JUBILÄUM: «Ein Hotel zu führen, ist Herzenssache»

60 Jahre sind vergangen, seit die Familie Elsener das «Guggital» übernommen hat. Zwei Generationen sitzen an einem Tisch – und haben viel zu erzählen.

Susanne Holz
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Kleines Bild: Das «Guggital» auf einer alten Postkarte. Grosses Bild: Cornelia und Martin Elsener (stehend) haben das Hotel von Franz und Klärly Elsener übernommen. (Bilder PD/Christof Borner-Keller)

Kleines Bild: Das «Guggital» auf einer alten Postkarte. Grosses Bild: Cornelia und Martin Elsener (stehend) haben das Hotel von Franz und Klärly Elsener übernommen. (Bilder PD/Christof Borner-Keller)

Zum «Metzgete-Verwöhnbuffet» hat das Hotel Guggital am Wochenende geladen. Der Preis für eine Schlachtplatte: 30 Franken. Der 81-jährige Franz Elsener, Vater des jetzigen Hotelchefs Martin Elsener, erinnert sich gut, was eine Schlachtplatte für zwei Personen 1956 gekostet hat: 8 Franken.

Zwei Jahre zuvor hatte sein Vater, Franz Elsener-Keller, das Hotel Guggital gekauft – für 360 000 Franken. Franz Elsener-Keller war Metzgermeister von Beruf, von 1931 bis 1948 hatte er die Metzgerei an der Neugasse geführt, anschliessend das Hotel Pilatus an der Bahnhofstrasse. Der berufliche Hintergrund des «ersten Elsener» im Hotel Guggital erklärt, weshalb bis 1962 noch eigene Schweine für die Metzgete geschlachtet wurden – eine Tradition, die der Sohn mit der Hotelübernahme 1962 nicht fortführte.

Bäder – ein «Grössenwahn»

Sohn Franz war es jedoch, der zusammen mit seiner Frau Klärly in den Jahren 1968 und 1969 das neue Hotel baute: mit 33 Zimmern und 52 Betten. Das junge Ehepaar musste damals einige Überzeugungsarbeit beim Kreditinstitut des Schweizer Hotelverbands leisten: Für «grössenwahnsinnig» hielten es die Banken, in jedes Zimmer ein Badezimmer einzubauen. Franz Elsener erinnert sich: «Ich traf mich damals mit drei alten Herren des Kreditinstituts, die mich fragten, welche Sicherheiten ich zu bieten hätte. Nur meine Frau und mich, gab ich ihnen zur Antwort, wir haben den Willen und die Kraft, das zu schaffen.»

Die drei Herren liessen sich überzeugen – das neue Hotel bekam seine Badezimmer. Und Klärly Elsener musste fortan keine Nachttöpfe mehr leeren. Auch waren die neuen Zimmer laut Franz Elsener «vom ersten Tag an verkauft – nur über Mundpropaganda».

Vom Premier bis zum Sony-Chef

Im Lauf der Jahre beherbergte das Hotel Guggital so manch illustren Gast. Hatte es Anfang des 20. Jahrhunderts unter Leitung der Familie Bossard schon eine erste Hochphase als Kurhotel – im Juni 1903 hiess Hotelier Josef Bossard mehr als 100 Gäste aus aller Welt willkommen –, so denkt Franz Elsener gerne an die Siebzigerjahre zurück, als bei ihm Eishockeymannschaften von China bis Amerika ein Dach über dem Kopf fanden. Aber auch die zahlreichen Aufenthalte berühmter Persönlichkeiten über die Jahre hinweg sind unvergessen. 1973 war es der stellvertretende israelische Premierminister Yigal Allon, der mit seiner Frau erholsame Tage im «Guggital» verbrachte – inkognito. Sony-Chef Nobuyuki Idei checkte immer wieder bei den Elseners ein, und 1981 logierte die Viererzug-Mannschaft des britischen Prinzen Philipp im Hotel Guggital.

Kontakt ist das Schönste

Dabei gehört es zur Philosophie der Elseners – sowohl von Franz und Klärly als auch von Sohn Martin und Schwiegertochter Cornelia, die das Hotel seit 1994 führen –, alle Gäste gleich zu behandeln. Sei es der Arbeiter, der zur Znünipause kommt, sei es die Familie, die ihre Kinder im Garten unter den Kastanien spielen lässt, sei es der Filmschauspieler, der gerade in Zug dreht, wie Gustav Knuth Anfang der Sechzigerjahre. Cornelia Elsener betont: «Wir haben die verschiedensten Gäste, neben dem einfachen Arbeiter sitzt womöglich der Geschäftsmann, der dieses Haus zehnmal kaufen könnte.» Der menschliche Kontakt zu den Gästen sei das Schönste am Beruf des Hoteliers, findet ihr Schwiegervater. Und fügt an: «Ein Hotel zu führen, ist eine Herzensangelegenheit.»

«Jeder Tag ist anders»

Was es aber gleichzeitig auch ist: ein Projekt ohne Ende. «Man kann kein Jahr verstreichen lassen, ohne irgendetwas zu erneuern», weiss Cornelia Elsener aus Erfahrung. Franz Elsener blickt zurück, wie man 1954 erst mal Kühlschrank und Kaffeemaschine kaufte, wie er – als gelernter Konditor – die Glace zunächst noch im Holzkübel herstellte. Wie er 1964 für 1800 Franken dem Restaurant Stadthof Herd, Kippkessel und Bratpfanne abkaufte – und den Herd selbst noch ausbaute. Und wie 1967 und 1968 innert einer sagenhaft kurzen Zeit von gerade mal fünf Wochen Küche, Saal und Restaurant umgebaut wurden.

Doch der Familie Elsener geht der Atem noch lange nicht aus: «Jeder Tag ist anders», sagt Martin Elsener, der rund 25 Mitarbeiter lenkt, und freut sich darüber. Seine Eltern sind glücklich, «dass Martin und Cornelia das Hotel übernommen haben und in unserem Sinn weiterführen» – die Stammgäste sind immer noch die­selben.