KANTON: Verkehrsreduktion: Zug will mit gutem Beispiel vorangehen

Die Spitzen in den Morgen- und Abendstunden können durch flexible Arbeitszeiten, Home-Office und weitere organisatorische Anpassungen gebrochen werden. Das zeigt eine Studie. Zug will mitziehen.

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Die Verkehrsplanung ist eines der Themen des neuen Raumordnungkonzeptes. Im Bild staut sich der Verkehr entlang der Neugasse in der Stadt Zug. (Bild: Archiv / Stefan Kaiser)

Die Verkehrsplanung ist eines der Themen des neuen Raumordnungkonzeptes. Im Bild staut sich der Verkehr entlang der Neugasse in der Stadt Zug. (Bild: Archiv / Stefan Kaiser)

Wie können die Verkehrsspitzen gebrochen und die Infrastruktur entlastet werden? Mit diesen Fragen hat sich die Metropolitankonferenz Zürich in den vergangenen zwei Jahren intensiv befasst und dazu unter anderem eine Studie erstellen lassen. Bei diesem Projekt hat der Kanton Zug mit Stefan Bürgler und René Hutter vom kantonalen Amt für Raumplanung die Leitung übernommen. «Es ging uns hier darum, andere Lösungen zu suchen», erklärte Bürgler im Rahmen der Präsentation der Ergebnisse. Er meint damit all das, was neben dem Ausbau der Infrastruktur im Bereich der Strassen und des öffentlichen Verkehrs gemacht werden kann, um die Spitzen in den Morgen- und Abendstunden zu brechen.

Untersucht wurden dabei die drei Bereiche Unternehmen, Schulen und Hochschulen sowie die Tarifgestaltung im öffentlichen Verkehr. Dabei ging es darum, die Wirksamkeit von Massnahmen wie flexible Arbeits- und Schulzeiten, die Reduzierung der Präsenzzeiten durch Home-Of­fice beziehungsweise E-Learning oder die Anpassung der Preise im öffentlichen Verkehr zu bewerten und einzuschätzen. Die Studie kommt zum Schluss, dass durch sogenannte organisatorische Massnahmen in Schulen und Unternehmen eine erhebliche Reduktion des Verkehrsaufkommens erreicht werden könnte.

«Diese haben ein hohes Potenzial, teilweise gehen wir von Reduktionen von bis zu 20 Prozent im öffentlichen und im Strassenverkehr aus», erklärt Daniel Sutter, Autor der Studie. Man habe festgestellt, dass diese Möglichkeiten vielen Unternehmen und teilweise auch Schulen bekannt seien. «Sie werden aber noch wenig genutzt», so Sutter weiter.

Zug sieht sich bestärkt

Diese Erfahrung habe man auch im Kanton Zug gemacht, sagt Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel. «Wir haben in der Verwaltung flexible Arbeitszeiten, und es ist möglich, bis zu 50 Prozent der Arbeitszeit im Home-Office zu arbeiten», führt Michel aus. Trotzdem werde auch beim Kanton noch relativ wenig von diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht. «Andererseits haben wir beispielsweise die Stundenpläne des Gymnasiums Menzingen in Zusammenarbeit mit der Schulleitung leicht angepasst», sagt Michel. So habe freitags ein Buskurs eingespart werden können. Als bekanntes Beispiel nennt Michel die Anpassung der Vorlesungszeiten der Hochschule Luzern in Rotkreuz. «Das Umdenken beginnt im Kopf. Wenn es weitere solche gute Beispiele gibt, wird die soziale Akzeptanz für solche Modelle steigen», ist er überzeugt. Die Zeiten, in denen die öffentliche Hand vor allem Infrastruktur gebaut habe, seien vorbei. «Die Antwort auf mehr Verkehr kann nicht mehr nur mehr Infrastruktur sein», erklärt Michel und sagt: «Die Resultate der Studie bestärken den Kanton, seine eingeschlagenen Wege fortzusetzen.» Die Metropolitankonferenz Zürich ist ein Verein. Er umfasst acht Kantone, auch Zug, Luzern und Schwyz, sowie rund 120 Städte und Gemeinden aus dem Raum Zürich. Der Verein hat keine Entscheidungskompetenz. Die Ergebnisse der Studie werden als Empfehlung abgegeben. (st)