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JUBILÄUM: Für ihn wurde Sunshine zur Lebensstelle

Vor 30 Jahren ging Radio Sunshine erstmals auf Sendung. Franz Jauch ist dem Sender seither treu geblieben – erst als Fan und seit 1984 als Moderator.
Ernst Meier
Gegen 28 000 Stunden hat er in knapp 30 Jahren moderiert: Franz Jauch im Studio von Radio Sunshine in Rotkreuz. (Bild Christof Borner-Keller)

Gegen 28 000 Stunden hat er in knapp 30 Jahren moderiert: Franz Jauch im Studio von Radio Sunshine in Rotkreuz. (Bild Christof Borner-Keller)

Punkt Mitternacht am 1. November 1983 war es so weit: Das erste Privatradio der Zentralschweiz ertönte via UKW. Was heute alles andere als aussergewöhnlich klingt, kam damals einer Revolution gleich. Denn Radio, das war Beromünster – das vom Staat betriebene Radio DRS deckte die Deutschschweiz mit Nachrichten und Musik ab. Popmusik gabs nur wenig und zu Randzeiten, regionale Nachrichten praktisch keine. Nach einem intensiv geführten Kampf zwischen Volk und Bundesrat war es 1983 so weit: Der Bund vergab erste Konzessionen zum Betrieb von Privatradios (siehe Box). «Die ersten Töne, die ersten Stimmen aus der Region auf Radio Sunshine waren damals für mich ein Ereignis wie die Mondlandung», erinnert sich Franz Jauch. Seit 29 Jahren ist er Moderator bei Radio Sunshine und somit eine der bekanntesten Zentralschweizer Stimmen. «Ich war von der ersten Minute an fasziniert und hörte den Sender, wann immer es mir möglich war», erzählt der heute 59-jährige gebürtige Baarer. Beruflich war Jauch als Elektroniker bei Landis + Gyr tätig, aber schon wenige Tage nach dem Start von Sunshine stand er selber in den Studios in Rotkreuz. «Ich bewarb mich bei Radiogründer Markus Ruoss. Nach einem kurzen Gespräch und einem Bier stellte er mich als freien Mitarbeiter ein», erzählt Jauch mit einem Lachen. Am 10. November 1983 hatte er seinen ersten Einsatz für Sunshine.

Musik ab Kassette eingespielt

«Roger Schawinski brachte uns einen ganzen Anhänger mit Langspielplatten mit, die er nicht mehr brauchte. Eine meiner ersten Tätigkeiten bestand dann darin, Kassetten mit der Musik ab LP zu bespielen», sagt Jauch. «Ich erstellte einen Mix mit aktuellen Hits und 70er-Jahre-Klassikern. Volksmusik und Schlager waren tabu.» Die Kassetten habe man am Nachmittag und während der Nacht als «Nonstop-Musik-Programm» abgespielt. «Vieles war damals Handarbeit – CDs, elektronische Sendeabläufe, Computer oder Endlosmusik ab iTunes gab es ja noch nicht.» Zu Pannen sei es immer mal wieder gekommen. «Wenn es mitten in der Nacht ein Band verwickelte, dann war plötzlich länger nichts mehr auf dem Sender zu hören.» Auch im Newsbereich habe man als Radiopionier viel improvisieren müssen, denn man hatte damals keinen Zugriff auf Agenturen, und Internetzugang existierte noch nicht. «Nachrichten mussten wir selber recherchieren, einen Teil übernahmen wir wiederum von Radio 24. Die Texte wurden uns via Telefax zugestellt.» Nach einem Jahr als freier Mitarbeiter hatte das Radiofieber Franz Jauch vollends gepackt. Er kündigte seinen Job und trat eine Festanstellung als Moderator bei Sunshine an. «Zur Ausbildung kamen erfahrende Moderatoren zu uns. Röbi Koller war damals mein Götti. Er lehrte mich das Handwerk von Grund auf», sagt Jauch. So habe der heutige TV-Star ihm einen Teddybären ins Studio gesetzt – symbolisch für die Tausenden von Hörern, die man nicht sieht.

Radio Sunshine diente in den letzten drei Jahrzehnten zahlreichen Zentralschweizern als Sprungbrett für eine Medienkarriere. Franz Jauch erinnert sich an Sabine Dahinden, Oliver Bono, Simon Kopp oder Schlagersänger Leonard, die alle mit ihm einst in Rotkreuz im Studio standen. Ihn selber hat es nie weggezogen. «Sunshine ist für mich täglich eine Herausforderung geblieben. Die Arbeit macht mir Freude. Solange es so ist, bleibe ich auch hier», sagt er.

Fan-Kult in den 80er-Jahren

Fast ein wenig melancholisch wird Franz Jauch, wenn er von der Wirkung des Radios in den Gründerjahren erzählt. «Fand jemand in den Nachrichten Erwähnung oder hörte man seine Stimme beim Wunschkonzert, war das für den Betreffenden ein Ereignis.» Einige Politiker seien so auf einen Schlag bekannt geworden. Ein Ereignis sei jeweils auch der Sunshine-Stand an der Zuger Messe gewesen, erinnert er sich: «Wir wurden regelrecht überrannt. Alle wollten zusehen, wie wir Radio machen.» Heute habe das deutlich an Bedeutung verloren. «Privatradio ist selbstverständlich geworden. Der Sender gehört zum Alltag. Begeisterung und Fan-Kult wie in den 80er-Jahren löst Sunshine nicht mehr aus, auch wenn wir heute mehr Zuhörer haben als damals.» Für Franz Jauch bleibt der Rotkreuzer Lokalsender seine Lebensstelle. «Die Zentralschweiz am Radio zu begleiten – das ist und bleibt mein Traumjob», bilanziert das Radio-Urgestein zufrieden und fügt mit einem Lächeln an: «Ich werde wohl dereinst hier in Pension gehen. Dann feiert Sunshine seinen 36. Geburtstag.»

Hinweis

Morgen Freitag, 1. November 2013, feiert Radio Sunshine das 30-Jahr-Jubi­läum. Dazu gibt es den ganzen Tag Musik aus den 80er-Jahren und viel Nostalgie aus der Pionierzeit. So kommt es auch zum Wiederhören mit den Moderatoren der ersten Stunde: Peter Matter, Michel Richter, Frank Dekker und Alfons Spirig geben ein gemeinsames Comeback am Mikrofon.

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