Justiz

Frau geriet in der Zuger Innenstadt unter die Räder eines Lastwagens und starb

Eine ältere Seniorin lief am Abend vor Maria Himmelfahrt 2019 über den Fussgängerstreifen beim Zuger Stadtviadukt. Ein Lastwagenfahrer bemerkte davon nichts und überrollte sie mit seinem Gefährt. Jetzt ist er verurteilt worden.

Marco Morosoli
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Am 14. August 2019 präsentierte sich der Himmel über Zug wolkenlos. Es war ein Donnerstag und viele freuten sich auf langes Wochenende, denn der 15. August ist in den katholischen Kantonen dem Sonntag gleichgestellt. Am frühen Nachmittag beabsichtigte ein Lastwagen auf der Bahnhofstrasse in Richtung Baar zu fahren. Auf der Höhe des Fussgängerstreifens unterhalb des Stadtviadukts der SBB liess der Mann einige Personen die dort einspurige Strasse überqueren. Dann kam es zum Unfall. Zunächst suchte die Zuger Polizei Zeugen. Wie dem Strafbefehl zu entnehmen ist, konnte mittlerweile der Unfallhergang rekonstruiert werden.

Der Lastwagenfahrer gab an, dass er pflichtgemäss vor dem In-Bewegung-Setzen seines Fahrzeuges im linken und rechten Aussenspiegel nach weiteren Passanten Ausschau hielt. Dieses Sich-Vergewissern dauerte gemäss Strafbefehl etwas über fünf Sekunden. Wohl im toten Winkel des Lastwagens lief eine 92-jährige Frau auf dem ostseitigen Trottoir des Bahnhofs in Richtung des vorerwähnten Fussgängerstreifens. Im Strafbefehl ist die fatale Szene wie folgt beschrieben: «Als die Rentnerin, die im Begriffe war, den Fussgängerstreifen in westlicher Richtung zu überqueren, bemerkte, dass der Lastwagen losfuhr, rannte sie in nordwestlicher Richtung vom Lastwagen weg. Nach drei oder vier Schritten wurde sie jedoch vom Lastwagen erfasst und umgedrückt.» Wie die weiteren Ermittlungen ergaben, erfasste das grosse Gefährt die Frau und schleifte sie rund 90 Meter mit sich. Dabei zog sich die Rentnerin schwerste Verletzungen im Brustbereich zu. Sie verstarb noch auf der Unfallstelle.

Die Frau war eines der vier Todesopfer, welche im Strassenverkehr im Jahre 2019 ihr Leben verloren. Der Strafbefehl hält dann fest: «Zufolge ungenügender Aufmerksamkeit bemerkte der Lastwagenfahrer nicht, wie die ältere Frau rechts entlang des Fahrzeuges gelaufen sei und hernach den Fussgängerstreifen überquerte.» Wenn der Lenker des Lastwagens den rechten Spiegel wie auch den Frontspiegel seines Fahrzeuges im Griff gehabt hätte, wäre es nicht zum vorerwähnten Unfall gekommen. Wie die Richter festhalten, sei die Kollision voraussehbar gewesen. Bezüglich der Unaufmerksamkeit lässt der Strafbefehl keine Zweifel. Sie sei geeignet gewesen, «nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge eine Kollision und damit die tödlichen Verletzungen der Seniorin herbeizuführen».

Der Strafbefehl ist nur eine Folge des fatalen Unfalls in der Stadt Zug

Die Staatsanwaltschaft stellt abschliessend fest, dass das Tun des Lastwagenfahrers den Tatbestand der fahrlässigen Tötung erfüllt. Die Strafe dafür: 120 Tagessätze zu 80 Franken und eine Busse von 2000 Franken. Dazu kommen noch die Gerichtskosten von rund 8900 Franken. Die eigentliche Spruchgebühr beträgt dabei 500 Franken. Den Vollzug der Geldstrafe hat die Entscheidinstanz aufgeschoben. Lässt sich der Lastwagenfahrer innerhalb von zwei Jahren nichts zuschulden kommen, so muss er die Geldstrafe nicht begleichen. Hingegen dürften weitere Kosten durch den Zivilprozess des Ehemanns der Verstorbenen hinzukommen. Deren Höhe beziffert der Strafbefehl als in der Höhe unbekannt.