KANTON: Hospiz Zug braucht nun selber Hilfe

Der Verein begleitet schwerkranke, sterbende Menschen und entlastet damit die Angehörigen. Jetzt appelliert er an die Gemeinden – mit unterschiedlichem Erfolg.

Interview Freddy Trütsch
Drucken
Teilen
Hospiz Zug  leistet seit über 20 Jahren Sterbebegleitung und entlastet damit Profis 
wie Angehörige (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Hospiz Zug leistet seit über 20 Jahren Sterbebegleitung und entlastet damit Profis wie Angehörige (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Jeder Mensch braucht während seines Lebens immer wieder Hilfe. Die Mitglieder des Vereins Hospiz Zug leisten diese Unterstützung bei Schwerkranken und Sterbenden. Dabei erfolgen Begleitungen zu Hause, aber auch in Alters- und Pflegeheimen, in Spitälern. Die Mitarbeiter von Hospiz sind ehrenamtlich tätig und ergänzen die Arbeit der Angehörigen, Pflegenden, der ­Spitex, der Ärzte und Seelsorger. Doch das kostet alles Geld. Der Verein deckt seine Aufwendungen vor allem durch Beiträge von Mitgliedern, Sponsoren und der öffentlichen Hand sowie spontanen Spenden. Mit der Gesundheitsdirektion besteht eine Subventionsvereinbarung. «Aber das reicht nicht», sagt Präsidentin Frieda Waldispühl Zindel. Deshalb hat ihr Verein die Zuger Gemeinden um Hilfe gebeten.

Frieda Waldispühl, Hospiz braucht dringend mehr Geld. Heisst das, dass der Verein seine Arbeit derzeit nur beschränkt machen kann?

Frieda Waldispühl: Bei den Begleitungen mussten wir unsere Arbeit bisher nicht einschränken. Wir haben aber an den Vergütungen gespart, Weiterbildungen von zwei auf einen Tag gekürzt und uns auch sonst eingeschränkt.

Vor kurzem hat der Verein die Gemeinden um Unterstützung gebeten. Mit welchem Erfolg?

Waldispühl: Erfreulicherweise haben uns alle Zuger Gemeinden für 2014 neben anerkennenden Worten auch ihre finanzielle Unterstützung zugesichert. Die Beiträge bewegen sich zwischen 200 und 7000 Franken. Diese Zusicherung gilt für das Jahr 2014.

Und wie geht es weiter?

Waldispühl: Mein Ziel ist es, ab 2015 die Beiträge angleichen zu können – selbstverständlich nach oben. Weiter kann ich mir gut vorstellen, die Beiträge der Gemeinden – wie jene des Kantons – an eine Subventionsvereinbarung zu binden. Das wäre meiner Meinung nach eine gute Lösung für beide Seiten: Hospiz Zug erbringt die umschriebene Leistung, die politische Behörde setzt die nationale Strategie Palliative Care um und richtet den Beitrag gemäss Zuger Gesundheitsgesetz aus.

Wenn eine Gemeinde Ihnen tatsächlich nur 200 Franken zugesprochen hat, hat dies auch mit fehlender Anerkennung zu tun.

Waldispühl: Vielleicht denken diese Verantwortlichen: Schon wieder jemand, der Geld will und uns erklärt, wie wichtig diese Arbeit ist.

Könnte das aber auch heissen, dass die Behörden Hospiz noch nicht so genau kennen?

Waldispühl: Ich kann mir vorstellen, dass die Botschaft von Palliative Care, die Haltung, was das genau ist und wer was macht im Gesundheitswesen, noch nicht bei allen angekommen ist. Pallium bedeutet «den Mantel umlegen» und Care «für jemanden sorgen, Sorge tragen». Für das gute Gelingen im Alltag braucht es jedoch viele Partner: vom Arzt, über die Pflege und weiter zur Seelsorge und spirituellen Begleitung bis hin zu weiteren Fachpersonen wie Sozialarbeitende oder Physiotherapie. Und eben auch die freiwillig Begleitenden von Hospiz Zug. Palliative Care kann keine Organisation für sich alleine erbringen.

Können private Personen auch helfen?

Waldispühl: Aber sicher. Zum Beispiel als freiwillig Begleitende oder mit ideeller und finanzieller Unterstützung.

Hospiz begleitet Schwerkranke und Sterbende zu Hause, in Alters- und Pflegeheimen sowie in Spitälern. Wie viele Leute werden jährlich begleitet?

Waldispühl: 2013 haben wir insgesamt 70 Patienten im Kanton Zug begleitet oder anders gesagt: Wir waren bei jedem zehnten Todesfall involviert. Zu Hause waren es 21 Patienten oder 117 Einsätze, 26 Patienten (73 Einsätze) betreuten wir in Pflegeheimen, und 62 Einsätze leisteten wir in Spitälern und Kliniken.

Was wird von den Helfern und Helferinnen genau gemacht?

Waldispühl: Hospiz Zug wird in der allerletzten Lebensphase gerufen. Sterben ist ein Ausnahmezustand und auch ein sehr persönliches Ereignis. Die professionelle Tätigkeit der Begleitenden versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den bestehenden Dienstleistungsangeboten von Spitex, Spitälern und Pflegeheimen. Die freiwilligen Begleitenden sitzen von 22 bis 5 Uhr am Bett des sterbenden Menschen. Sie entlasten damit auch die pflegenden Angehörigen oder Pflegefachpersonen. Sie bieten ihnen durch ihre Anwesenheit Sicherheit, Trost und ein offenes Ohr. Zuhören ist ganz wichtig für den sterbenden Menschen und seine Angehörigen. Die Zeit vor dem Tod ist sehr intensiv und verdichtet. Die Wahrnehmung entspricht nicht dem «normalen» Alltag. Wir begleiten achtsam und aufmerksam das Geschehen, rufen die Angehörigen, wenn der Tod nahe ist, und sind einfach da für die Sterbenden.

Findet Hospiz genügend Helfer?

Waldispühl: Nein, im Moment fehlen uns fünf freiwillige Begleitpersonen. Das hat sich sehr verändert. Denn jahrelang haben wir eine Warteliste mit bis zu 20 Personen geführt.

Hinweis

Frieda Waldispühl Zindel ist seit 2013 Präsidentin von Hospiz Zug. Diese Freiwilligenorganisation besteht seit 1992. Weitere Informationen: www.hospiz-zug.ch