Kann diese Geschichte Villiger noch schaden?

Am Sonntag finden im Kanton Zug Gesamterneuerungswahlen statt. Der Zuger Sicherheitsdirektor Beat Villiger (61, CVP) strebt dabei seine vierte Legislatur an. 

Harry Ziegler
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Noch ist nicht klar, ob und wie die am Montagmorgen publik gewordenen Vorwürfe Beat Villiger im Wahlgang schaden werden. Zum einen ist es für den Sicherheitsdirektor sicher von Vorteil, dass bereits ein Grossteil der Zugerinnen und Zuger brieflich abgestimmt hat. Gemäss Landschreiber Tobias Moser bewegt sich der Rücklauf bei brieflichen Abstimmungen «regelmässig deutlich über 90 Prozent». Zum anderen dürfte die Sache den Sicherheitsdirektor einige Stimmen derjenigen Wahlberechtigten kosten, die am Sonntag zur Urne gehen. «Es ist zu früh, um sagen zu können, welche Auswirkungen die Vorwürfe an Beat Villiger haben werden», sagt der Politikwissenschafter Olivier Dolder von Interface Politikstudien Luzern. «Was geschieht, hängt auch von der Dynamik ab, die die ganze Sache noch nehmen wird.» Konkret heisst das: «Es kommt darauf an, was bezüglich des Verfahrens noch herauskommt.» Und wie Beat Villiger in den Medien wahrgenommen werde. «Nehmen ihn die Leserinnen und Leser als Täter wahr, dann kann es für ihn auch noch nach einer Wahl schwierig werden.»

«Druck auf die Person könnte steigen»

«Politisch kann ein solcher Schlag schon recht verheerend sein und den Druck auf die Person erhöhen», erklärt Dolder. «Es könnte theoretisch auch sein, dass Beat Villiger, wenn es zwischen ihm und Silvia Thalmann knapp wird, hinter die CVP-Kandidatin abrutscht», sagt der Politikwissenschafter. Für die sieben Sitze im Zuger Regierungsrat kandidieren zehn Personen aus den Parteien CVP, FDP, SVP, SP, Alternative-die Grünen (ALG) und GLP; vier bisherige und sechs neue. Unklar ist, wie das Onlineportal «Republik» vom inzwischen eingestellten Verfahren gegen Villiger erfahren hat, und ob allenfalls politische Gegner dahinter standen. Klar scheint aber: Hätte jemand Villigers Wahlchancen ernsthaft schmälern wollen, hätte eine solche Geschichte früher erscheinen müssen.

Ohnehin muss schlechte Publicity nicht automatisch zur Abwahl führen, wie der Bauskandal im Kanton Graubünden zeigte. Dort wurde BDP-Regierungsrat Jon Domenic Parolini, der von den Preisabsprachen im Baugewerbe gewusst haben, aber nichts dagegen unternommen haben soll, wiedergewählt – wenn auch denkbar knapp mit 68 Stimmen Vorsprung.

Verbleibende Zeit ist zu kurz, um zu reagieren

Trotz der nun entbrannten Diskussionen um die Person des Zuger Sicherheitsdirektors: «Für zwei linke Sitze in der Zuger Regierung dürfte es nicht reichen», ist Politikwissenschafter Dolder überzeugt. Generell ist die verbleibende Zeit für die Regierungsratskandidaten zu kurz, um die Berichterstattung zur Person Villigers effektiv zu ihrem Vorteil nutzen zu können. Strategieänderungen der Regierungsratskandidaten sind denn auch bei den angefragten Parteivertretern kein Thema. Keiner der Parteivertreter sieht diesbezüglich irgendwelchen Handlungsbedarf. Monika Barmet, Vizepräsidentin der kantonalen CVP, sagt auf Anfrage: «Wir nehmen dazu keine Stellung.» Kommt hinzu, dass das Verfahren gegen den Zuger Sicherheitsdirektor Beat Villiger durch die Luzerner Strafverfolgungsbehörden eingestellt worden ist, weil sich der Tatverdacht gegen Villiger nicht erhärten liess.