Kampfansage der CVP bei den Gemeinderatswahlen in Unterägeri

Sieben Kandidaten, fünf Sitze: Wie in anderen Gemeinden zeigt sich diese Konstellation auch in Unterägeri. Hier möchten allerdings alle Bisherigen weiterhin mitmischen. CVP und Linke wollen ihren Einfluss aber ausdehnen.

Carmen Rogenmoser
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«24 Jahre Gemeinderat in Unterägeri und seit 20 Jahren Gemeindepräsident»: Damit wirbt Josef Ribary (FDP) für seine Wiederwahl – und er wird wohl einmal mehr genug Wähler hinter sich versammeln können. Denn ohne ihn ist die Unterägerer Exekutive kaum mehr denkbar.

Ganz allen passt das aber nicht. Beim Bekanntwerden seiner Kandidatur wurde er in Leserbriefen als «Sesselkleber» bezeichnet. Er solle seinen Sitz räumen und Jüngeren Platz machen, wurde gefordert. Der mittlerweile pensionierte Landwirt aber lässt sich davon nicht beirren.

Er möchte sich weiterhin für «sein» Dorf, das er in- und auswendig kennt, einsetzen. Seine Agenda ist dabei voll mit grossen Projekten: «In der nächsten Amtsperiode werde ich meine Prioritäten bei der Realisierung der Erweiterung der Schulanlage Acher und der Sanierung des alten Dorfschulhauses sowie des Gemeindehauses setzen», heisst es auf seinem Online-Profil. Und auch weiterhin wird er die Gemeindeversammlungen selbstbewusst leiten. Das wird ihm keiner so schnell nachmachen. Trotzdem kann wohl damit gerechnet werden, dass es seine letzte Legislatur sein wird. In vier Jahren wird Ribary über 70 Jahre alt sein.

Alle Bisherigen treten an

Bereits jetzt wird Fridolin Bossard (FDP) hinter vorgehaltener Hand als Nachfolger gehandelt. Der Betriebsleiter der Privatschule Dr. Bossard ist seit gut zwei Jahren der zweite FDP-Vertreter im Gremium. Er wurde Nachfolger von Walter Bruhin, der 2016 seinen Rücktritt bekannt gab.

Bossard musste sich bei den ausserordentlichen Wahlen gegen drei weitere Kandidaten durchsetzen: Matthias Buzzi von der CVP, SVP-Politiker Ralph Ryser und Linette Iten, die als parteilose antrat. Erst im zweiten Wahlgang konnte sich Fridolin Bossard dann gegen diese durchsetzen. Seither hat er sich in seinem Amt gut eingelebt und wichtige Positionen eingenommen. So wurde er unter anderem zum Präsidenten des Vereins Ägerital-Sattel Tourismus. Mit den beiden Bisherigen geht die FDP Unterägeri, als starke Partei der Gemeinde, auf Nummer sicher. Josef Ribary stellt sich als Einziger für das Präsidium zur Verfügung. Auch dieser Posten ist ihm so gut wie sicher.

Neben den beiden FDP-Politikern möchten auch die anderen bisherigen Vertreter, dazu gehören Josef Iten-Nussbaumer (CVP, seit 2007 im Gemeinderat), Beat Iten (SP, seit 1999 im Gemeinderat) und Roland Müller (SVP, seit 2010 im Gemeinderat), mitmischen. Die CVP fordert die FDP allerdings zum Kräftemessen heraus und tritt mit einem zweiten Kandidaten an. Andreas Koltszynski soll für die Partei einen zweiten Sitz zurückerobern. Diesen hat die Partei 2010 zu Gunsten der SVP verloren.

Der 43-Jährige ist Turn- und Sportlehrer und arbeitet beim kantonalen Amt für Sport. Er ist in Unterägeri aufgewachsen und wohnt mit seiner Frau und den drei Kindern noch immer in der Ägerital Gemeinde. Politisch hat noch nicht viel vorzuweisen. Laut seinem Profil möchte er sich – getreu seiner Partei – insbesondere für Familien einsetzen. Ob die CVP ihren Einfluss ausbauen kann, wird sich am 7. Oktober zeigen. Dagegen wehren wird sich Roland Müller. Der SVP-Vertreter hat der CVP bei den Wahlen vor acht Jahren schon einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er war der erste Politiker der SVP, der den Einzug in den Unterägerer Gemeinderat schaffte.

Ist die Zeit reif für eine Frau?

Ebenfalls seine Stellung verteidigen will Beat Iten (SP). Er ist seit fast 20 Jahren im Gemeinderat und damit dicht hinter Ribary. Allerdings bekommt Iten nun Schützenhilfe – oder Konkurrenz – je nach Betrachtungsweise. Denn mit Mariann Hess kandidiert eine siebte Kandidatin für die fünf zur Verfügung stehenden Plätze. Die Biobäuerin gehört den Alternativen – die Grünen an. Sie ist in Unterägeri kein unbeschriebenes Blatt und ist an Gemeindeversammlungen schon öfters mit scharfen Voten gegen den Gemeindepräsidenten aufgefallen. Sie würde das Gremium wohl ziemlich aufmischen. Und mit ihr würde seit langer Zeit wieder eine Frau in den von Männern dominierten Rat einziehen. Die letzte Unterägerer Gemeinderätin wurde 2002 von der Bevölkerung abgewählt. Vielleicht ist jetzt die Zeit reif für eine nächste Vertreterin.

Stille Wahl bei der RPK

Bei der Rechnungsprüfungskommission (RPK) kommt es zu einer stillen Wahl: Für die drei Sitze stehen drei Personen zur Wahl: Manuela Inglin (FDP, bisher), Stefan Merz-Hug (CVP, bisher) und Felix Spielhofer (parteilos, bisher). Letzterer kandidiert auch für das Präsidium. (red)

Diese Unterägerer wollen in den Gemeinderat

Josef Ribary (FDP)

– bisher, Kandidat fürs Präsidium
– Jahrgang 1951
– verheiratet, 2 Kinder
– Landwirt und Gemeindepräsident
– Verwaltungsrat ZVB und Ägeribad

«Meine Kraft, Energie und langjährige Erfahrung werde ich für ein aktives und attraktives Dorf einsetzen, in dem sich die Einwohner wohlfühlen. »

Fridolin Bossard (FDP)

– bisher
– Jahrgang 1983
– verheiratet
– Betriebsleiter Privatschule Dr. Bossard
– Präsident Verein Ägerital-Sattel- Tourismus

«Gerne setze ich mich weiterhin für ein lebenswertes und fortschrittliches Unterägeri mit Zukunftsperspektiven ein.»

Iten Nussbaumer, Josef, Gemeinderat, CVP Unterägeri, Josef Iten Nussbaumer

Iten Nussbaumer, Josef, Gemeinderat, CVP Unterägeri, Josef Iten Nussbaumer

Josef Iten-Nussbaumer (CVP)

– bisher
– Jahrgang 1953
– verheiratet, 2 Kinder
– Wirtschaftsprüfer
– Stiftungsratspräsident Altersheim Chlösterli, Stiftungsrat St. Anna und Iten-Maritz

«Qualitativ hochwertige Infrastrukturen bei ausgeglichenem Finanzhaushalt: Ich will einen aktiven Beitrag leisten, dass unser schönes Dorf lebenswert bleibt.»

Andreas Koltszynski (CVP)

– neu
– Jahrgang 1975
– verheiratet, 3 Kinder
– Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Sport, Zug
– Fussballtrainer

«Familien sind und bleiben die Basis unserer Gesellschaft. Unterägeri hat viel zu bieten: Damit sich alle wohl und zu Hause fühlen, ist die Gemeinde für die Einwohner da.»

Beat Iten (SP)

– bisher
– Jahrgang 1958
– feste Partnerschaft
– Psychologe, Berufsberater
– Verwaltungsrat Ägerital Energie Genossenschaft

«Für mich als Schulpräsident hat der Bau eines neuen Schulhauses höchste Priorität, damit unsere Schule auch in Zukunft über gute Rahmenbedingungen verfügt.»

Roland Müller (SVP)

– bisher
– Jahrgang 1971
– liiert, 4 Kinder
– Elektrotechniker
– Mitglied der Konferenz Langzeitpflege, Drogenkonferenz Zug.

«Unterägeri liegt mir am Herzen, weil es Moderne und Tradition verbindet. Trotz stetigem Wachstum hat es die Gemeinde geschafft, den dörflichen Charakter zu behalten.»

Mariann Hess (ALG)

– neu
– Jahrgang 1960
– verheiratet, 3 Kinder
– Biobäuerin, Kindergärtnerin
– Engagements unter anderem bei Bio Zug, Vision Landwirtschaft

«Es wäre für alle gut, wenn weniger Bauprofile in den Himmel wachsen würden – wenn wir die natürlichen Grenzen respektieren würden. Beginnen wir in Unterägeri.»

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