Kampagne wider den Abfall
Das Coronavirus beeinflusst selbst die Abfallmenge in einer Zuger Gemeinde

Einst leise beerdigt, feiert «Zug blibt suuber» am 1. Mai eine Wiedergeburt. Unachtsam weggeworfener Abfall im öffentlichen Raum ist imageschädigend. Die Abfall-Problematik hat sich durch die Coronavirus-Pandemie sogar noch verschärft.

Marco Morosoli
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Gemeinsam gegen Littering mit der Kampagne Zug bliibt suuber: Regierungsrat Beat Villiger (Sicherheitsdirektor), Heidi Oswald (Geschaeftsfuehrerin Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden fuer die Bewirtschatung von Abfaellen Zeba) und Gemeinderat von Cham Drin Alaj (Vorsteher Verkehr und Sicherheit).

Gemeinsam gegen Littering mit der Kampagne Zug bliibt suuber: Regierungsrat Beat Villiger (Sicherheitsdirektor), Heidi Oswald (Geschaeftsfuehrerin Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden fuer die Bewirtschatung von Abfaellen Zeba) und Gemeinderat von Cham Drin Alaj (Vorsteher Verkehr und Sicherheit).

Bild: Maria Schmid, (Cham, 28. April 2021)

Auf dem Henderson-Atoll im Südpazifik lebt zwar keine Menschenseele. Die weissen Strände des zu den Pitcairn-Inselgruppe gehörende Eilands sind jedoch wiederholt mit Abfall übersät. Eine Untersuchung im Jahre 2017 zeigte, dass rund 17,6 Tonnen Abfall an die Gestade des Eilands anlandeten. Das Fatale: Das angeschwemmte Material setzte sich aus 37,7 Millionen Kunststoffteilen zusammen.

Im Kanton Zug herrschen im Vergleich zu den Henderson-Inseln immer noch fast paradiesische Zustände, da gemeindeeigene Putzequipen regelmässig im Einsatz sind. Aber eine vom Chamer Gemeinderat Drin Alaj, er ist Vorsteher der Abteilung Verkehr und Sicherheit, genannte Zahl versetzte am Mittwochmorgen, 28. April, die Zuhörer an einer Pressekonferenz im Chamer Hirsgarten in Staunen. In der Ennetsee-Gemeinde sind im vergangenen August rund 4,36 Tonnen Abfall im öffentlichen Raum eingesammelt worden. Das kommt einer Verdoppelung gegenüber dem Wert von 2019 gleich. Das sei, so Alaj, einer der Gründe für diese Zusammenkunft von Behördenvertretern. Sie waren gekommen, um ihren Beitrag für die Wiedergeburt der Anti-Littering-Kampagne «Zug blibt suuber» zu leisten.

Eine Kampagne mit aktuellen Zusätzen aufgefrischt

Bereits 2013 lancierten verschiedene Partner eine solche Aktion wider den Abfall im öffentlichen Raum. Sie fiel 2018 dem kantonalen Sparhammer zum Opfer. Das Konzept für die Kampagne mit dem bereits bekannten eindringlichen Slogan «Zug blibt suuber» haben die Macher nunmehr aufgefrischt und mit aktuellem Bildmaterial ergänzt. Zeitgerecht ist jetzt in einem der Plakate eine Mund-Nasen-Bedeckung zu sehen, die an einem Posten eines hölzernen Gartenhages angehängt ist. Dort gehören solche Masken nicht hin.

Die Aktion steht unter dem Patronat dreier Träger, welche sich die Kosten von 75'000 Franken aufteilen. Einer ist der Kanton Zug, der zweite die elf Zuger Gemeinden und fast logischerweise der Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen. Dieser ist etwas besser unter dem Namen Zeba bekannt. Das Zeba-Aushängeschild sind die Ökihöfe in den Zuger Gemeinden. Da das Problem des Abfalls im öffentlichen Raum im Laufe der Jahre nicht an Aktualität verloren hat, bleibt auch die Stossrichtung der Kampagne gleich: «Mit der Kampagne sollen die Zugerinnen und die Zuger sensibilisiert werden, ihre Abfälle korrekt zu entsorgen, um den schönen Kanton Zug sauber und lebenswert zu halten.»

Weggeworfene Zigarettenstummel sind im öffentlichen Raum eine Pein

Wie auf der Website der Anti-Littering-Kampagne zu lesen ist, setzen sich 66 Prozent des unsachgemäss entsorgten Abfalls aus den Resten von Zigaretten zusammen. Zu diesem Thema nennt der Chamer Gemeinderat Drin Alaj ein interessantes Detail. Ein einziger Zigarettenstummel reicht aus, um 50 Liter Wasser zu verschmutzen. Eine Gratisgabe der Kampagne sind Döschen, welche oft für Pastillen Verwendung finden. Raucher sollen diese auf Mann oder Frau tragen, um Zigarettenstummel darin zu entsorgen. Sponsor dieser sinnvollen Behältnisse: der Zigaretten-Multi British Tobacco.

Derweil erinnert Barbara Beck, Vorsteherin der Sicherheitschefs der Zuger Einwohnergemeinden, die Anwesenden daran, dass Littering ein Problem sei, welches alle Gemeinden betreffe. Beck ist Gemeinderätin in Menzingen und sagt:

«Auch die Bewohner von Berggemeinden gehen in die Stadt.»

Das Coronavirus hat die Situation in Bezug auf die Nutzung des öffentlichen Raums noch erhöht. Da Treffen in den eigenen vier Wänden in einer gewissen Weise immer noch eingeschränkt sind, bieten zum Beispiel die Zugerseeufer, Parks, Wälder und Feuerstellen in Berg und Tal eine gute Plattform, um zu schwatzen und tratschen.

Appell an die Vernunft aller Nutzer des öffentlichen Raums

Einer der Kampagnen-Schwerpunkte sind die Jugendlichen und die jungen Erwachsenen. Es werden denn auch die sozialen Medien bedient. Bestandteil der Aktion wider des Abfalls ist ein Wettbewerb. Zum Programm gehören aber auch Plakate, welche mit ihrer Bildsprache eindrücklich mahnen. So zum Beispiel eine weggeworfene Aluminium-Dose auf einer Wiese. Eine Mähmaschine kann diese zerkleinern und hernach gerät sie ins Futter von Kühen. Mit schlimmen Folgen. Heidy Oswald, Geschäftsführerin der Zeba, weiss von einem ähnlichen Fall zu berichten: «Auf einer Wanderung sah ich eine schäumende Kuh, die etwas zu plagen schien. Ich fand dann heraus, dass sie eine PET-Flasche im Mund hatte, die sie nicht wieder losgeworden ist.» Ihr Zutun habe dafür gesorgt, dass es der Kuh schnell wieder besser gegangen sei. Wenn ein jeder einen kleinen Beitrag leistet, ist allen geholfen.

Hier gibts mehr Infos.