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JUSTIZ: Wenn Kinder ihre verwahrten Väter in der Strafanstalt besuchen

Der als Penthouse-Mörder von Zug bekannt gewordene Mann wird verwahrt. Das entschied jüngst das Bundesgericht. Dieses Urteil bedeutet auch, dass der Sohn des Kriminellen seinen Vater nie in Freiheit erleben kann.
Thomas Heer
Die Strafanstalt Bostadel in Menzingen. (Bild: Archiv Neue ZZ)

Die Strafanstalt Bostadel in Menzingen. (Bild: Archiv Neue ZZ)

«Für (...) ist es jedes Mal sehr schmerzhaft, wenn wir ihn wieder verlassen müssen.» Diesen Satz formulierte jene Frau, die 2009 zusammen mit dem sogenannten Penthouse-Mörder von Zug ein Kind gezeugt hat und deren Sohn kurze Zeit nach der Verhaftung des Gewaltverbrechers zur Welt kam. Der Verfasser des vorliegenden Artikels unterhielt sich 2012 mit dieser Frau. Sie erzählte im emotional geführten Gespräch von den Schwierigkeiten der Beziehungspflege zum Täter und auch davon, dass sie den Mann monatlich zweimal in der Strafanstalt besucht und jedes zweite Mal sogar in Begleitung des gemeinsamen Sohnes. Dieser war damals dreijährig und realisierte noch nicht wirklich, was die Lebensumstände seines Vaters für die eigene Existenz bedeuten.

Kindsmutter will zur Verwahrung nichts sagen

Mittlerweile ist der Knabe im Primarschulalter und sieht seinen Vater, wenn überhaupt, nur im Gefängnis. Und das wird noch auf unabsehbare Zeit so bleiben. Denn der Penthouse-Mörder, der im Februar 2009 in einer Wohnung am Stadtzuger Eschenring zwei Frauen umbrachte, wurde nicht nur zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mann ist auch verwahrt. Dieser Entscheid des Bundesgerichtes wurde letzte Woche publik. Was sagt die Kindsmutter zu diesem Verdikt? Sie lässt nur so viel ausrichten: «Ich möchte im Moment nicht darüber reden.»

Kinder von Langzeitgefangenen tragen ein schweres Schicksal. Das verdeutlicht auch eine Reportage, die 2011 im «Blick» publiziert wurde. Im Fokus des Artikels stand die damals 13-jährige Tochter eines Schwerkriminellen, der 1998 unter anderem wegen Vergewaltigung zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und später verwahrt wurde. Der Teenager sagte damals gegenüber der Journalistin: «Mein Papi ist verwahrt. Ich möchte, dass er freikommt. Ich vermisse ihn.» Womöglich erfüllt sich der Wunsch der heute 19-Jährigen bald. Denn am kommenden Dienstag wird am Luzerner Kriminalgericht darüber beraten, ob die Verwahrung des Verurteilten aufgehoben wird.

Im Bostadel gibt es für Kinder sogar eine Spielecke

Ist es überhaupt sinnvoll, wenn Kinder von Langzeitinsassen ihre – wohl meist – Väter in den Strafanstalten besuchen? Dazu sagt der auch auf Jugendpsychologie spezialisierte Allan Guggenbühl: «Grundsätzlich halte ich es für richtig, dass ein Kind seinen Vater regelmässig sieht.» Kann dies auf die Entwicklung eines Heranwachsenden nicht auch negative Auswirkungen ­haben? Dazu sagt Guggenbühl: «Das Kind muss damit fertigwerden. Daher ist es wichtig, dass ihm die Situation altersgerecht erklärt wird.»

Wie aber handhaben die Strafanstalten den Umgang von Gefangenen mit ihren Kindern? Andreas Gigon ist Direktor der Interkantonalen Strafanstalt ­Bostadel im zugerischen Menzingen. Auf die Frage, wie oft die ­Insassen ihre Kinder sehen ­könnten, schreibt Gigon: «Die Gefangenen können ihre Kinder alle zwei Wochen am Samstag und am Sonntag unter Aufsicht sehen.» Und zwar am Nachmittag zwischen 13 und 16.15 Uhr.

Im Bostadel gibt es für die Kleinsten im Besucherraum auch eine Spielecke. Gigon schreibt dazu: «Die Besuche sind wichtig für die Eltern und für die Kinder, und wir machen durchwegs gute Erfahrungen.» Und auf die Frage, ob es mitunter nicht besser sei, wenn die Kinder ihren Vater nicht im Gefängnis besuchen, hält der Direktor fest: «Es gibt sehr selten Konstellationen und/oder Voraussetzungen, die Besuche zwischen Vater und Kind zum Kindswohl nicht zulassen würden.» Gigon denkt dabei an diejenigen Kinder, die Gewaltopfer ihres eigenen Erzeugers wurden.

Auch in der Justizvollzugsanstalt von Lenzburg können Mädchen und Buben ihre Väter besuchen, und zwar einmal pro Woche während zweier Stunden. In Lenzburg sitzen derzeit siebzehn Täter ein, die mit der Massnahme einer Verwahrung leben müssen. Zwei davon haben Kinder.

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

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