JUSTIZ
Ein teures Versehen: Zuger Hanfbauer fliegt auf, weil er sein Haus anzündet

Ein 44-jähriger Schweizer löscht seine Zigarette nicht richtig und steckt damit sein Wohnhaus an. Wenig später schlagen Polizisten auf dem Brandplatz auf – und machen eine spannende Entdeckung.

Kilian Küttel
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Wie teuer ihn seine Unachtsamkeit zu stehen kommen wird, kann der 44-jährige Schweizer nicht ahnen, als er am 23. November 2019 eine Zigarette aufraucht und den Stummel in einen Plastikcontainer wirft. Der Föhn liegt in der Luft, als der Mann mittleren Alters in sein Auto steigt und wohl keinen Gedanken mehr an die Zigarette verschwendet, von der er sicher war, sie gelöscht zu haben.

Keine anderthalb Stunden braucht der glimmende Tabakrest im Container, um sich durch den Güsel zu fressen, bis die Flammen von der Tonne auf die Hausfassade übergehen und so der Brand sichtbar wird, den ein Nachbar um 15.08 Uhr bei der Einsatzzentrale der Zuger Polizei meldet.

Drogenkonsum nachgewiesen

Glück im Unglück – die angerückte Feuerwehr bekommt den Brand unter Kontrolle, bevor das ganze Haus den Flammen zum Opfer fällt. Trotzdem verursacht der Zwischenfall einen Sachschaden von 100'300 Franken, für den der 44-Jährige die Verantwortung trägt. Mehr als fraglich ist, ob die Versicherung für den Schaden aufgekommen ist, ohne Rückgriff auf den Brandverursacher zu nehmen.

Nicht nur hätte er diesen «leicht vermeiden können, indem er pflichtgemäss den Zigarettenstummel sorgfältiger gelöscht (...) hätte», wie die Zuger Staatsanwaltschaft in einem Strafbefehl festhält, der seit kurzem öffentlich ist. Zum Brandzeitpunkt stand der 44-Jährige zusätzlich unter Drogeneinfluss. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich wies ihm mit einem chemisch-toxikologischen Gutachten den Konsum von Cannabis nach.

Der Stoff war wohl ein Eigenprodukt

Aller Wahrscheinlichkeit nach stammte das Marihuana, das er in der Nacht auf den 23. November noch geraucht hatte, aus der eigenen Produktion. Denn als die Zuger Polizei am Ort des Geschehens vorfährt, sticht den Polizisten die Outdoor-Hanfanlage auf dem Grundstück ins Auge, die der 44-Jährige angelegt hatte.

Bei einer Hausdurchsuchung stellen die Beamten 9 Marihuanastauden, 13 Hanfsträucher und über 500 Hanfsamen sicher. Aus zwei Schränken im Atelier tragen sie ein Glas und eine Metallbüchse voll mit Cannabis. Hinzu kommen diverses Zubehör und Gerät wie eine Hanfmühle und eine Lampe. Den grössten Fund aber machen die Beamten auf dem Estrich. In einer Nische verbirgt sich der Vorrat des Hanfbauern: 882,5 Gramm Marihuana, aufgeteilt auf 15 Einmachgläser.

Wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst, Fahrens in fahrunfähigem Zustand und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes verurteilt die Zuger Staatsanwaltschaft den Schweizer zu 65 Tagessätzen mal 70 Franken bedingter Geldstrafe sowie zu 1550 Franken Busse. Diese muss er bezahlen – zusammen mit den 2613.70 Franken für die Untersuchungskosten. Wie gesagt – eine teure Unachtsamkeit.