Junges Zuger Start-up-Unternehmen setzt auf gekeimten «Superfood»

Christoph Eugster und Samira Agha-Rafiei vertreiben über ihr Start-up-Unternehmen naturbelassene Lebensmittel mit dem gewissen Plus.

Andreas Faessler
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Christoph Eugster und Samira Agha-Rafiei setzten mit ihrem Start-up auf gesunde Ernährung.

Christoph Eugster und Samira Agha-Rafiei setzten mit ihrem Start-up auf gesunde Ernährung.

Bild: Stefan Kaier (Zug, 23. Januar 2020)

Ernährung ist schon lange nicht mehr nur eine Wissenschaft, sondern sie ist für viele Menschen zur Philosophie und Lebenseinstellung geworden. Es gibt zahllose Ernährungskonzepte, viele von ihnen erst hochgelobt, dann wieder verpönt oder vermeintlich überholt. Letztendlich gilt auch hier: Jeder Mensch muss für sich entscheiden, welche Ernährungsweise für ihn die beste ist.

Das hat Christoph Eugster bereits vor Jahren getan. Bedingt durch seine langjährigen Knie- und Schulterprobleme, die er sich durch Verletzungen als aktiver Eishockeyspieler zugezogen hatte, begann der Betriebsökonom aus Zug aufgrund anhaltender Beschwerden, seine eigene Ernährung zu hinterfragen. Er entschied sich schliesslich für den veganen Weg. Er stellte fest, dass dieser ihm guttut, setzte sich intensiver mit der Wissenschaft auseinander und stiess im Zuge dessen auf die Vorteile ganz naturbelassener Lebensmittel. «Und in einem weiteren Schritt setzte ich mich schliesslich mit der Keimung auseinander. Was das für die Gesundheit zusätzlich bedeutet, habe ich sehr bald an mir selbst festgestellt», sagt der erfahrene Personaltrainer und Ernährungscoach.

Gekeimte Lebensmittel

(fae) Samen, Kerne und Getreide (oder auch Pseudogetreide) bereiten nach dem Verzehr häufig Probleme, da sie schlecht oder gar nicht verdaulich sind, Blähungen und allgemeines Unwohlsein verursachen können. Werden sie angekeimt, bauen sich die schwer verdaulichen Komponenten ab. Durch den beginnenden Wachstumsprozess des Keimens entwickeln sie eine unvergleichliche Energie und ihr Vitalstoffgehalt übertrifft den von ungekeimten Samen um ein Vielfaches. Vitamine, Enzyme, Mineralstoffe und andere Vitalstoffe bilden sich neu, vermehren sich und/oder werden aktiviert beziehungsweise in ihrer Bioverfügbarkeit erhöht, sodass unser Verdauungssystem sie optimal resorbieren kann. Säuren und Hemmstoffe (Phytin) werden grösstenteils abgebaut, und auch Proteine werden leichter verdaulich. Zusammengefasst ist der Sinn des Keimens, die biologische Wertigkeit des ruhenden Samenkorns zu vervielfachen und die Stoffe so bereitzustellen, dass sie vom Körper gut aufgenommen werden. 

Dürftiger Markt für gekeimte Lebensmittel

Gekeimte Nahrungsmittel lassen sich zwar verhältnismässig einfach selber zu Hause herstellen, doch benötigt es reichlich Zeit, was viele Menschen heutzutage nicht haben. Und daraus schliesslich noch schmackhafte Gerichte zu zaubern, bedarf weiteren Aufwandes. Wo also kriegt man hochwertige Produkte aus naturbelassenen, gekeimten Lebensmitteln zu kaufen? «In der Schweiz ist der Markt dafür noch dürftig», findet der 38-jährige Zuger. So kam es, dass er sich nach einer aufschlussreichen Begegnung an einer Fachmesse in Deutschland entschied, diese Nische in der Schweiz zu besetzen.

Mit seiner Verlobten Samira Agha-Rafiei gründete Eugster im vergangenen Herbst das Start-up YKNO GmbH, dessen Name sich von «You know» ableitet. Unterstützt werden die beiden vom Zuger Alain Zemp, der ihnen als Business Advisor tatkräftig zur Seite steht. Die Idee dahinter ist der Vertrieb von naturbelassenen, zusatzstofffreien, gekeimten Produkten. Aktuell arbeiten Christoph Eugster und Samira Agha-Rafiei mit der Firma Startkraft GmbH in Deutschland zusammen, deren Erzeugnisse sie importieren und unter www.startkraft-rawfood.ch in der Schweiz vertreiben. «In Zukunft aber wollen wir auch eigenständig neue Erzeugnisse entwickeln und produzieren», so Eugster.

Sensibilisierung und Aufklärung

Bald könnte es in Zug also auch heimischen gekeimten «Superfood» geben. Ein Trendbegriff, der für so manchen vielleicht schon zum Reizwort geworden und mit hohen Preisen verbunden ist. Tatsächlich scheinen die Produkte auf den ersten Blick, nichts für den kleinen Geldbeutel zu sein. Das räumt der Geschäftsinhaber zwar ein, sagt aber:

«Es braucht noch Aufklärungsarbeit und ein Verständnis dafür, dass und warum solche Erzeugnisse nicht billig sein können.»

Eugster führt etwa die rein von Hand erfolgte Herstellungsweise an und das zeitintensive Keimungsverfahren. «Dafür sind die Produkte wahre Nährstoffbomben, die den Körper optimal versorgen und nachhaltig sättigen.»

Ferner ist für Eugster und sein Unternehmen nicht nur der ernährungstechnische Faktor ein wichtiger Aspekt, sondern auch der ökologische. So sind bereits jetzt mehrere der Produkte mit biologisch abbaubarer Zellulose verpackt. «Auch Nachhaltigkeit wird demnach für uns künftig ein wichtiges Thema sein.»

Neben dem Vertrieb der Startkraft-Produkte, dem Fokus auf Professionalisierung und Ausbau der Linie will das Zuger Start-up auf dem Gebiet naturbelassener Nahrungsmittel Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit leisten. «Das allgemeine Bewusstsein für die Vorzüge gekeimter Lebensmittel ist noch recht gering», sagt Christoph Eugster. «Ich glaube, es fehlt dem Konsumenten grundsätzlich noch an Wissen», fügt sein Geschäftspartner Alain Zemp an. «Fälschlicherweise werden solche Arten der Ernährung noch immer häufig mit Verzicht, Diät oder Selbstdisziplin in Verbindung gebracht. Dieser Auffassung wollen wir entgegenwirken.»

Christoph Eugster und seine Verlobte Samira Agha-Rafiei wollen mit dem Start-up auch Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit leisten.

Christoph Eugster und seine Verlobte Samira Agha-Rafiei wollen mit dem Start-up auch Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit leisten. 

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Januar 2020)

Ein Blick ins Sortiment des Unternehmens zeigt’s: Weder auf Geschmack noch auf Vielfalt muss bei der Nahrungsaufnahme verzichtet werden. Die beiden Zuger sind überzeugt, dass der Markt noch viel Entwicklungspotenzial bietet. «Denn Gesundheit und somit auch die Ernährung sind das Thema des 21. Jahrhunderts», sagen sie einstimmig.

Die Startkraft-Linie wird künftig nicht nur online von der Stadt Zug aus vertrieben, sondern auch in diversen Ladengeschäften als Teil des Sortiments erhältlich sein, so etwa bereits in der Urs Drogerie in Steinhausen oder in der Drogerie Würzenbach in Luzern. Weitere Partner seien im Gespräch, wie Christoph Eugster sagt. So ist denn auch dies ein nahes Ziel von YKNO GmbH: Das Händlernetz ausbauen und gekeimte Nahrungsmittel für jedermann verfügbar machen.