KANALISATION: Zug baut eine Hauptschlagader für das Regenwasser

Regenwasser aus dem Gebiet Zug Nord soll nicht mehr in die Kläranlage fliessen. Damit die Abwasserreinigung von eigentlich sauberem Wasser entlastet wird, lässt die Stadt eine Leitung mit 2,7 Metern Durchmesser bohren.

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Ein Bohrkopf dieser Art wird sich durch den Zuger Untergrund wühlen. (Bild: PD Stadt Zug)

Ein Bohrkopf dieser Art wird sich durch den Zuger Untergrund wühlen. (Bild: PD Stadt Zug)

Ein Tunnel mit 2,7 Metern Aussendurchmesser und einer Länge von insgesamt 1,8 Kilometern, kreuz und quer vom Zugersee bis zur V-Zug, gebohrt unter der Stadt hindurch in einer Tiefe von mehr als acht Metern: Das sind die Ausmasse des Projekts «Hauptvorflutleitung Zugersee». Nach Angaben der Stadt Zug ist das Entwässerungssystem für Niederschlagswasser zurzeit eines der grössten dieser Art in Europa.

Die Arbeiten beginnen am 9. Januar. Als erstes wird gemäss der Mitteilung der Stadt Zug der Kreisel an der Aabachstrasse verschoben. Anfang Februar beginnt der Bohrkopf sich durch den Zuger Untergrund zu wühlen. Das Bauwerk soll im Herbst 2018 fertiggestellt sein und wird rund 19,5 Millionen Franken kosten. Die sogenannte Hauptvorflutleitung Zugersee bezeichnet die Stadt als eigentliche Aorta der Stadtentwässerung.

Stete Umstellung vom Misch- zum Trennsystem

1995 hatte sich die Stadt Zug entschieden, in der Kanalisation das Trennsystem einzuführen: Seither fliesst in zwei Dritteln der Siedlungsentwässerung das Regenwasser getrennt vom verschmutzten Abwasser ab, was die Kläranlage entlastet, insbesondere bei starken Regenfällen.

cv

Die Kanalisation in der Stadt Zug

Vor über 100 Jahren hatte die Stadt Zug die erste Kanalisation. Schmutz- und Regenwasser floss durch Abwasserrohre und in den Zugersee. 1957 baute die Stadt Zug die erste Kläranlage auf dem Areal «An der Aa» und schloss die Kanalisation schrittweise an. 1977 wurde die Kläranlage Schönau in Cham in Betrieb genommen.

Übergeschwappt

Mit der steigenden Bevölkerungszahl, der regen Bautätigkeit und der daraus folgenden zunehmenden Versiegelung des Bodens stiessen das 150 Kilometer lange Abwassernetz der Stadt Zug und die Kläranlage Schönau zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Das Abwasser-Mischsystem trug zur Verschlechterung der Wasserqualität des Zugersees und der Fliessgewässer bei. Noch vor zwanzig Jahren ergoss sich das Abwasser der Stadt Zug bei starken Regenfällen an 27 Stellen in verschiedene Gewässer und letztlich in den See, weil das Kanalnetz und die Kläranlage die Gesamtwassermenge nicht bewältigen konnten.