JUBILÄUM: «Nur wer sich zu Hause fühlt, ist angekommen»

Die Fachstelle für Migration wird 50 Jahre alt. Ihre Aufgaben sind immer noch die gleichen – nur Gesetze und Klienten ändern sich.

Susanne Holz
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Will die Leute abholen, bevor überhaupt Probleme entstehen: Esther Dunn, die Leiterin der Fachstelle Migration Zug. (Bild: Werner Schelbert)

Will die Leute abholen, bevor überhaupt Probleme entstehen: Esther Dunn, die Leiterin der Fachstelle Migration Zug. (Bild: Werner Schelbert)

Für Esther Dunn ist eines ganz klar: «Nur wer sich verstanden fühlt, fühlt sich zu Hause, und nur wer sich zu Hause fühlt, ist wirklich in seiner neuen Heimat angekommen.» Beziehungsweise in Zug, wo Esther Dunn die Fachstelle Migration Zug (FMZ) leitet, die es seit nun 50 Jahren gibt. Seit 1964 ist die politisch und religiös unabhängige FMZ die Anlaufstelle für Migranten. Sie arbeitet im Auftrag des Kantons und der Zuger Gemeinden gemäss einer Leistungsvereinbarung. Zehn Mitarbeiterinnen informieren und beraten derzeit in zwölf Sprachen zu Fragen in den Bereichen Beruf, Bildung, Gesundheit, Behörden, Recht oder Alltag. Sie unterstehen dem Amtsgeheimnis und sehen sich einer anspruchsvollen Aufgabe gegenüber: Rund 27 Prozent der Bevölkerung des Kantons Zug sind heute aus dem Ausland zugewandert und stammen aus 147 verschiedenen Staaten.

Drei Mitarbeitende zu Beginn

Ein Blick zurück: 1964 beschäftigt die durch Vertreter des Kantons, der Zuger Gemeinden, der Kirche und der Zuger Wirtschaft gegründete Ausländerberatung gerade mal drei Mitarbeitende. Deren Beratungen spielen sich hauptsächlich im Bereich von Wohnungssuche und Arbeitsrecht ab – die Aufenthalte der Gastarbeiter aus Italien und Spanien sind oft temporär. Und während sich in den Siebzigern die Anzahl der Migranten reduziert, erfolgt in den Achtzigern ein starker Ausbau der Fachstelle. In den Neunzigern dominieren Balkankonflikt und Bürgerkrieg in Sri Lanka die Beratungsarbeit. Im neuen Jahrtausend und somit nach dem Freizügigkeitsabkommen dient die FMZ den zahlreichen Stellensuchenden oft als erste Anlaufstelle: Neu sind sogenannte Erstgespräche – Neuzuzüger haben ein Recht auf ein halbstündiges und kostenloses Gespräch, um erste Fragen zu klären und sich im Kanton besser zurechtfinden und wohlfühlen zu können.

Deutsche, Briten und Italiener stehen 2013 im Kanton Zug an Stelle eins bis drei der Neuzuzüger-Nationalitäten. Wobei Esther Dunn betont, dass «in 50 Jahren nicht die Aufgaben ihrer Stelle, sondern hauptsächlich die Herkunft der Klienten und die Gesetze geändert haben». So gebe es heute beispielsweise weniger Probleme mit Arbeitsaufenthaltsbewilligungen, aber die Grundaufgabe der Stelle sei immer noch die gleiche: schnell Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. «Wir möchten die Leute abholen, bevor überhaupt Probleme entstehen.» Für Esther Dunn gilt der Grundsatz: «Kennt man sich aus, fühlt man sich wohl – unabhängig von Herkunftsland oder Bildungsstand.» Diesen Grundsatz scheinen auch die Klienten zu schätzen: Das derzeit beliebteste Angebot der FMZ ist die Veranstaltung «Grüezi Switzerland», die anlässlich des Jubiläums am Samstag und Ende September in Deutsch und Englisch stattfindet. Hier geht es um die ungeschriebenen Gesetze der Schweiz, die Fettnäpfchen, in die Ausländer unwissentlich treten können. Der 90-minütige Austausch führt in Schweizer «Kultur und Kernwerte» ein. Mit den geschriebenen Gesetzen wiederum befasst sich das Angebot «In Zug zu Hause»: Kurse geben Einblick in Steuer-, Arbeits- oder Mietrechtsfragen.

Positive Rückmeldungen

Laut Esther Dunn sind die Rückmeldungen zu allen Angeboten äusserst positiv. «Das Schöne an der FMZ», so die Stellenleiterin, «ist auch das Vertrauen, das ihr sowohl von Ämtern, Kunden als auch von Ausländervereinen entgegengebracht wird. Ein Vertrauen auf allen Ebenen.» Und was erfordert die Zukunft? «Die Gewährleistung der bestehenden Angebote – um deren Finanzierung muss man sich stets von neuem kümmern. Und – damit zusammenhängend – eine noch nähere Zusammenarbeit mit Kanton, Gemeinden und Zuger Unternehmen.»