JUBILÄUM: Im Kanton Zug 100. Minergie-Haus gefeiert

Nachhaltiges Bauen ist im Kanton Zug etabliert: Baudirektor Heinz Tännler konnte am Donnerstag das Jubiläumszertifikat für den 100. Minergie-Neubau an die Chamer Aula AG übergeben. Das ausgezeichnete Haus ist Teil der Arealüberbauung Blumenweg in Zug.

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Heinz Tännler, Baudirektor des Kantons Zug, Ronald Schnarwyler, Geschäftsleiter der Chamer Aula AG und Franz Beyeler, Geschäftsführer des Vereins Minergie (von links). (Bild pd)

Heinz Tännler, Baudirektor des Kantons Zug, Ronald Schnarwyler, Geschäftsleiter der Chamer Aula AG und Franz Beyeler, Geschäftsführer des Vereins Minergie (von links). (Bild pd)

Er steht im Kantonshauptort und ist Teil der Arealüberbauung mit der wohlklingenden Adresse Blumenweg – der einhundertste Minergie-Neubau im Kanton Zug. Baudirektor Heinz Tännler und Franz Beyeler, Geschäftsführer des Vereins Minergie, freuten sich bei der Übergabe des Zertifikates an die Chamer Generalunternehmung Aula AG: «Beim heutigen Jubiläumsanlass steht für einmal nicht die Rückblende im Zentrum. Nein, der Anlass setzt vielmehr ein Zeichen für die Zukunft», so Baudirektor Tännler. Denn energiesparendes Bauen sei ein dringliches Gebot der Zeit, wenn die Energie- und Umweltziele des Bundes und der Kantone erreicht werden sollen, wie die Baudirektion des Kantons Zug mitteilt.

Minergiestandard bietet viele Vorteile
Das Minergie-Label wurde vor zehn Jahren auf Initiative der Kantone eingeführt. Es zeichnet Bauten aus, die den Energieverbrauch dank geeigneter Bauweise um 50 oder mehr Prozent reduzieren. Der freiwillige Baustandard bietet darüberhinaus weitere Vorteile: erstens weniger CO2-Ausstoss, zweitens mehr Wohnkomfort und drittens höhere Wertbeständigkeit. Dazu kommt ein weiterer Aspekt, wie Ronald Schnarwyler, Geschäftsleiter der Aula AG ergänzte: «Die Minergiebauweise eignet sich dank ihrer guten Isolation und der kontrollierten Wohnungslüftung ganz besonders für Gebäude in lärmbelasteter Umgebung.» Nicht zuletzt aus diesem Grund habe man den Standard bei der Arealbebauung Blumenweg nahe der stark befahrenen Ägeristrasse in Zug gewählt.

Kanton Zug ist Minergie-Leader in der Schweiz
Wie Minergie-Geschäftsführer Franz Beyeler anlässlich der kleinen Feier ausführte, kostet die Bauweise nach Minergiestandard zwischen drei und zehn Prozent mehr als konventionelles Bauen. «Die Investition ist jedoch bereits nach fünf bis sieben Jahren amortisiert.» Angesichts der hohen Ölpreise rentiere der Mehraufwand immer schneller. Die Zuger könnten eben rechnen, hob Baudirektor Tännler hervor. Denn nirgendwo sei der Minergiestandard weiter verbreitet als im Kanton Zug: «Wir haben schweizweit die grösste Minergie-Flächendichte pro Kopf der Bevölkerung. Das beweist die hohe Akzeptanz des Standards bei den Bauherrschaften und den Baufachleuten in unserem Kanton.»

Kanton will nachhaltiges Bauen vorantreiben
Für Tännler ist es wichtig, dass die energie- und umweltschonende Bauweise künftig zum Standard wird: «Der Gebäudesektor verbraucht noch immer viel nichterneuerbare Energie. Dementsprechend hoch ist auch der CO2-Anteil mit 40 % am Gesamtausstoss.» Minergiebauten wie jene der Aula AG am Blumenweg in Zug seien deshalb Vorbilder und eine wichtige Orientierungshilfe für Bauwillige und Fachleute. «Es braucht aber noch weitere Anstrengungen», so der Baudirektor. Der Kanton Zug sei deshalb daran, ein Energieleitbild zu entwickeln, das der Nachhaltigkeit zusätzlichen Schub geben soll. Das Leitbild sieht unter anderem vor, den Minergiestandard für Arealbebauungen und Bebauungspläne zu fordern. Was dazu noch fehlt, ist die gesetzliche Grundlage. Im Übrigen, so Tännler weiter, sei die kantonale Energiedirektorenkonferenz daran, ihre Musterverordnung im Energiebereich (MuKEn) zu erneuern.

Minergie-Liegenschaften sind auf dem Markt gefragt
Auch für Franz Beyeler, Geschäftsführer des Vereins Minergie, sind weitere Efforts im Baubereich unverzichtbar. «Angesichts der Langzeitwirkung einer einmal gewählten Bauqualität muss es das Ziel sein, dass Häuser in Zukunft noch weniger Energie verbrauchen als bis anhin.» Der Verein Minergie hat deshalb im Jahr 2002 mit Minergie-P (Passivhaus) einen weiteren Standard eingeführt, mit dem sich der Energieverbrauch noch einmal deutlich senken lässt. Beyeler ist überzeugt, dass sich Minergiebauten dank ihrer zahlreichen Vorzüge auf dem Immobilienmarkt weiter etablieren und damit einen nachhaltigen Umweltbeitrag leisten werden: «Gebäude nach Minergie und Minergie-P sind ganz im Sinne der 2000-Watt-Gesellschaft.»

scd