JUSTIZ

Zuger Strafverfolger verurteilen Coronahamsterer

Er raffte hektoliterweise Desinfektionsmittel zusammen, um es mit Gewinn weiterzuverkaufen. Was hat seine Geschäftsidee dem 32-jährigen Glarner gebracht? Einen Eintrag im Strafregister.

Kilian Küttel
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Lange nicht der Rede wert, plötzlich eine ganz harte Währung: Mit dem Aufkommen des Coronavirus wurde im Frühling das Desinfektionsmittel knapp. So knapp, dass Schnapsbrennereien die alkoholischen Präparate selber herstellten. So begehrt, dass die Liechtensteiner Regierung die Bevölkerung gar aufrief, Spirituosen zu spenden.

460 Liter im Internet bestellt

Noch bevor die Nachfrage stieg, und während die Schweiz mit bangem Blick nach China und Italien lugte, kaufte ein 32-jähriger Glarner klammheimlich und im grossen Stil Desinfektionsmittel zusammen: 460 Liter, geordert von zwei Schweizer Herstellern, geliefert in 1- und 5-Liter-Behältern. Das Mittel wollte er über seinen Webshop weiterverkaufen, dessen Domain-Adresse er am 12. März registrierte und der mittlerweile nicht mehr aufrufbar ist.

Lange konnte er seinen Geschäften nicht ungestört nachgehen. Noch im März 2020 nahm sich die Zuger Staatsanwaltschaft dem jungen Mann an. In einem Strafbefehl vom 19. November verurteilen die Strafverfolger den Glarner zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 40 Franken und zu 200 Franken Busse.

Nicht seine Raffgier wurde ihm zum Verhängnis, sondern ein Formfehler. Nachdem er die Hunderten Liter Desinfektionsmittel in kleinere Flaschen abgefüllt hatte, beklebte er sie mit einer selbstgedruckten Etikette. Aufschrift: «Hand Sanitizer. Beseitigt 99,9% Bakterien, Pilze und spezielle Viren. Wirkt in 30 Sekunden. Beiblatt: Inhaltsstoffe, Gebrauchsanweisung & Infos.»

«Mehrfache fahrlässige unrichtige Verpackung»

Das aber widerspricht den «Vorschriften über die Kennzeichnung von Biozidprodukten», wie die Zuger Staatsanwaltschaft festhält. Den Strafverfolgern zufolge wäre es dem Beschuldigten «ohne weiteres» möglich gewesen, sich über die Vorgaben zu informieren. Weil er das unterliess, wird er wegen «mehrfacher fahrlässiger unrichtiger Verpackung und Kennzeichnung von Stoffen» im Sinn des Chemiegesetzes verurteilt.

Mehr stören als die geringe Geldstrafe dürfte den Mann wohl der Eintrag ins Strafregister. Auch wenn es nicht der Erste war: Schon im April 2016 hatte ihn das Bezirksgericht Dietikon zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 70 Franken verurteilt. Weshalb, das geht aus dem jetzigen Strafbefehl aus Zug nicht hervor.