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Ortsplanungsrevision im Ägerital: Jetzt werden die Weichen gestellt

Die Ortsplanungsrevision wird die Zukunft des Ägeritals entscheidend mitprägen. An einem Info-Anlass erhielt die Bevölkerung erste Einblicke.
Rahel Hug
Blick auf das Ägerital und den Ägerisee. (Bild: Stefan Kaiser, Oberägeri, 24. April 2019)

Blick auf das Ägerital und den Ägerisee. (Bild: Stefan Kaiser, Oberägeri, 24. April 2019)

Es ist ein umfassendes und bedeutendes Thema, dem die FDP-Ortsparteien aus Oberägeri und Unterägeri am Dienstagabend einen Informationsanlass gewidmet haben: Die Ortsplanungsrevision. Und, wie sich zeigte, ein Thema, das interessiert und bewegt: Im Foyer der Dreifachturnhalle Hofmatt in Oberägeri mussten sogar zusätzliche Stühle aufgestellt werden, so gross war der Andrang.

Unter dem Motto «Weichenstellung für unsere Zukunft» referierten Florian Weber, Zuger Baudirektor, Christian Schnieper, Stadtarchitekt in Zug, Marcel Muri, Raumplaner für Unter- und Oberägeri, sowie Alain Fuchs, Präsident des Hauseigentümerverbandes (HEV) Zugerland. Moderiert wurde der Anlass von Sussi Hodel.

Wachstum, aber kaum Neueinzonungen

Wie sehen die Gestaltungsmöglichkeiten der Gemeinden überhaupt aus? Welche Regeln legt der Bund fest und was bedeuten sie für Kantone und Gemeinden? Florian Weber zeigte auf, welche Instrumente es auf den verschiedenen Ebenen für die Ortsplanung gibt. Es sind dies der Sachplan (Bund), der Richtplan (Kanton) und der Nutzungsplan (Gemeinde). Der Richtplan des Kantons Zug wurde angepasst, deshalb sind auch die Gemeinden angehalten, sich Gedanken über ihre Zukunftsentwicklung zu machen. Für das Jahr 2040 rechnet der Richtplan mit 10000 Einwohnern in Unterägeri und 6800 in Oberägeri. Die Herausforderung dabei sei, dass fast keine Neueinzonungen mehr geplant seien, so Weber. Verdichtung lautet das Zauberwort, doch auch der Baudirektor weiss: Das kommt nicht überall gut an. Wohin also geht die Reise? Bei dieser Frage brauchte Weber ein bekanntes Zitat: «Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.»

Neue, auch unkonventionelle Ideen sind also gefragt. Christian Schnieper erklärte, wie man in der Stadt Zug vorgegangen ist. «Als erstes haben wir die Bevölkerung befragt. Eine Woche lang haben wir die Quartiere besucht», berichtete der Stadtarchitekt. Dabei ging es um die Frage, wie die Stadt Zug 2050 aussehen soll. Für Schnieper steht fest: «Der Einbezug der Bevölkerung ist sehr wichtig. Und die Politik muss mutig sein.» Die Stadt organisierte Denkwerkstätten mit Fachleuten, entwickelte Zukunftsbilder und formulierte Gestaltungsziele. Zusammengefasst im «Stadtraumkonzept Zug 2050».

Auch im Ägerital sind die Arbeiten bereits in vollem Gange. Es ist eine Besonderheit, dass die beiden Gemeinden in dieser Sache zusammenspannen. Marcel Muri legte dar, «wo wir stehen und wo es hingehen soll». Gestartet wurde mit einer Analyse. Diese zeigte auch Unerfreuliches auf. «Wir haben einen dramatischen Rückgang von Familien mit Kindern», so Muri. Das sei in ländlichen Gebieten vielerorts ein Problem, im Ägerital jedoch noch stärker. «Was gebaut wird, ist zu teuer», führte der Raumplaner aus. Im Frühling soll deshalb ein Projekt gestartet werden, um in den Ortszentren kleinere Baukörper mit bezahlbaren Wohnungen zu fördern. «Wir suchen gute Architekten, die sich für Planungen dieser Art interessieren.» Das Ziel: Bessere Durchmischung der Bevölkerung durch Innenverdichtung.

Weiter soll die Seepromenade zwischen Ober- und Unterägeri besser erlebbar gemacht werden, beispielsweise mit einem Steg für Fussgänger. Auch die Busverbindungen sollen verbessert und die Arbeitsplätze gestärkt werden. Um in den Dialog mit den Einwohnerinnen und Einwohnern zu treten, wird in Oberägeri eine «Quartier-App» lanciert. Es hat sich also schon einiges getan in Sachen Ortsplanungsrevision, im November soll laut Muri weiter informiert werden.

Harmonisierung der Bauordnungen gefordert

Alain Fuchs ging in seinem Referat auf die Seite der Grundeigentümer ein. Er betonte, wie wichtig eine gute Kommunikation bei solchen Anpassungen sei, und formulierte Wünsche an die Politik: Die gemeindlichen Bauordnungen sollen harmonisiert, eine «Überregulierung» soll verhindert werden.

In der anschliessenden Podiumsdiskussion zeigte sich, dass in dieser Sache noch viel Arbeit auf die Ägerer Politiker zukommen wird. «Ich freue mich auf den Dialog, habe aber auch grossen Respekt, denn die Meinungen sind sehr vielfältig», sagte Pius Meier, Gemeindepräsident von Oberägeri. Oder wie es Josef Ribary, sein Amtskollege aus Unterägeri, ausdrückte: «Am Schwingfest hiess es ‹Manne, i d’Hose›. Jetzt heisst es ‹Gmeinde, i d’Hose›.»

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