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KANTON ZUG: Bevölkerungszahlen geben zu reden

Im Rahmen der Mitwirkung haben sich auch die Gemeinden zu den geplanten Anpassungen geäussert. Dabei gibt es viel Zuspruch, aber auch Bedenken. Es zeigt sich insbesondere, dass viele grossen Wert auf Eigenständigkeit legen.
Rahel Hug
Wie entwickelt sich der Kanton bis ins Jahr 2040? Mit dieser Frage beschäftigt sich der überarbeitete Richtplan. Im Bild die Stadt Zug.

Wie entwickelt sich der Kanton bis ins Jahr 2040? Mit dieser Frage beschäftigt sich der überarbeitete Richtplan. Im Bild die Stadt Zug.

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Der Kanton Zug denkt seine räumliche Zukunft neu. Der Richtplan wird derzeit angepasst. Nötig ist dies wegen neuer Anforderungen der eidgenössischen Gesetzgebung. Bei der Anpassung geht es um die Frage, wie sich unser Lebens-, Wohn- und Arbeitsraum bis ins Jahr 2040 entwickeln soll. Eine wichtige, umfassende und komplexe Frage, für die die neue räumliche Strategie den Rahmen vorgeben soll. Bis zum 28. Februar konnte die Öffentlichkeit zum Entwurf der Bau­direktion Stellung nehmen. Die Resultate fliessen im Sommer in den Richtplan ein. Nach der Verabschiedung durch den Regierungsrat ist der Kantonsrat am Zug.

Im Rahmen der Vernehmlassung haben sich auch die elf Zuger Gemeinden zu den Themen «Grundzüge der räumlichen Entwicklung» sowie «Siedlung», «Landschaft» und «Verkehr» geäussert. Von Anfang an wurden sie in den Prozess einbezogen. Wir haben uns umgehört, welche Themen für die Gemeinden von Bedeutung sind, welchen Punkten sie kritisch gegenüberstehen und welche Änderungen sie begrüssen.

Stadt Zug

In Zug werte man die übergeordnete Sichtweise positiv, sagt Bauvorsteher André Wicki und spricht dabei das Ziel an, Zug als eigenständigen Teil des Metropolitanraums Zürich zu verstehen. Weiter sagt er: «Wir begrüssen es, dass das Wachstum zu 85 Prozent in den Stadtlandschaften stattfinden soll.» Auch den verkehrslenkenden und -steuernden Massnahmen stimmt man seitens der Stadt zu. Generell stimme die Grundrichtung des Richtplans, so Wicki. Der Entwurf sei aber in einigen Punkten zu präzisieren. «Die Bevölkerungs- und Beschäftigtenentwicklung ist in ihrer Stossrichtung umschrieben, die lenkenden Massnahmen für die neu definierten Landschaften fehlen jedoch.» Unter anderem nennt der Bauchef die Lorzenebene: «Für die Siedlungsqualität der Stadtlandschaft stellt sie den zentralen Raum dar.» Dies sei entsprechend zu würdigen. Weiter fordert er, das Verhältnis der Verkehrsmittel, den sogenannten Modalsplitt, deutlich zu Gunsten des ÖV und des Langsamverkehrs zu verschieben.

Baar

Ähnliches schreibt der Gemeinderat von Baar in seiner Stellungnahme. Ausserdem heisst es im Schreiben: «Die vorgeschlagene Formulierung, dass die Flächen für die Mobilität nicht erhöht werden dürfen, ist zu absolut formuliert. Der Ausbau der bestehenden Infrastrukturen wird wesentlich Land beanspruchen.» Auch zu den Zielen zur räumlichen Gliederung haben die Baarer mehrere Anträge formuliert. Unter anderem geht es um das Gebiet Walterswil: «Es soll sich räumlich nicht mehr weiter ausdehnen», heisst es. Eine massvolle Verdichtung sei jedoch möglich. Nicht einverstanden ist man mit der Passage aus dem Entwurf, in der die Marktgasse als «stadträumlich nicht überzeugend» beurteilt wird. Dies sei anzupassen oder ersatzlos zu streichen. Ebenfalls «zu hoch gegriffen und kaum zielführend» sei der Ansatz, dass die Gemeinden ein gemeinsames Bild für die ganze Stadtlandschaft entwickeln sollen. Deutlich wird der Gemeinderat auch, wenn es um die «Ziele zur Zusammenarbeit» geht. «Bei der Zusammenlegung von Gemeinden ist deren Autonomie vollständig zu wahren», schreibt er.

Walchwil

Damit ist Baar nicht allein. Auch Tobias Hürlimann, Gemeindepräsident von Walchwil, hält fest, dass man sich klar von künftigen Anpassungen an den Kantons- oder Gemeindegrenzen distanziere. «Der Punkt soll ersatzlos gestrichen werden», ist er der Meinung. Weiter fordert Hürlimann eine Anpassung der vorgeschlagenen Bevölkerungszahl für seine Gemeinde nach oben. Diese liegt laut dem Entwurf im Jahr 2040 bei 4200. «Durch die anstehenden Überbauungen an der Nordzufahrt und den noch nicht bebauten Flächen in der Bauzone sehen wir das Potenzial für die zukünftige Bevölkerungszahl höher als vorgeschlagen.» Mit dem Punkt, der festhält, das Wachstum von Bevölkerung und Beschäftigten konzentriere sich auf das bestehende Siedlungsgebiet und in den mit dem öffentlichen Verkehr gut erschlossenen Talgemeinden, ist Hürlimann ebenfalls nicht ganz einverstanden. «Es darf keine Benachteiligung der Berggemeinden gegenüber den Talgemeinden stattfinden», sagt er.

Steinhausen

Auch Vertreter von anderen Gemeinden fordern eine Anpassung der Bevölkerungszahl nach oben. «Die prognostizierte Zahl ist zu knapp bemessen», lautet der Standpunkt von Barbara Hofstetter, der Gemeindepräsidentin von Steinhausen. Dereinst sollen laut dem Richtplan 11 200 Personen in der flächenmässig kleinsten Zuger Gemeinde wohnen. Das sei nicht realistisch, so Hofstetter. «Die Bevölkerung ist in den letzten Jahren jährlich um knapp 100 Personen gewachsen. Gemäss der im Richtplan vorgesehenen Zahl bis 2040 dürfte die Bevölkerung demnach jährlich um einen Drittel weniger wachsen», sagt sie und verweist auf die aktuelle Bautätigkeit sowie die rund 15 Prozent der Wohnzonen, die noch nicht überbaut sind. Ein Problem hat Steinhausen auch mit den geplanten Vorranggebieten für die Arbeitsnutzung. Der Kanton will im Richtplan solche ausscheiden und dort nur reines Arbeiten zulassen. «Dies würde eine qualitative Weiterentwicklung für Steinhausen teilweise massiv einschränken», sagt die Gemeindepräsidentin. In einem Punkt ist Barbara Hof­stetter mit vielen ihrer Kollegen und Kolleginnen einig. Die Arrondierung der Kantons- und Gemeindegrenzen sei zurzeit kein Thema, betont sie. Positiv wertet sie die Erarbeitung eines Gesamtverkehrskonzeptes. Allerdings müsste dieses Bestandteil der Richtplananpassung sein, sagt Hofstetter. Der Kanton hält im neuen Richtplantext lediglich fest, dass bis 2019 ein solches erarbeitet werde.

Cham

Ähnlich fällt in diesem Punkt die Stellungnahme aus Cham aus. «Nur ein alle Verkehrsträger umfassendes Konzept bietet Gewähr für Akzeptanz und Erfolg», sagt Gemeindepräsident Georges Helfenstein. Wichtig ist für ihn insbesondere der Bau der Umfahrung Cham-Hünenberg. Diese sei für die weitere Entwicklung von Cham und dem Ennetsee entscheidend und sei prioritär zu behandeln, hält er fest. Mehrere Zielsetzungen zur Siedlungsentwicklung beurteile man positiv – so etwa den Punkt, dass die räumliche Ausdehnung der Siedlungen gestoppt werde und die Qualität der öffentlichen Freiräume und der Siedlungsumgebung hoch sei. Als zu gering – angesichts der Entwicklungsgebiete wie etwa des Papieri-Areals – betrachtet Helfen­stein das prognostizierte Wachstum. Bei 18 600 Personen liegt die Zahl für Cham im Jahr 2040 gemäss dem Entwurf.

Risch

Das Thema Verkehr ist auch für die Gemeinde Risch von grosser Bedeutung. Im Grundsatz unterstütze man die Stossrichtung des überarbeiteten Richtplans, sagt Gemeindepräsident Peter Hausherr. «Das künftige Wachstum wird weiterhin in vernünftige Bahnen gelenkt, und neue Trends in den Bereichen Verkehr, Siedlung, Gesellschaft und Wirtschaft werden berücksichtigt.» Aussagen im Entwurf, wonach die Strukturen der elf Zuger Gemeinden überprüft werden sollen, lehnt man jedoch ab. «Die Gemeinde ist auch der Ansicht, dass kein gemeinsames Bild für die nächste Ortsplanungsrevision der Gemeinde in der Stadtlandschaft erarbeitet werden soll.»

Hünenberg

In Hünenberg beschäftigt unter anderem das Thema «Verdichtung», wie Gemeindepräsidentin Regula Hürlimann sagt. «Ich bin der Meinung, dass man nur im Einvernehmen mit der Bevölkerung verdichten kann, denn es gibt ja neben den Vorteilen auch gewichtige Nachteile», sagt sie. Was die Bevölkerungsentwicklung angeht, befürworte man ein gemässigtes Wachstum, so Hürlimann. «Mit einem jährlichen Wachstum von 0,8 Prozent hätten wir 2040 rund 10 500 Einwohner, und damit sind wir sicher auf dem richtigen Weg.» Anders sehe es in der Industriezone aus: «Diese müsste dringend optimal genutzt werden, um mehr Steuersubstrat zu generieren.»

Neuheim

Roger Bosshart, der Gemeindepräsident von Neuheim, ist mit den Anpassungen «grundsätzlich» einverstanden. «Wichtig ist mir jedoch», sagt er, «dass man einer kleinen Gemeinde wie Neuheim die Chance und Möglichkeit gibt, sich entwickeln zu können.» Nicht akzep­tabel sei die Bevölkerungsprognose: «Nach Berechnung der Gemeinde ist mit einem Bevölkerungszuwachs von rund 350 Personen innerhalb der bestehenden Bauzone zu rechnen.» Der Entwurf geht von einem Anstieg von 2154 auf 2300 Personen aus.

Menzingen

Einverstanden mit den Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung ist man in Menzingen. «Der Gemeinderat begrüsst die vorgegebenen Anpassungen», sagt Bauchef Martin Kempf. Menzingen habe aufgrund seiner Lage in einem Gebiet, das zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (PLN) gehört, nur beschränkte Wachstumsmöglichkeiten und geringes Entwicklungspotenzial. Dies werde jedoch als Chance gesehen.

Oberägeri

Im Entwurf zum Richtplan heisst es: «Unterägeri und Oberägeri bilden ein ‹Städtchen am See›. Ein Zurück zu zwei Dörfern oder ein städtebaulicher Stillstand ist keine Option.» Pius Meier, Gemeindepräsident von Oberägeri, ist der Meinung, dass der besonderen geografischen Lage der beiden Gemeinden auch planerisch Rechnung getragen werden müsse. «Beide müssen sich eigenständig entwickeln können.» Für Oberägeri wünsche man sich vor allem bessere Möglichkeiten für die Weiterentwicklung von Gewerbe­betrieben und Arbeitsplätzen, «also mehr Einzonungsspielraum». Im Bereich des ÖV legt der Gemeindepräsident Wert auf eine bessere Anbindung Richtung Sattel, Neat und Ostschweiz. Als positiv wertet Meier die grundsätzliche Einstellung zu haushälterischem Bodenverbrauch.

Unterägeri

Josef Ribary, sein Amtskollege aus Unterägeri, sagt: «Die Punkte Verkehr, Wachstum sowie Infrastruktur sind uns besonders wichtig.» Man habe dem Kanton rückgemeldet, dass die Zielsetzung selbst stärker auf die unterschiedlichen Rollen der Gemeinden verweisen soll, «so unter anderem auf die Regionalzentrumsfunktion von Unterägeri – etwa für die Versorgung». Gegenüber dem angestrebten Wachstum – Unterägeri soll 2040 10 000 Einwohner zählen – zeigt sich Ribary offen. «Ein moderates Wachstum ist auch nötig, damit das Gewerbe Arbeit hat.» Mit einem Wachstum von 0,7 Prozent stehe Unterägeri «nicht übermässig im Mittelpunkt». Generell, so Ribary, sei der neue Richtplan «ein gutes Instrument und vor allem eine Grundlage für eine gesunde Entwicklung».

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