendige Stadt.

Alice Landtwing, FDP Zug