KANALISATION: Der rutschige Abstieg in die Unterwelt

Hier unten regieren ganz eigene Gesetze: die des Gewässerschutzverbandes. Fehltritte werden dabei sofort bestraft.

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Redaktor Luc Müller (rechts) in der Kloake mit Hans Kramer (stv. Betriebsleiter ARA Schönau). (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Redaktor Luc Müller (rechts) in der Kloake mit Hans Kramer (stv. Betriebsleiter ARA Schönau). (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Die Füsse werden kalt. Kontrollblick: Die Fischerstiefel sitzen. Knapp an den Oberschenkeln fliesst alles vorbei, was der Körper so täglich hergibt. An den grünen Gummistiefeln klebt inzwischen Toilettenpapier. Cham unterirdisch – das war die Idee. Jetzt stehe ich mitten im Friesenchamer Stollen der Kläranlage Schönau. Mit flottem Schritt watet Hans Kramis, stellvertretender Betriebsleiter des Gewässerschutzverbandes der Region Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee (GVRZ), durch den feuchten Abwasserkanal. «Ratten laufen hier nicht rum. Aber ein totes Kalb schwamm mir mal entgegen», erzählt Kramis, während der Lichtkegel seiner Handlampe die Wände abtastet.

Nur keinen Fehltritt
Geruch? Erträglich. Standfestigkeit? Bestens, aber was ist das unter meinem Stiefel? Nur keinen Fehltritt jetzt. Alle Gemeinden der Region, ausser Neuheim, sind an die Abwasserhauptleitungen des GVRZ angeschlossen. Neuheim hat eine eigene Kläranlage. Auch Gemeinden aus dem Kanton Schwyz und Luzern reinigen ihr Abwasser in Cham.

Rund 130'000 Bewohner hängen hier am Abwassernetz, so die Angaben von Gewässerschutzverband-Geschäftsführer Mario Bertschler. Der hält inzwischen mit beiden Händen die Leiter fest, die mitten im Abwasserkanal an der Wand angelehnt steht. Eleganter Ausstieg aus der Chamer Unterwelt – an den Stiefeln tropft das Restwasser ab. «Die Arbeit ist vielfältig. Technik, Umwelt und Biologie. Immer was Neues», sagt Kramis und legt die Stiefel zusammen. Seit rund 30 Jahren ist er dabei.

75 Kilometer langes Netz
Nächste Station Vereinigungsbauwerk Hammer. Der Wagen hält nach kurzer Fahrt über den Waldweg vor einem Betonbunker. Kramis schliesst die grosse Eisentür auf. Wassergetöse dringt ans Ohr, fauliger Geruch an die Nase. Was in der Stadt Zug durch die Toilette gespült wird, fliesst nun als Fluss unter meinen Füssen. Mit grosser Geschwindigkeit.

Mario Bertschler schiebt noch ein paar Zahlen nach. 75 Kilometer lang sind die Abwasserkanäle des Gewässerschutzverbandes. 20 Pumpwerke und 10 Regenbecken gehören ebenfalls zum Inventar. Jährlich reinigt die Kläranlage Schönau 19 bis 20 Millionen Kubikmeter Abwasser.

Luc Müller

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Zuger Zeitung.