Justiz
Opferstock aufgebrochen, Briefkasten geplündert und die Ambulanz aufgeboten

Eine heute 57-jährige Frau befand sich in Geldnot. Um diese zu lindern, begab sie sich auf Raubzüge – zum Schluss kam auch der Rettungsdienst zum Einsatz.

Harry Ziegler
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Hilfe in der Not findet sich manchmal in der Kirche – in diesem Fall nicht. Unter Geldnot leidend hoffte die Schweizerin, dass im Opferstock der Kirche doch einiges an Bargeld läge, das sie für sich verwenden könnte. Sie brach den Opferstock auf, fand aber nur gähnende Leere darin vor. Beim Aufbrechen des Gefässes beschädigte sie das Schloss und verbog das Türchen des Opferstocks. Kostenpunkt laut Strafbefehl der Zuger Staatsanwaltschaft: 131,40 Franken. Dafür wurde sie des versuchten Diebstahls und der Sachbeschädigung beschuldigt.

Ein paar Tage nach dem gescheiterten Opferstock-Raubzug beobachtete die Frau, wie der Pöstler ein Paket in einen Briefkasten in Baar legte. In der Hoffnung, dass sich im Paket Reichtümer befänden, nahm sie es mit. Sie erbeutete ein Modem im Wert von 142 Franken. Dies führte dazu, dass sie des Diebstahls bezichtigt wurde.

Damit nicht genug. Wenige Monate nach dem Paketdiebstahl alarmierte die Frau aus, auch der Staatsanwaltschaft unerfindlichen Gründen, den Notruf 144 mit ihrem Mobiltelefon. Sie schilderte dem Rettungsdienst, ein Mann habe sich Drogen in den Hals gespritzt, er brauche dringend einen Rettungshelikopter. Der ausgerückte Rettungsdienst und die Zuger Polizei trafen jedoch an der genannten Adresse einen quicklebendigen Mann an. Die Geschichte, so die Staatsanwaltschaft, habe die Frau erfunden, grundlos den Rettungsdienst alarmiert – und so den Tatbestand des falschen Alarms erfüllt.

Bestraft wird sie für den versuchten Diebstahl, den Diebstahl und die Sachbeschädigung mit einer Geldstrafe von 16 Tagessätzen zu 70 Franken sowie einer sofort zahlbaren Busse von 280 Franken. Für den falschen Alarm wird sie mit einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu 70 Franken und einer ebenfalls sofort fälligen Busse von 350 Franken belegt. Der Vollzug der beiden Geldstrafen wird aufgeschoben unter Ansetzung einer Probefrist von 2 Jahren.