JUSTIZ: Einen «Fall Carlos» gibt es im Kanton Zug nicht

Im Kanton Zug gibt es keinen «Fall Carlos». Schwierige oder gefährliche Jugendliche seien entweder in geschlossenen Institutionen oder im Gefängnis untergebracht, schreiben Regierungsrat und Obergericht in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der SVP-Fraktion im Kantonsrat.

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Fenster der Strafanstalt Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Fenster der Strafanstalt Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Derzeit sind insgesamt 13 Jugendliche aus dem Kanton Zug vorübergehend oder während längerer Zeit in Erziehungseinrichtungen oder Massnahmezentren platziert, wie es in der Stellungnahme vom Mittwoch heisst. Die monatlichen Kosten für die Unterbringung und Betreuung betragen in fünf Fällen über 15'000 Franken.

Zwei der fünf Jugendlichen werden wegen massiver Gewalt und weiterer Delikte in so genannten Beobachtungsstationen im Rahmen einer laufenden Strafuntersuchung vorübergehend stationär abgeklärt und begutachtet. Die Kosten belaufen sich auf 15'840, beziehungsweise 25'170 Franken monatlich.

Die andern drei Jugendlichen sind im vorsorglichen oder definitiven Massnahmenvollzug. Zwei begingen während der laufenden stationären offenen Unterbringung wiederholt beträchtliche Gewaltdelikte in Zug, wie es in der Antwort des Regierungsrates heisst. Der dritte Jugendliche sei noch sehr jung, so dass er in einem Schulheim mit einem höheren Betreuungsbedarf untergebracht werden musste.

Im Kanton Zug gibt es keine stationären Einrichtungen für Jugendstraf- oder Massnahmenvollzug. Auch die Gefängnisplätze sind nach Bundesvorgaben nicht für den Vollzug von Freiheitsstrafen für Jugendliche geeignet.

Oft keine Auswahlmöglichkeit

Verurteilte Jugendliche werden in Einrichtungen in den Kantonen Bern, Basel-Stadt, Aargau, Zürich, St. Gallen oder Thurgau untergebracht. In Ausnahmefällen erfolgt die Betreuung auch in ausgewählten und von Bund und Kanton anerkannten privaten Institutionen.

Stationäre erzieherische Massnahmen seien teuer, insbesondere dann, wenn diese in einer geschlossenen Einrichtung vollzogen werden müssten, schreibt der Regierungsrat. Aufgrund der geringen Anzahl der Plätze bestehe für den Jugendanwalt vielfach keine Wahlmöglichkeit.

Anlass für die Kleine Anfrage zu den Kosten im Strafvollzug der SVP-Fraktion war der Zürcher "Fall Carlos", der durch eine Reportage des Schweizer Fernsehens SRF nationale Bekanntheit erlangt hatte. Es stellte sich heraus, dass für den straffälligen Jugendlichen ein "Sonder-Setting" eingerichtet worden war.

Dieses umfasste eine 24-stündige Betreuung, begleitetes Wohnen in einer 4 1/2-Zimmer-Wohnung und therapeutische Massnahmen. Zudem besuchte "Carlos", der unter anderem einen Jugendlichen mit einem Messer schwer verletzt hatte, täglich ein Thai-Box-Training. Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 29'200 Franken pro Monat. (sda)