Wenn Zuger Schüler ihre Lehrer lehren

Ab nächstem Schuljahr arbeiten alle 3.- bis 6.-Klässler der Kantonsschule Zug im Unterricht mit ihrem eigenen Laptop. Bei technischen Problemen helfen selbsternannte IT-Spezialisten in einem Helpdesk ihren Mitschülern – aber auch den Lehrern.

Laura Sibold
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Lukman Ascic (links) und Nicolà Lohr lösen das IT-Problem von Kantilehrer Andreas Pfister.

Lukman Ascic (links) und Nicolà Lohr lösen das IT-Problem von Kantilehrer Andreas Pfister.

Bild: Laura Sibold (Zug, 26. November 2019)

Während an diesem Morgen mit dem Gong Scharen von Schülerinnen und Schülern in die Mittagspause strömen, geht die Arbeit für fünf 5.- und 6.-Klässler erst richtig los: In einem Informatikraum leisten sie technischen Support, führen Updates an Laptops durch und installieren Drucker, Programme sowie WLAN auf den Geräten. Dieser IT-Helpdesk für Schüler und Lehrpersonen an der Kantonsschule ist gefragt, wie Organisator Cyrille Walser betont: «Seit diesem Schuljahr arbeiten alle 5.-Klässler im Unterricht mit ihren eigenen Laptops. Da die Anzahl Geräte an der Kanti Zug zunimmt, ist auch mehr technischer Support gefragt.»

Die Nachfrage wird zudem weiter steigen: Ab dem kommenden Schuljahr 2020/21 benutzen alle Kantischüler ab der 3. Klasse ihr eigenes Gerät. Wenn künftig also zwei Drittel der Gymnasiasten ihren Laptop mitbringen, werde das auch den Schülerhelpdesk vor neue Herausforderungen stellen, erklärt Walser. So prüfe man eine Aufstockung des Helpdesks auf das kommende Schuljahr hin.

«IT-Probleme lösen ist wie Ostereier suchen»

Der 6.-Klässler Nicolà Lohr ist im Informatikraum gerade damit beschäftigt, Deutschlehrer Andreas Pfister bei der Lösung eines IT-Problems zu helfen. In absoluten Zahlen kämen mehr Schüler zum Helpdesk, besonders wegen des WLAN, sagt Lohr. «Im Verhältnis nehmen aber mehr Lehrer unsere Hilfe in Anspruch», erklärt der Rotkreuzer, der seit der Einführung beim Helpdesk dabei ist. Das wird auch an diesem Mittag augenscheinlich: Gleich fünf Lehrpersonen lassen sich von den Teenagern bei technischen Problemen helfen.

Oftmals seien es kleine IT-Probleme, für deren Lösung aber noch kein ausgebildeter Informatiker nötig sei, so Nicolà Lohr. Er führt den Schülerhelpdesk der Kanti Zug gemeinsam mit vier weiteren Schülern im Alter zwischen 18 und 19 Jahren. Jeden Dienstag- und Donnerstagmittag wird der Helpdesk von zwei der IT-affinen Kantonsschüler angeboten. Sie kassieren für ihre Arbeit einen Stundenlohn, abhängig von ihrem Alter. Doch das Geld sei nur einer der Anreize, gesteht der 5.-Klässler Lukman Ascic: «Ich arbeite seit Anfang Jahr in der Schule mit dem Tablet und stiess immer mal wieder auf Probleme. Wenn ich meine Erfahrungen nun weitergeben kann, ist das eine gute Sache.» Seinen Kollegen Fabian Jaggy spornt noch etwas anderes an: «IT-Probleme lösen ist wie Ostereier suchen – man weiss nie, wo man was findet.»

Jaggy, Lohr, Lukman und zwei weitere Schüler des Helpdesks haben an der Kanti einen Informatik-Einführungskurs besucht. Das meiste Wissen haben sie sich laut eigenen Angaben aber via Google, Youtube oder Bekannten selber angeeignet. Können die Schüler ein Problem nicht lösen, erstellen sie ein Ticket bei der IT, das innert einer Woche beantwortet wird. Herausfordernd seien die vielen Laptop-Modelle, sagt Nicolà Lohr. Die Kanti Zug gibt zwar Empfehlungen für die Hardware ab. Immer wieder gebe es jedoch Schüler, die ein anderes Modell mitbringen, etwa einen Mac.

«So wird der Support komplexer, weil wir uns in unterschiedlichen Betriebssystemen auskennen müssen.»

Für Helpdesk-Organisator und Mitglied der ICT-Arbeitsgruppe Cyrille Walser stellt sich noch eine andere Herausforderung. Das Spektrum des Informatikwissens sei bei den Schülern sehr breit. «Der Begriff ‹Digital Natives› erweckt oft den Eindruck, dass alle Schüler computeraffin sind. Doch dem ist nicht so.» Immer mal wieder gebe es Schüler, die nicht wüssten, wo man etwa ein Dokument speichern könne. «Auf der anderen Seite hat mir auch schon ein 1.-Klässler gezeigt, wie man die Internetsperre umgehen kann», relativiert Walser.

Gute Online-Tools als Ergänzung in der Schule

Auch die Lehrpersonen scheinen mit dem Service des Helpdesks zufrieden zu sein. Englischlehrerin Petra Fux lässt sich von einem jungen IT-Spezialisten den neuen Druckertreiber auf ihrem Laptop installieren. «Hier wird mir schnell und kompetent geholfen, wenn ich auf technische Unterstützung angewiesen bin.» Zudem empfinde sie die Laptops als gewinnbringend im Unterricht – Papierkopien für die Klassen entfielen, dafür stünden viele gute Online-Tools zur Verfügung.

Das Arbeiten am eigenen Laptop – «Bring your own device», kurz BYOD, genannt – hat an der Kantonsschule Zug schon länger Schule gemacht. Vor drei Jahren führte die Wirtschaftsmittelschule (WMS) das System als erste kantonale Mittelschule ein. Genauso lange besteht der Schülerhelpdesk bereits.

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