KANTON: Kanton Zug befürchtet keine weiteren Wegzüge

Nach Einschätzung der Zuger Volkswirtschaftsdirektion handelt es sich beim Entscheid der Sitzverlegung von Weatherford um den strategischen Entscheid einer einzelnen Firma. Es gebe keine Indizien für weitere Wegzüge aus dem Kanton.

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Gianni Bomio, Generalsekretär der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zug, fürchtet keine weiteren Wegzüge. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Gianni Bomio, Generalsekretär der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zug, fürchtet keine weiteren Wegzüge. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Der Kanton Zug sei nicht vorgängig über die Verlegung des Sitzes nach Irland informiert worden, was aber bei Unternehmen in dieser Grössenordnung auch nicht üblich sei, erklärte Gianni Bomio, Generalsekretär der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zug, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Zug bedauere den Wegzug und wird Kontakt mit Weatherford aufnehmen, um die Hintergründe und die genauen Auswirkungen zu erfahren. Der Kanton Zug biete seit Jahren keine Steuererleichterungen für Unternehmen an.

Keine Anzeichen

Laut Bomio gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass weitere Unternehmen den Kanton Zug verlassen wollten. Der Standort Schweiz und der Wirtschaftsraum Zug seien nach wie vor ein sehr attraktiver Standort, dies bestätigten zahlreiche unabhängige Ratings und Studien.

Der Generalsekretär der Zuger Volkswirtschaftsdirektion stellte fest, dass dem Kanton Zug weder bekannt sei, wie viele Mitarbeiter Weatherford in Genf und Zug beschäftige, noch wie viele Steuern das Unternehmen bezahle. Über die Steuersituation von Firmen könne der Kanton keine Auskunft geben.

Einen Anhaltspunkt über mögliche Steuerausfälle liefert der Weatherford Geschäftsbericht 2012. In Anhang 7 wird darin festgehalten, dass Weatherford weltweit 370 Mio. Dollar und in der Schweiz 23 Mio. Dollar an Steuern zahlt.

Tiefstmögliche Kosten

Das Erdöl-Serviceunternehmen Weatherford will seinen Sitz von der Schweiz nach Irland verlegen und sich von der Schweizer Börse und jener in Paris dekotieren lassen. Die Aktien solle nur noch an der New Yorker Börse gehandelt werden.

Die Verlegung des Sitzes ermögliche es Weatherford, zu den tiefstmöglichen Kosten zu arbeiten und die besten Mitarbeiter anzuziehen, wird Verwaltungsratspräsident und CEO Bernard Duroc-Danner in einer Mitteilung zitiert. Die Verlagerung sei ein weiterer Schritt auf dem eingeschlagenen Veränderungspfad des Unternehmens.

Eine ausserordentliche Generalversammlung im Juni muss den Plan noch absegnen, wie es weiter heisst. Die ordentliche Generalversammlung soll hingegen in den kommenden September verschoben werden, wenn Weatherford voraussichtich bereits eine irische Firma sein werde. Formell umgesetzt wird der Plan mit einem Zusammenschluss der Schweizer Holding mit einer neu gebildeten irischen Gesellschaft.

Zugleich will das Unternehmen seine Aktien nur noch an der US-Börse handeln lassen. Von der Schweizer Börse SIX und der NYSE Euronext in Paris will sich der Konzern hingegen dekotieren lassen. Das Unternehmen ist derzeit an der Schweizer Börse mit einem Wert von knapp 13 Mrd. Fr. bewertet.

Das ehemals texanische Unternehmen verlegte 2008 den Firmensitz nach Zug und die Büroräumlichkeiten nach Genf, wobei in Genf nur eine Handvoll Leute beschäftigt werden. Der Konzern ist in rund 100 Ländern und an mehr als 1000 Öl- und Gasbohrfeldern tätig. Weltweit beschäftigt Weatherford über 60'000 Mitarbeiter.

sda