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JUBILÄUM: Eine Institution bietet den etwas anderen Arbeitsplatz

50 Jahre Zuwebe: Die Zuger Organisation hat Geburtstag. Geschäftsführer Antonio Gallego spricht bei dieser Gelegenheit über die verschiedenen Herausforderungen, eine soziale Institution zu führen.
Carmen Rogenmoser
Geschäftsführer Antonio Gallego wird von William Voehnger und Leonora Sulejmani ausgeleuchtet. (Bild: Christian H. Hildebrand (Baar, 20. Januar 2017))

Geschäftsführer Antonio Gallego wird von William Voehnger und Leonora Sulejmani ausgeleuchtet. (Bild: Christian H. Hildebrand (Baar, 20. Januar 2017))

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Vom Eltern-Verein zum Unternehmen mit einem sozialen Auftrag und dem Ziel, Menschen mit besonderem Betreuungsbedarf in die Gesellschaft zu integrieren: Vor 50 Jahren wurden die Grundsteine für die Zugerische Werkstätte für Behinderte (Zuwebe) gelegt. Das soll das ganze Jahr über gefeiert werden. Ein langer Weg liegt hinter der Institution. Ein Weg, der einem stetigen Wandel unterworfen war, sowohl aus fachlicher Sicht wie auch aus wirtschafts- und finanzpolitischer Sicht. Ein «Lifting» nennt Geschäftsführer Antonio Gallego das, was in den letzten vier Jahren in der Zuwebe passiert ist. «Wir haben das Arbeitsangebot überprüft, genauso wie die Prozesse und Abläufe.» Das klingt trocken und ist es wohl auch. Doch es muss sein, Stehenbleiben liegt nicht drin. Der strukturelle Wandel der Wirtschaft übertrage sich «eins zu eins» auf das Unternehmen, erklärt Gallego. Er sei sogar schneller spürbar, weil einfache Arbeiten plötzlich fehlen. Die Auslagerung ins Ausland, der Fortschritt der Digitalisierung und Technologisierung.

Durch den Schritt in die Gastronomie beispielsweise mit dem «Intermezzo» in der Zuger Altstadt oder dem Beizli beim Ziegeleimuseum in Hagendorn sowie durch die Ausdehnung des Angebots in den Bereich Gärtnerei und der Unterhaltspflege habe man das versucht, so Gallego. Seit vier Jahren führt der Aargauer die Zuwebe. «Es ist uns gut gelungen», findet er. «Das soll nun gefeiert werden.» Denn die Zuwebe ist vielmehr ein Zuhause für unterschiedlichste Zuger, ein Dach für geschützte und «ungeschützte» Arbeitsplätze, ein Veranstaltungsort von Ausstellungen und Konzerten, ein Zuhause für betreute und selbstständige Lebensformen oder einfach ein Treffpunkt.

Paradigmawechsel: Inklusion statt Integration

Angefangen hat 1967 alles damit, dass sich Eltern von Kindern mit einer geistigen Behinderung zusammengetan haben. Die Kinder hatten die Sonderschule absolviert, es ging um die Frage: «Was jetzt?» Aus persönlicher Betroffenheit wurde daraus ein Verein. «Beim Jubiläum geht es auch um eine Würdigung jener, die das gemacht haben», sagt Gallego bestimmt. Dabei war die Leitung der Zuwebe nicht nur mit den Anpassungen an wirtschaftliche Veränderungen beschäftigt, sondern auch mit fachlichen Entwicklungen. Eben findet mit der UNO-Behindertenrechtskonvention wieder ein Paradigmawechsel statt, erklärt Gallego: Inklusion statt Integration. Das bedeutet, dass Menschen mit einer Behinderung einen vollen Anspruch auf die Teilhabe haben. Konkret heisst das: nur so viel Betreuung wie nötig und so viel Selbstständigkeit wie möglich. «Auch in diesem Bereich gibt es finanzpolitische Überlegungen», Gallego spannt den Bogen zurück und erklärt: «Je selbstständiger ein Mensch ist, desto weniger Betreuung benötigt er, was sich auch auf die Kosten auswirkt.» Für die Klienten – unter dem Begriff werden alle Bewohner und Arbeitnehmer mit einer geistigen oder psychischen Beeinträchtigung zusammengefasst – bedeutet das, die Grenzen zwischen «draussen» und «drinnen» sollen möglichst verschwinden.

Es sind komplexe Themen, mit denen sich die Mitarbeiter der Zuwebe und Gallego tagtäglich befassen. Für ihn ist es aber ein «Privileg, hier zu arbeiten». Besonders die Atmosphäre sei ihm von Anfang an positiv aufgefallen. «Die Klienten haben Freude an dem, was sie haben beziehungsweise was sie tun, ohne permanent alles zu hinterfragen», erklärt er. Für ihn, der vorher im sozialpädagogischen Bereich mit jugendlichen Straftätern zu tun hatte, sei das sehr lehrreich gewesen. «Es ist der etwas andere Arbeitsplatz», sagt der 50-Jährige. «Unsere Türen sind offen, im wahrsten Sinne des Wortes.» Das bedeute eben auch, dass die Leute tatsächlich hereinkommen. «Man muss bereit sein, sich unterbrechen zu lassen», lacht Gallego.

Und nun geht es ans Feiern. Das Haus ist bereits geschmückt, die Vorfreude spürbar. Worauf freut sich Gallego denn am meisten? «Ganz klar der neue Imagefilm und der Dokfilm.» Beide seien eine Inspiration und tief berührend. Ganz grundsätzlich sei er aber einfach dem ganzen Team dankbar, was dieses trotz der Veränderungen und der Konsequenzen aus dem eigenen Entlastungsprogramm auf die Beine gestellt habe. Doch auch das Jubiläumsjahr soll ganz im Zeichen der Inklusion stehen: Die Zuger Bevölkerung soll teilhaben am Leben. «Wir wollen zeigen, was wir hier machen», so Antonio Gallego.

Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag

Unter dem Motto «50 Jahre Zuwebe – darauf sind wir stolz» hat die Institution über das ganze Jahr verschiedene Projekte und Anlässe geplant:
Bereits Mitte Januar wurde der Web-Auftritt der Institution neu gestaltet (www.zuwebe.ch). Zudem hat die Zuwebe gemeinsam mit der Agentur Voltafilm GmbH aus Luzern einen Image-film gedreht. Während knapp zweier Minuten wird gezeigt, dass es im Alltag und in der Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigung kein Entweder-oder gibt. Der Jubiläumsfilm ist ebenfalls auf der Homepage abrufbar. Im März wird auf der Website ein Webshop mit verschiedenen Eigenprodukten zu finden sein. Gemeinsam mit der Werbeagentur James Communication AG aus Rotkreuz wurde für diese Produkte ein neuer Markenauftritt entwickelt. Auch dieses neue Branding wird im März vorgestellt.
Die Zuger Hip-Hop-Band Fratelli-B hat für die Zuwebe einen Jubiläumssong geschrieben. Thematisiert wird das Thema Behinderung, ohne jedoch den Begriff im Text zu verwenden. Er wird im Mai veröffentlicht und begleitet die Zuwebe durch das Jahr. Am 18. Mai findet die Jubiläumsgeneralversammlung statt. Zum Jubiläumsanlass im Gemeindesaal in Baar werden Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Behörden, Institutionen sowie Vereinsmitglieder eingeladen. Zum Programm gehört auch eine Podiumsdiskussion mit Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, Beatrice Kronenberg (ehemalige Direktorin der Stiftung Schweizer Zentrum
für Heil- und Sonderpädagogik), Peter Saxerhofer (Geschäftsleiter Insos Schweiz) sowie Vertretern der Zuwebe. Zudem wird an diesem Abend der Film «Das Leben ist kein Ponyhof» als Premiere gezeigt. Dokfilmerin Ursula Brunner hat im Sommer 2016 eine Klientin und zwei Klienten der Zuwebe begleitet und einen Porträtfilm gedreht.

Ein Volksfest in der Zuwebe

Am 1. Juli schliesslich findet das grosse Zuwebe-Jubiläumsfest statt. Die Bevölkerung wird zum grossen Fest am Standort Inwil eingeladen. Verschiedene Aktivitäten werden geboten: Zur Einweihung eines neuen Begegnungsortes wird ein Baum gepflanzt, und die Arbeits- und Wohnbereiche können besichtigt werden. Ebenso kann man sich den Dokfilm anschauen und bei einem Parcours seine Fähigkeiten austesten. Es gibt ein grosses kulinarisches Angebot sowie ein Konzert der Musikgruppe Pissnelken.

Ebenfalls im Juli wird das Zuwebe-Museum am Standort Inwil eröffnet. Es ist der Öffentlichkeit zugänglich. Zusammen mit dem Künstler Andy Ineichen hat die Zuwebe verschiedene Installationen, Zeitungsbeiträge sowie Ton- und Bildträger aufgearbeitet, die die Geschichte der Institution dokumentieren.

Im ganzen Jubiläumsjahr sollen auch die Klienten nicht zu kurz kommen: Ab Anfang Juli gibt es für sie eine Freizeit- und Ferienaktion. Jeder Klient erhält einen Geldbetrag von maximal 1000 Franken für eine individuell geplante Reise oder eine betreute Ferienwoche mit der Zuwebe. Die Ferienaktion wird über Spenden finanziert.

Vom 21. bis 29. Oktober findet die Zuwebe-Tombola an der Zuger Messe statt, und der Abschluss des Jubiläumsjahres bildet der Zuwebe-Weihnachtsmarkt vom 25. und 26. November. (cro)

«Mir gefällt meine Arbeit im Lager, weil sie sehr vielseitig ist. Ich bin im ganzen Betrieb unterwegs und habe mit vielen verschiedenen Personen Kontakt.». Beat Marty (43(, Baar Baar (Bild : PD)

«Mir gefällt meine Arbeit im Lager, weil sie sehr vielseitig ist. Ich bin im ganzen Betrieb unterwegs und habe mit vielen verschiedenen Personen Kontakt.». Beat Marty (43(, Baar Baar (Bild : PD)

«Ich bin glücklich, dass ich bei der Guggenmusig Susoschmöker dabei sein kann. Es macht mir Spass, mit meinen Freunden an verschiedenen Umzügen teilzunehmen.». Barbara Baumann (51), Steinhausen (Bild: PD)

«Ich bin glücklich, dass ich bei der Guggenmusig Susoschmöker dabei sein kann. Es macht mir Spass, mit meinen Freunden an verschiedenen Umzügen teilzunehmen.». Barbara Baumann (51), Steinhausen (Bild: PD)

«Ich arbeite seit 20 Jahren in der Zuwebe. Am besten gefällt mir das Herstellen von Dekorationskatzen aus Holz, die wir später in unserem Laden verkaufen». Manuela Annen (39), Baar. (Bild: PD)

«Ich arbeite seit 20 Jahren in der Zuwebe. Am besten gefällt mir das Herstellen von Dekorationskatzen aus Holz, die wir später in unserem Laden verkaufen». Manuela Annen (39), Baar. (Bild: PD)

«Ich bin seit bald 40 Jahren in der Zuwebe und fühle mich hier sehr wohl. Ich bin gerne im Atelier Plus, wo ich kreativ sein kann und immer wieder neue Dinge ausprobiere». Daniel Schneider (56), Baar. (Bild: PD)

«Ich bin seit bald 40 Jahren in der Zuwebe und fühle mich hier sehr wohl. Ich bin gerne im Atelier Plus, wo ich kreativ sein kann und immer wieder neue Dinge ausprobiere». Daniel Schneider (56), Baar. (Bild: PD)

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