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Sie zaubert aus alten Schwingerhosen neue Schwingröcke

Vom Traditionssport zum modischen Blickfang: Mirjam Roosdorp gibt gebrauchten Schwingerhosen ein zweites Leben.
Andrea Muff
Die Designerin Mirjam Roosdorp macht aus alten Schwingerhosen massgeschneiderte Schwingröcke in ihrem Atelier. (Bild: Maria Schmid, Neuägeri, 18. Juli 2019 )

Die Designerin Mirjam Roosdorp macht aus alten Schwingerhosen massgeschneiderte Schwingröcke in ihrem Atelier. (Bild: Maria Schmid, Neuägeri, 18. Juli 2019 )

Alte, zerrupfte Schwingerhosen liegen auf dem Tisch von Mirjam Roosdorp. Um ihren Hals hängt ein gelbes Massband, in den Händen hält sie Nadel und Faden – zu ihren Füssen liegt noch ein Rest Sägemehl. «Beim Auftrennen der Gürtelschlaufen rieselt manchmal noch ein bisschen Sägemehl heraus», sagt die 47-jährige Modedesignerin. Denn sie macht aus alten, abgewetzten und teils kaputten Schwingerhosen neue Schwingröcke für Frauen.

Ihr Atelier und Laden in Neuägeri befinden sich in einer Art Fabrikhalle. Mit einer Kollegin, die sich auf Schmuck und Inneneinrichtung spezialisiert hat, teilt sie die Räumlichkeiten im Spinni-Anbau an der Zugerstrasse 195 – in Anlehnung an die Adresse heissen die Räume «Laden°195». 2016 hat sich die Stadtzugerin hier eingerichtet, vorher war sie 20 Jahre am Landsgemeindeplatz anzutreffen. Neben den selbst genähten Stücken aus neuen Stoffen hat Mirjam Roosdorp auch immer wieder welche aus gebrauchten Kleidungsstücken in ihrem Sortiment. So bekommen etwa Herrenhemden als Frauenröcke ein zweites Leben. Und nun auch die Schwingerhosen.

Sie ist selbst
 ein grosser Schwingfan

Die strapazierfähigen Zwilch­hosen erhält die Modedesignerin von Schwingklubs. «Ich frage an und hole sie persönlich ab», erklärt sie. Momentan sei es aber gar nicht so einfach, an die ursprünglich von Sattlern hergestellten Hosen zu kommen. «Bald ist das Eidgenössische und viele wollten solche Hosen auch etwa zu Dekorationszwecken», weiss Roosdorp. Sie freut sich selber sehr auf die Megaveranstaltung. «Ich bin selbst ein grosser Schwingfan», gibt sie zu. Als vor drei Jahren bekannt geworden sei, dass das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) 2019 in Zug stattfinden wird, sei für sie klar gewesen, dass sie in diesem Stil etwas machen möchte. «Erst habe ich gegoogelt, weil es etwas sein sollte, das noch keiner macht.»

Jedes Stück ist von Mirjam Roosdorp handgefertigt und ein Unikat. «Sobald ich die Hosen bei mir habe, schüttle ich sie erste einmal aus», sagt sie lachend. Danach landen die Stücke in der Waschmaschine und später im Tumbler. «Dadurch wird der Stoff weicher und angenehm zum Tragen», hat die Zugerin herausgefunden.

Allfällige Löcher werden geflickt, durch den Gürtelbund geht neu ein Gummizug und vorne näht Roosdorp einen Jeans-Reissverschluss ein. Alte Nähte werden geöffnet, überflüssiger Stoff abgeschnitten und wieder zusammengenäht. «Es macht sehr viel Spass, auch mal mit weniger filigranen Materialien zu arbeiten», stellt sie fest. Jede Schwingerhose ist anders. «Normalerweise brauche ich für einen Schwingrock gut einen halben Tag – es kann aber auch länger dauern, je nach Zustand der Schwingerhose», erklärt die Designerin und fügt an: «Ich bin halt auch eine Perfektionistin.» Die harte Arbeit hat deshalb auch ihren Preis von 390 Franken.

Momentan gibt es eine Warteliste und Mirjam Roosdorp näht die Röcke auf Mass. Die auf den Hosen aufgedruckte Abkürzung des Schwingklubs lässt sie sichtbar. «Diese Kennzeichnung gehört einfach dazu», findet sie. Zudem nummeriert Roosdorp jedes Exemplar. Ihr nächstes erhält die Nummer 10. Und da der Rock auch zu ihrer neuen Winterkollektion passe, habe sie entschieden, ihn auch nach dem Esaf weiterzunähen, versichert die Zugerin. «Irgendeinmal gehen die Schwinghosen kaputt und dann landen sie auf meinem Tisch.»


Weitere Informationen zu «Mode Made in Zug» gibt es hier .

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