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Zug leistet Pionierarbeit bei der beruflichen Integration von Flüchtlingen

Neu gibt es in der ganzen Schweiz sogenannte Integrationsvorlehren, die vom Bund finanziell unterstützt werden. Vier Kantone bieten diese schon seit letztem Jahr an, darunter Zug. Alle Teilnehmer haben bestanden – ein Besuch bei zwei von ihnen.
Christopher Gilb
Eden Aferwerki (linkes Bild) bereitet mit Ausbildnerin Alexandra Iten den Raum fürs Mittagessen vor. Alay Tekleweini (rechtes Bild) richtet mit Ausbildner Roman Müller Material für die Baustelle. (Bild: Bilder: Jakob Ineichen (Zug/Risch, 28. Juni 2018))
Eden Aferwerki (linkes Bild) bereitet mit Ausbildnerin Alexandra Iten den Raum fürs Mittagessen vor. Alay Tekleweini (rechtes Bild) richtet mit Ausbildner Roman Müller Material für die Baustelle. (Bild: Bilder: Jakob Ineichen (Zug/Risch, 28. Juni 2018))
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Jetzt wollen sie Schweizerdeutsch lernen

Wie können Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden? Diese Frage steht ­immer wieder im Raum. Denn wer den Einstieg nicht schafft, wird oftmals zum Sozialfall. Ab diesem Sommer sollen nun jährlich schweizweit Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene eine sogenannte Integrationsvorlehre (Invol) absolvieren. Pro Platz und Jahr zahlt der Bund den Kantonen 13 000 Franken ­dafür. Die Invol ist eine Art Vorstufe zur regulären Lehre. Die Teilnehmer werden im Betrieb und in der Schule (siehe Kurzinterview) fit für die Lehre gemacht. Fürs Bestehen erhalten sie einen Fähigkeitsausweis. Vorgesehen ist, dass nur Betriebe mitmachen, welche den erfolgreichen Teilnehmern danach auch einen richtigen Lehrvertrag anbieten. Da im Kanton Zug schon Strukturen vorhanden waren, hat dieser bereits letztes Jahr mit der ­Invol gestartet. Die acht Teilnehmer ­teilten sich auf folgende Berufe auf: Fachfrau Hauswirtschaft, Gärtner EBA, Baupraktiker, Montage-Elektriker, Sanitärinstallateur und Detailhandelsassistentin. Alle haben sie bestanden.

«Nun ist sie sprachlich bereit fürs erste Lehrjahr und bezüglich ihres Fachwissens mehr als gut gerüstet.»

Alexandra Iten aus der Schweiz und Eden Aferwerki aus Eritrea sind beide 23. Iten ist die stellvertretende Leiterin Hauswirtschaft im Alterszentrum Neustadt in Zug, wo Aferwerki ihre Integrationsvorlehre absolviert. Die beiden verstehen sich gut, während sie den Mittagstisch decken. Sie wirken vertraut und kichern das eine oder andere Mal miteinander. Seit dreieinhalb Jahren ist Eden Aferwerki nun in der Schweiz. Ihre Flucht aus der Heimat führte über Äthiopien und den Sudan. In Eritrea hatte sie zuletzt die Schule besucht, in Äthiopien dann kurzzeitig als Kellnerin gearbeitet. Darauf reduzierte sich aber ihre berufliche Erfahrung bei der Ankunft in der Schweiz. Vor eineinhalb Jahren kam sie dann zum ersten Mal ins Zentrum Neustadt. Damals noch für ein Praktikum, das von GGZ@Work vermittelt worden war. Doch um eine richtige Lehre zu starten, waren ihre Deutschkenntnisse, vor allem was fachspezifische Wörter betrifft, noch nicht genügend. «Da sind die Anforderungen schon hoch», so Iten. «Auch mit den Bewohnern konnte ich mich nicht richtig unterhalten», erinnert sich Aferwerki. «Im letzten Jahr hat sie nun aber riesige Fortschritte gemacht», ergänzt Alexandra Iten. «Nun ist sie sprachlich bereit fürs erste Lehrjahr und bezüglich ihres Fachwissens mehr als gut gerüstet.» Flüchtlinge in einem Praktikum hätten sie schon öfters im Alterszentrum gehabt. «Aber erst mit der ­Integrationslehre konnte ich nun auch mein Fachwissen weitergeben», so Iten.

Verantwortung übernommen

Mit Aferwerki habe sie eine wissbegierige Schülerin gefunden, so Iten. «Sie macht das alles sehr gut und trägt nun schon recht viel Verantwortung.» Dazu gehöre, die Pflegeetagen selbstständig zu reinigen, Wäsche zu sortieren, den Tisch zu decken und in der Cafeteria mitzuarbeiten. «Ihre Ziele wurden von den Verantwortlichen der Invol festgelegt und kontrolliert», so Iten. Zwei Wochen Ferien hat Aferwerki jetzt, dann startet die richtige Lehre. «Am Anfang hatte ich auch Probleme, mich mit Leuten auf der Strasse zu unterhalten, ich konnte meine Gedanken nicht in Worte fassen. Aber auch das klappt jetzt sehr gut», sagt die junge Frau, die in Zug lebt. Das Alterszentrum jedenfalls will erneut einem Flüchtling eine Chance für die Integrationsvorlehre bieten. Und Eden sagt, ihr nächstes Ziel sei es nun, auch noch Schweizerdeutsch zu lernen.

«Ich wollte aber schon immer etwas Technisches machen»

Lettenstrasse in Risch. Alay Tekleweini, 26, ebenfalls aus Eritrea, holt im Lager der H. Müller Elektro AG Material für eine Baustelle, auf der er gerade arbeitet. Der junge Mann kam vor vier Jahren in die Schweiz. In Eritrea leistete er zuletzt Militärdienst. Gearbeitet hat er in seiner Heimat davor auf dem elterlichen Bauernhof. «Ich wollte aber schon immer etwas Technisches machen», sagt er. In der Schweiz begann er, in verschiedene Berufe hineinzuschnuppern, wobei ihm die Integrationsvorlehre bei der H. Müller Elektro AG am meisten zusagte. Für Firmenchef Roman Müller ist er bereits der zweite Flüchtling, den er anstellt. «Ich arbeite gerne mit jungen Menschen, und in unserer Branche gibt es relativ viele Abgänge», so Müller. Geschätzt würden rund 40 Prozent bis zum 25. Lebensjahr wechseln. «Mit dieser Grundausbildung habe man eben viele Möglichkeiten, und einige bevorzugen später einen Bürojob.» Aber er sei überdies auch der Überzeugung, dass wenn man Leute erfolgreich integrieren wolle, man ihnen auch eine Chance geben müsse. Durch den Kontakt zu den Arbeitskollegen könne Tekleweini zudem neue private Kontakte knüpfen.

Die Zurückhaltung ablegen

Tekleweini selbst ist begeistert von der Invol. «Mir fällt es dank des berufsbezogenen Unterrichts jetzt einfacher, in der Mathematik und Physik Aufgaben auf Deutsch zu verstehen und zu lösen.» Sein Ziel sei es, erfolgreich die reguläre Lehre zu absolvieren. Roman Müller zeigt sich da zuversichtlich: «Was mir einfach aufgefallen ist bei den beiden Flüchtlingen, die bei mir sind: Sie sind eher ruhige Typen.» Das sei nicht schlecht, doch gerade wenn man für die Schule etwas nicht verstehe, sei es gut, sich Hilfe im Betrieb zu holen. Daran könnte man aber noch arbeiten. Auch bei Alay Tekleweini heisst die nächste Aufgabe nun, Schweizerdeutsch zu lernen. «Auf der Baustelle kann das nicht schaden», sagt Müller.

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