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Junge Solistin betört das Publikum im Casino Zug

Ein klassisches Konzert einer jungen Solistin fand gestern im Theater Casino Zug statt. Der schlichte Titel: «Sinfonie». Das war aber auch das einzig Schlichte. Denn der Rest war grossartig.
Das Stadtorchester Zug mit den Solisten Milena Bonaventurové (links) und Rupert Hunz. (Bild: Christoph Trächslin (Zug, 2. Dezember 2018))

Das Stadtorchester Zug mit den Solisten Milena Bonaventurové (links) und Rupert Hunz. (Bild: Christoph Trächslin (Zug, 2. Dezember 2018))

Ein Abschlusskonzert einer Musikhochschule mag in vielen Fällen nichts Besonderes sein: Wenn aber das Stadtorchester Zug quasi als Plattform dient, damit eine Schülerin ihren Master of Arts in Musikpädagogik bei Igor Karsko an der Musikhochschule Luzern erlangt, dann ist das schon sehr speziell. Entsprechend hoch waren die Erwartungen sowie die Aufregung im fast vollen Saal. Doch diese legte sich nach den ersten Takten.

Brahms stand auf dem Programm, sehr geeignet für die 1992 in Berlin geborene Solistin Milena Bonaventurové, wie sich am Sonntag bald herausstellte: Denn Brahms’ Musik ist fest in den Strukturen und Kompositionstechniken der klassischen Meister verwurzelt. Die sorgfältige, hochkonstruierte Natur von Brahms’ Werken war Ausgangspunkt und Inspiration für eine Generation von Komponisten. Eingebettet in seine akribischen Strukturen sind jedoch tief romantische Motive. Und in eben diesen Strukturen bewegte sich die Solistin während des Konzertes immer fröhlicher (sicher im Spiel war sie zu jeder Zeit) und begann, sich von den starren ­Noten zu lösen und ihre eigene Persönlichkeit zu zeigen. Das ist mutig und ungewöhnlich in diesem Alter, bei der Solistin gelang es aber bestens, und entsprechend schnell hatte sie das Publikum auf ihrer Seite. Den Cellopart übernahm ihr früherer Studienkollege Rupert Hunz, auch er mit 29 Jahren jung, aber bereits unglaublich versiert mit einem offensichtlich gut gefüllten Rucksack an Spielerfahrung.

Das Stadtorchester mehr als nur Plattform

Bei beiden waren Unsicherheiten kaum auszumachen, und das Stadtorchester Zug war nicht mehr nur eine «Plattform», sondern es kam zu einem rührenden Miteinander.

Letztendlich war diese Harmonie auch ein Verdienst des musikalischen Leiters: Jonathan Brett Harrison verstand es vorzüglich, jedem (und bei weitem nicht nur den Solisten) so viel Luft zu lassen, damit die Musiker letztendlich zu eben diesem grossen Ganzen zusammenfanden, was klassische Musik so einzigartig macht. Die Solisten in Johannes Brahms’ Konzert für Violine, Violoncello und Orchester in a-Moll, op. 102 sind aus kompositorischer Sicht stark mit dem Orchestersatz verzahnt, das gab den beiden jungen Solisten entsprechende Sicherheit, die sie aber gar nicht gebraucht hätten, denn bei beiden war jetzt schon klar, dass sie ihren Weg zügig und gradlinig weitergehen würden. Das Publikum reagierte entsprechend, und für die beiden Solisten Milena Bonaventurové und Rupert Hunz gab es Blumen und Geschenke, wobei der tosende Applaus für die beiden fast wertvoller gewesen sein dürfte.

Nach der Pause dann ein weiteres Œuvre: Juan Crisóstomo de Arriagas Sinfonia a gran orquesta in D-Dur. Ein Komponist mit einem kurzen, tragischen Leben: Einen Monat vor seinem zwanzigsten Geburtstag raffte den Spanier die Tuberkulose dahin; trotzdem hinterliess er Meisterwerke, welche gerade in jüngster Zeit wieder viel mehr Beachtung finden. Neben Kammermusik betrifft dies vor allem seine einzige Sinfonie, das Werk des 18-Jährigen, welche in grosser Souveränität die Stilmittel seiner Zeit auslotet und mit dem Schwanken zwischen Dur und Moll auch eine Brücke von der klassischen zur romantischen Ausdrucksweise bildet.

Nach Brahms war diese Sinfonie schon fast ein Experiment; hier der allgemeingefällige, bestens bekannte Klassik-Superstar, da der etwas unter die Räder gekommene Spanier. Wer aber bis nach der Pause sitzen blieb, wurde belohnt, denn einerseits sorgte die Stadtmusik Zug mit ihrem Können für eine mehr als solide Basis, um den Künstler (neu) zu entdecken, andererseits war die eigene Tonsprache, die niemals verstörend oder experimentell wirkte, äusserst elegant, melodiös und leicht. Auch das kam beim Publikum an – entsprechend bedankte man sich mit einem langen Applaus für einen gelungenen Sinfonievormittag an einem nasskalten Regenvormittag im Advent.

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