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KANTON: Denkmalpflegerin: «Ich möchte vor allem klar sein»

Seit September ist Franziska Kaiser im Amt. Für sie ist ein bewusster Umgang mit der Umwelt zentral – auf allen Seiten.
Franziska Kaiser hat sich im Kanton gut eingelebt – sowohl privat als auch beruflich. (Bild Werner Schelbert)

Franziska Kaiser hat sich im Kanton gut eingelebt – sowohl privat als auch beruflich. (Bild Werner Schelbert)

Samantha Taylor

Sie ist noch nicht ganz ein Jahr im Amt und hat in dieser Zeit im Kanton Zug schon einiges an Erfahrungen gemacht. Die kantonale Denkmalpflegerin Franziska Kaiser war mit einigen – sehr kritischen – Debatten zum Thema Denkmalpflege konfrontiert. Die 50-Jährige will diese Herausforderung annehmen und das Vertrauen der Politik zurückgewinnen.

Franziska Kaiser, Sie haben Ihre Arbeit im September aufgenommen und sind dann auch gleich nach Zug gezogen. Wie wohnt eine Denkmalpflegerin? In einem historischen Gebäude?

Franziska Kaiser*: Historisch ja, aber nicht sehr alt. Ich wohne zusammen mit meinem Partner in einer Mietwohnung aus dem Jahr 1964. In einem Haus, das nicht inventarisiert oder geschützt ist. Die Eigentümerin trägt aber sehr Sorge zum Haus. Es wurde nur sanft renoviert.

Fühlen Sie sich wohl im Kanton Zug?

Kaiser: Ich habe mich in Zug bestens eingelebt. Mir gefällt es hier sehr gut.

Privat oder beruflich?

Kaiser: Beides. Ich schätze meine Arbeit sehr. Sie ist enorm spannend. Ausserdem habe ich ein gutes Team. Daneben gefallen mir aber auch die Stadt und die Gegend. Dadurch, dass der Kanton eher klein ist, hat man oft kurze Wege. Und ich erlebe die Leute als sehr offen.

Waren das Gründe, weshalb Sie sich für Zug entschieden haben?

Kaiser: Dass ich heute in Zug bin, hat schon in erster Linie mit der Stelle als Denkmalpflegerin zu tun. Ich war an verschiedenen Orten in diesem Aufgabenfeld tätig. Es hat mich nun gereizt, einmal die Verantwortung für den ganzen Bereich Denkmalpflege zu übernehmen und nicht nur einen Ausschnitt zu bearbeiten. Was ich an Zug sehr spannend finde, ist, dass es sowohl städtische Gebiete als auch sehr ländliche Gegenden hat.

Was bedeutet das für Ihre Aufgabe?

Kaiser: In den städtischen Gebieten ist der Bau- und Investitionsdruck sehr hoch. Auf der anderen Seite gibt es die ländlichen Gegenden mit ganz anderer Ausgangslage. Dort geht es oft eher um Ortsbilder und Landschaften. Das macht die Arbeit abwechslungsreich.

Wollen Sie auch bewahren? Haben Sie sich darum für den Beruf der Denkmalpflegerin entschieden?

Kaiser: Ich habe Kunstgeschichte studiert und sehr bald gemerkt, dass mich eigentlich vor allem diejenigen Themenbereiche interessieren, bei denen eine Auseinandersetzung zwischen Kunst und Umwelt stattfindet. Also insbesondere die Architektur und die Planung. Spannend war für mich immer, wie Kunst und Kultur Einfluss auf unser Leben nehmen oder durch unser Leben geprägt sind. Ausserdem geht es in meinem Beruf auch immer darum, konkrete Lösungen zu finden. Ich schreibe keine abstrakten historischen Abhandlungen. Ziel meiner Arbeit ist, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen.

Das dürfte wohl auch die grösste Herausforderung sein.

Kaiser: Ja, das ist so. Aber die grössten Herausforderungen machen auch am meisten Freude, vor allem wenn man sie gemeistert hat.

Was ist Ihr Rezept für ein gutes Gelingen?

Kaiser: Am besten gelingt es, wenn man so früh wie möglich ins Gespräch kommt, und alle Beteiligten – Eigentümerschaft, Planer und Behörden – äussern, was Ihnen wichtig ist. Es braucht eine Auslegeordnung und klar abgesteckte Grenzen. Bei uns sind das oft solche, die das Gesetz oder fachliche Leitlinien vorgeben. Aber natürlich muss und soll auch der Eigentümer klarmachen, was ihm wichtig ist. Es ist notwendig, dass am Anfang ein Rahmen abgesteckt und danach Kompromisse gesucht werden können.

Trotzdem geniessen Denkmalpfleger nicht gerade die höchste Beliebtheit.

Kaiser: Das ist mir bewusst. Und es ist auch klar. Wir greifen ins Eigentum ein, und das findet man selten lustig. Gleichzeitig ist es ein Auftrag, den wir haben. Die entsprechenden Gesetze wurden in einem demokratischen Prozess geschaffen. Wir erfüllen also dementsprechend diesen Auftrag. Mein Eindruck ist aber, dass heute viele Eigentümer weniger bereit sind, das zu akzeptieren, was vom Staat kommt. Es wird mehr hinterfragt. Für uns heisst das, dass wir unsere Entscheide noch besser begründen müssen. Wir müssen ganz klar ausführen können, warum wir etwas als Denkmal und damit als schutzwürdig einstufen. Das ist aus meiner Sicht aber auch gut so.

Auf welchen Grundlagen können Sie denn argumentieren?

Kaiser: Warum etwas schutzwürdig ist, steht im Idealfall schon in einem Inventarblatt. Wir achten auch bei der Inventarrevision darauf, dass wir das ganz klar festhalten. Es gibt aber natürlich auch einen Ermessensspielraum. Wir müssen ja immer begründen, warum der «sehr hohe wissenschaftliche, kulturelle oder heimatkundliche Wert» – so steht es im Gesetz – gegeben ist.

Sind Sie eine strenge Denkmalpfle­gerin?

Kaiser (lacht): Ich mag den Ausdruck «streng» nicht. Ich möchte vor allem klar sein – klar in den Aussagen. Und ich will ehrlich bleiben, auch gegenüber dem Denkmal. Wenn einmal definiert ist, was ein Denkmal ausmacht, dann will ich insofern streng sein, dass eben diese Dinge bewahrt werden. Beispielsweise ein frei stehendes Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert. Wenn es die Lage speziell macht, dann soll es frei stehend bleiben. Auf dem Nachbargrundstück kann durchaus etwas Neues entstehen.

Gibt es Denkmäler oder Gebiete, die Ihnen im Kanton besonders am Herzen liegen?

Kaiser: Das ist schwierig zu sagen. Aus meiner Sicht sollte ein Augenmerk auf den Ortsbildschutz gelegt werden. Dafür sind die Gemeinden zuständig, wir können da nur beraten. Ich glaube aber, dass es sehr wichtig wäre, dort mehr zu erreichen. Es ist wichtig, dort hinzuschauen, wo Dörfer und Ortsbilder noch intakt sind. In Bezug auf Denkmäler hoffe ich, dass es mir gelingt, auch das Verständnis für neuere Bauten zu wecken. Gerade in Zug gibt es aus der Nachkriegszeit tolle Bauten, beispielsweise das Lassalle-Haus in Menzingen. Und als Drittes hoffe ich, dass es mir gelingt, das Vertrauen der Politik zurückzugewinnen.

Sie sprechen es an. Die Denkmalpflege ist im Kanton politisch ziemlich unter Beschuss geraten. Es gab diverse Vorstösse. Einige wollten sie sogar abschaffen. Wie wollen Sie denn das Vertrauen wieder zurückgewinnen?

Kaiser: Der Denkmalpflege wird vorgeworfen, sie habe den Auftrag von 2009, dass weniger unter Schutz gestellt werden soll, nicht ernst genommen. Für mich stellt sich die Frage: Was heisst das konkret? Wo setzen wir in Zukunft Prioritäten? Wo wollen wir wie viel Denkmalschutz? Das ist eine Diskussion, die auch in der Öffentlichkeit geführt werden muss.

Zum Abschluss: Wie wichtig ist die Arbeit der Denkmalpflege heute?

Kaiser: Ich glaube, es ist heute wichtig, dass man sich bewusst mit der Umwelt auseinandersetzt. Gerade weil heute so viel passiert. Auch in Zug, wo der Baudruck enorm hoch ist. Dabei spielen viele Eigeninteressen mit, und damit meine ich nicht nur jene privater Hausbesitzer. Auch Grossinvestoren wollen mitreden. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass die Veränderungen bewusst passieren. Und dazu braucht es eine Denkmalpflege, die bewahren und konservieren möchte. Wir erhalten übrigens auch Rückmeldungen von Leuten, die besorgt sind über die rasche Veränderung. Es gibt also auch Leute, die wollen, dass ein Teil der Geschichte erhalten bleibt.

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