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JUGENDGERICHT: Drei Jugendliche verüben Raub mit Luftpistolen

Weil sich ein Taxichauffeur wehrte, flüchten die Täter ohne Beute. Zwei von ihnen müssen sich in Zug vor Gericht verantworten. Sie kommen mit bedingten Strafen davon.
Gerichtsgebäude in Zug. (Bild: Stefan Kaiser)

Gerichtsgebäude in Zug. (Bild: Stefan Kaiser)

Von einem filmreifen Fall mit sehr hoher krimineller Energie sprach Jugendrichterin Svea Anlauf bei der Urteilsverkündigung gegen die 17 und 19 Jahre alten Täter mit Wurzeln im Kosovo.

Die Täter trafen sich zu dritt in der Wohnung des einen im Kanton Zug. Zwei hatten eine verbotene, täuschend echt aussehende BB-Gun-Pistole (Luftpistole) bei sich. Sie einigten sich darauf, mit dem Zug nach Luzern zu fahren und einen Taxifahrer zu überfallen, um zu Geld zu kommen.

Beim Luzerner Bahnhof sprachen sie im November 2015 einen Taxifahrer an und liessen sich nach Gisikon fahren. Als der Fahrer die Innenbeleuchtung einschaltete, um zu kassieren, zogen zwei die Waffen, und der dritte Jugendliche versuchte mit seinem Gurt das Opfer widerstandsunfähig zu machen. Der Fahrer wollte sich befreien, gab Gas und hielt wieder an. Darauf flüchtete das Trio ohne Beute. Das Opfer reagierte panisch, als es einen der Angreifer später wiedersah. Die beiden Jüngeren meldeten die Tat zwar später der Polizei, wobei sie zunächst die Hauptschuld dem Ältesten in die Schuhe zu schieben versuchten. Während sich die beiden minderjährigen Täter in Zug zu verantworten hatten, wurde gegen den damals bereits über 18-jährigen Dritten das Strafverfahren in Luzern eröffnet.

Weitere Delikte während des Untersuchungsverfahrens

Jugendanwalt Rolf Meier musste gegen den 19-Jährigen einen weiteren versuchten Raub anklagen. Im September 2016 hatte er mit drei Mittätern in Grenchen versucht, einem 17-Jährigen das Portemonnaie zu klauen. Trotz zwei Schlägen ins Gesicht gab das Opfer nicht klein bei, sodass es beim Versuch blieb.

Im letzten November dann hatte der jüngere der Angeklagten einen lautstarken Streit mit seiner Freundin in der Öffentlichkeit. Als ein Dritter zu schlichten versuchte, reagierte der 17-Jährige vehement, wobei er dem Schlichter fünf heftige Schläge ins Gesicht verpasste. Dass das Opfer als Erster zugeschlagen hatte, glaubte das Gericht nach dem Grundsatz «Im Zweifel für den Beschuldigten». Der Angeklagte habe aber in Kauf genommen, dass das Opfer schwer verletzt wurde. Gemäss Gutachten hätte das Opfer tot oder künftig auf den Rollstuhl angewiesen sein können.

Freiheitsstrafen von 24 und 11 Monaten beantragte der Jugendanwalt, wovon die Hälfte zu vollziehen sei. Dazu kamen Bussen. Beim Jüngeren sei zudem die persönliche Betreuung durch eine Sozialarbeiterin der Jugendanwaltschaft fortzuführen, welche die Eltern unterstützen und den Jugendlichen betreuen soll. Namentlich geht es darum, ihn bei der Lehre zu unterstützen. Er wiederholt das erste Lehrjahr, weil er in der Schule schwach war, während der Lehrmeister mit seinen körperlichen Leistungen zufrieden war.

Die amtlichen Verteidiger beantragten bedingte Freiheitsstrafen von je sieben Monaten. Dabei stuften sie die Taten teilweise milder ein, nämlich als Tätlichkeit im Fall Grenchen oder als einfache Körperverletzung im Fall des Streits mit der Freundin. Mit den geforderten Massnahmen zeigten sie sich einverstanden. So soll der Ältere den Kurs betreffend Gewaltproblematik bei einem Fachmann weiterführen.

Bei einem weiteren Vorfall werden die Strafen vollzogen

Betreffend Tatqualifikationen folgte das Jugendgericht den Anträgen des Anklägers. Allerdings sprach es Freiheitsstrafen von 21 und 12 Monaten, beide bedingt, aus. Ausserdem gab es Bussen von 235 und 300 Franken. Beim 17-jährigen Angeklagten wurden die an der Verhandlung anwesenden Eltern für die Verfahrenskosten als haftbar erklärt.

Auch beim Raubversuch in Grenchen sei die Bedrohungs- und Gewaltsituation klar gegeben: Zuerst habe der Beschuldigte das T-Shirt des Opfers gepackt, ihn zweimal ins Gesicht geschlagen, und die Angreifer standen dem Opfer zudem zu viert gegenüber. «Es war eine Nötigungssituation», führte die vorsitzende Richterin aus. Der Beschuldigte war nach dem Erwachsenenstrafrecht zu bestrafen, da er beim zweiten Raubversuch über 18-jährig war. Beim Jüngeren wurde beim zweiten Raubversuch von einer leicht verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen (0,4 Promille Alkohol). Bei ihm wurde die maximal mögliche Freiheitsstrafe ausgesprochen. Da beide keine Vorstrafen haben, konnte ihnen der bedingte Strafvollzug gewährt werden.

Eindringlich sprach Richterin Anlauf den beiden ins Gewissen: Wenn sie sich nicht auffangen und wieder vor Gericht stehen sollten, hätten sie mit dem Vollzug der Strafen zu rechnen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Jürg J. Aregger

juerg.aregger@zugerzeitung.ch

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