«Jetzt besteht die Chance, den Fehler zu korrigieren»

Zum Haus Zentrum. Henry Bachmann

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Stünde das Haus Zentrum anderswo, wäre es gar nicht so schlecht. Nur: Es steht eben am falschen Ort, nämlich in der Zuger Altstadt. Es passt sich in keiner Weise der Umgebung an. Es ist nach einer denkwürdigen Abstimmung vor rund 50 Jahren erstellt worden. Schon nach der Vollendung des Baus ist den nüchternen Bewohnern die städtebauliche Todsünde bewusst geworden.

Heute haben wir die Chance, diesen Fehler zu korrigieren. Es soll – gemäss Vorlage – alles bis auf die tragende Struktur abgerissen werden. Warum bricht man diese nicht auch ab? In der heutigen Zeit spricht man von Rückbau. Aufgrund neuer und kostengünstiger Methoden macht der Gesamtrückbau des «Hirschens» Sinn, da er eine Neugestaltung ermöglicht. Ein Neubau ist im Normalfall wesentlich billiger als ein aufwendiger Umbau! Kürzlich ist neben der Sihlpost in Zürich die vor rund 20 Jahren erstellte Verteilerzentrale komplett abgebrochen worden, um einem neuen Stadtteil Platz zu machen. Der Versuch eines Umbaus ist aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht erst gemacht worden. Der gestalterische Vorteil für das Quartier wird schon in wenigen Jahren sichtbar sein und die Umgebung des Bahnhofs von Zürich im Positiven verändern.

«Noch ?chlobiger?»
Die vorgesehene neue Fassadengestaltung der Vorlage verschlechtert die heutige Situation massiv! Die vertikale Ausrichtung der jetzigen Fassadenstruktur wird durch eine horizontale ersetzt. Damit wirkt das Haus Zentrum noch massiver, noch «chlobiger» – und wirkt noch mehr als Fremdkörper! Die Zuger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben die Chance, der Stadt den Weg zu zeigen. Mit einem klaren Nein zum rücksichtslosen Bau in der Zuger Altstadt erhält Zug die Möglichkeit, den früheren Fehler zu korrigieren. Die Stadt soll im Rahmen des Altstadtreglements ein Projekt ausarbeiten lassen, das der historischen Umgebung des Hirschenplatzes Rechnung trägt.

Ich wünsche mir von der Stadt bei der Ausarbeitung eines neuen Projekts einen sensibleren Umgang mit der Umgebung als bei den Projekten Geviert an der Grabenstrasse oder dem Klotz neben dem runden Pulverturm. Beides waren eigentlich sehr ansprechbare Projekte, aber eben nicht der Umgebung angepasst. Private Bauherrschaften haben für die Erhaltung ihrer Häuser im Rahmen des Altstadtreglements mit ansehnlichen Aufwendungen dazu beigetragen das Altstadtbild zu erhalten. Für die Stadt soll das auch gelten.

Stimmen Sie Nein – Sie ermöglichen damit die Ausmerzung einer städtebaulichen Todsünde aus früherer Zeit.

Henry Bachmann, Zug