JUGENDGEWALT: «Der Bahnhof ist eine Ersatzbeiz»

Jugendliche lösen Ängste aus: Nachts ist der Zuger Bahnhof deshalb manchen nicht geheuer. Ein Augenschein.

Drucken
Teilen
Sie würden lieber Basketball spielen, als hier rumzuhängen. «Doch auf der Schützenmatt brennt kein Licht mehr.» (Bild Charly Keiser/Neue ZZ)

Sie würden lieber Basketball spielen, als hier rumzuhängen. «Doch auf der Schützenmatt brennt kein Licht mehr.» (Bild Charly Keiser/Neue ZZ)

Samstagabend. 23.37 Uhr. Ein Pulk balkanstämmiger Jugendlicher hängt an den Tischen vor dem China-Restaurant im Bahnhof herum. Sie unterhalten sich angeregt und haben ihren Spass. Einer trinkt aus einer Plastikflasche roten Fruchtnektar. Ein anderer sitzt auf dem Tisch. Da kommen plötzlich zwei Securitas-Beamte um die Ecke. «Könntest Du bitte vom Tisch runter?», sagt einer der beiden Männer im Overall. Man meint es kurz knistern zu hören. Doch der Junge folgt der Aufforderung ohne zu murren.

«Es sind immer die Gleichen, die hier Stress machen»
«Ja, das sind wir, die immer Stress machen am Bahnhof», witzelt ein 17-Jähriger mit der schwarzen Tolle auf dem Kopf. Er kommt aus dem Kosovo. Ein anderer grinst sympathisch und stellt die anderen aus der Clique vor: ein buntes Völkergemisch aus Kroatien, der Türkei, Bosnien und Mazedonien. Alle wirken friedlich. «Wir bekommen halt auch oft Stress mit betrunkenen Schweizern, die ?Scheiss-Ausländer!? zu uns sagen.» Aber warum hängen sie überhaupt am Bahnhof rum? «Wo sollen wir denn sonst hingehen – in Zug gibts ja nichts für unter 18-Jährige!»

Draussen auf der Treppe am Perron hocken derweil drei Hip-Hopper. Sie warten auf ihren Zug nach Zürich, wo sie noch einen draufmachen wollen. «Es sind immer die Gleichen, die hier Stress machen», erklärt einer. «Sie treten in der Gruppe auf, sind meist betrunken oder nehmen Drogen. Gefährlich wirds, wenn sie beginnen Bierflaschen rumzuschmeissen und zu provozieren. Wenn man dumm schaut, kriegt man sofort eine geknallt.»

Die Polizei hat keine Zeit und die Turnhallen sind zu
Doch heute Abend scheint keine Gefahr in Verzug. Wie bestellt biegt in diesem Moment der Streifenwagen der Zuger Polizei um die Kurve. «Wir haben keine Zeit für Interviews, rufen Sie bei der Medienstelle an – wir patrouilleren bis morgens um sechs», sagt der Polizist am Steuer.

Wenige Meter entfernt verlustieren sich drei junge Mädchen am Strassenrand. «Wir sitzen hier, weil es uns langweilig ist», meint eine. «Der Bahnhof ist halt ein Treffpunkt», sagt die 17-Jährige mit den langen, schwarzen Haaren. «Dabei holen sich viele Jugendliche zuerst den Alkohol im Bahnhof und trinken ihn dann hier oder auf der Rössliwiese – der Bahnhof wird auf diese Weise zu einer Ersatzbeiz.» Das sei auch kein Wunder. «Die Getränke in den Restaurants sind uns viel zu teuer, wir können uns das nicht leisten», versichert die andere Schwarzhaarige.

Gottseidank ist jetzt noch alles friedlich! So wie die drei Albaner auf der Treppe am Bahnhof, die mit ihrem Schweizer Kollegen über Basketball fachsimpeln. «Wir hocken halt hier, weil wir um diese Zeit nirgends mehr spielen können», meint der Eidgenosse mit einem roten Kopftuch. Die Hallen seien zu und auf der Schützenmatt brenne kein Licht mehr. Sie hätten sich deshalb auch schon mal in der Turnhalle einschliessen lassen, um nachts Basketball zu spielen.

Wolfgang Holz und Charly Keiser

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Zuger Zeitung.