JOSEPHINE KEISER: Eine Frau, ein Heim – seit 100 Jahren

Josephine Keiser legte in Zug den Grundstein für Sozialhilfe. Eine Geschichte, die während eines Jahrhunderts nichts an Faszination eingebüsst hat.

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Porträt von Josephine Keiser (1875-1967), gemalt von Thusnelda Würtenberger (Ausschnitt). (Bildreproduktion Alexandra Wey/Neue ZZ)

Porträt von Josephine Keiser (1875-1967), gemalt von Thusnelda Würtenberger (Ausschnitt). (Bildreproduktion Alexandra Wey/Neue ZZ)

Zug vor 100 Jahren: Das Fischerdorf ist in der kontinuierlichen Wandlung zum Handwerkerdorf begriffen. Zwischen 1850 und 1900 verdoppelt sich die Einwohnerzahl Zugs auf 6508 Einwohner. Die Fabriken suchen Arbeitskräfte, möglichst billig: Sie finden sie in jungen Frauen. So genannte Töchter, die aus dem Hinterland in die Stadt strömen. Oft leben sie hier bei Handwerkerfamilien, fern vom zu Hause. Dem erzieherischen Einfluss der Eltern entzogen. Nicht selten arbeiten die Frauen über Gebühr; in der Zuger Metallwarenfabrik etwa, 16 Stunden dauern diese Arbeitstage. Diese gesellschaftlichen Verhältnisse bilden die Grundlage für soziales Gedankengut, das zuallererst in kirchlichen Kreisen um sich greift. In deren Umfeld entsteht die Genossenschaft Marienheim, die sich die Unterstützung der jungen Frauen auf die Fahne schreibt: Die Töchter sollen geeignete Anstellungen finden, eine preisgünstige Unterkunft sowie ausgebildet und betreut werden.

Grundstein für die Sozialhilfe
Hinter diesem Engagement steht Josephine Keiser, um die Jahrhundertwende selbst eine junge Frau von 25 Jahren. «Und eine der bedeutendsten Frauen ihrer Zeit», sagt Heinz Müller, der ihre Geschichte festgehalten hat. Geboren in Flüelen, wo ihre Eltern das Hotel Urnerhof führen, geniesst sie ihre Ausbildung im Institut Menzingen. Vom Vater habe sie Tatkraft, Mut und Durchsetzungsvermögen gelernt, die Mutter hat ihr Sorge und Umsicht vermittelt, schreibt Müller. «So wurde sie zur treibenden Kraft, eine Persönlichkeit, welche die Probleme erkannte und Lösungen umsetzen konnte.»

Der karitativen Unterstützung der Frauen verschreibt sich Josephine Keiser vollkommen, macht ihren Einsatz bewusst zur Lebensaufgabe. Sie sichert sich das Organisationstalent der Menzinger Schwestern und wird ihrerseits von Professor und Priester Carl Josef Müller stark unterstützt. Ihre Tatkraft im sozialen Bereich ist unerreicht: Die gläubige Frau gründet nicht bloss die Gesellschaft Marienheim, aus der die Genossenschaft entstanden ist, sondern auch das Marianische Jungfrauenkongregational, die Zuger Liebfrauenschwestern; sie ist Präsidentin des Katholischen Mädchenschutzvereins (Zug), Direktorin des Vereins für Kranken- und Wochenpflege in Zug, Mitinitiantin der Familienhelferinnen, der Pflegerinnenschule, der Schwesternschule im Schwesternhaus und des Wöchnerinnen- und Kinderheimes Waldheim – wobei diese Aufzählung längst nicht vollständig ist.

Chantal Desbiolles

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Freitag in der Neuen Zuger Zeitung.