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KANTON ZUG: Darum erhielt Hünenberg den Schweizer Schulpreis

Vor fünf Jahren wurde in Hünenberg das «Altersdurchmischte Lernen» eingeführt. Für die Umsetzung wurde die Schule nun ausgezeichnet. Der Entwicklungsprozess ist damit aber nicht abgeschlossen.
Rahel Hug
Der Hünenberger Rektor Rolf Schmid (vierter von links) und das Schulleitungsteam, bestehend aus Felix Estermann, Urs Aregger, Claudia Benninger, Reto Kurmann und Georges Raemy (von links). (Bild: Stefan Kaiser (Hünenberg, 19. Dezember 2017))

Der Hünenberger Rektor Rolf Schmid (vierter von links) und das Schulleitungsteam, bestehend aus Felix Estermann, Urs Aregger, Claudia Benninger, Reto Kurmann und Georges Raemy (von links). (Bild: Stefan Kaiser (Hünenberg, 19. Dezember 2017))

Interview: Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Was macht eine gute Schule aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Trägerschaft des «Schweizer Schulpreises», der kürzlich zum dritten Mal vergeben wurde. Ziel der Auszeichnung ist es, die Leistungen von innovativen Schulen sichtbar zu machen, so dass auch andere Schulen profitieren können. Beurteilt werden verschiedene Bereiche wie etwa die Unterrichtsqualität oder das Schulleben. Unter den sechs Gewinnerschulen sind auch die Schulen Hünenberg. Ueli Wirth, Schulpräsident, und Rolf Schmid, seit 20 Jahren Rektor in der Ennetseegemeinde, erklären im Interview, wie es dazu kam und was man sich vom Preis erhofft.

Rolf Schmid und Ueli Wirth, weshalb haben sich die Schulen Hünenberg für den Schweizer Schulpreis beworben?

Schmid: Das Amt für gemeindliche Schulen sowie die PH Zug haben die Zuger Rektoren zur Teilnahme motiviert. Um die Bewerbung haben sich zwei engagierte Lehrerinnen gekümmert, was sehr wertvoll war, denn das Prozedere war recht aufwendig.

Bei der Preisverleihung wurde der «sorgfältig erarbeitete und ausgezeichnet umgesetzte Change-Management-Prozess» gelobt. Was muss man sich darunter vorstellen?

Schmid: Der Aufhänger bei unserer Bewerbung war die Entwicklung, die unsere Schule durch die Einführung des Altersdurchmischten Lernens (AdL) auf der Primarschulstufe durchgemacht hat. Diesen Prozess haben wir 2012 gestartet. Damals mussten wir uns auch gegen Widerstand behaupten. Dank des starken Einbezugs der Lehrerinnen und Lehrer und der Eltern sind wir heute sehr gut aufgestellt. Der Schulpreis ist für uns ein Beweis, dass der eingeschlagene Weg stimmt. Es ist ein Preis für die gesamte Lehrerschaft und das Schulleitungsteam.

Was hat sich mit der Einführung des Altersdurchmischten Lernens verändert?

Wirth: In dieser Schulform werden jeweils mehrere Jahrgänge in einem Verband unterrichtet. Der Unterricht wird weniger starr nach Lektionen oder Fächern gestaltet und die Lehrpersonen sind vielmehr Teamplayer als Einzelkämpfer. Die Vielfalt wird als Chance gesehen und genutzt. Auch die Partizipation der Schülerinnen und Schüler hat sich verändert. Im sogenannten Morgenkreis zum Beispiel nimmt sich die Lehrperson zurück, und ein Kind übernimmt die Leitung. Auch Schülerparlamente und Klassenräte wurden geschaffen.

Wie zeigt sich der Erfolg dieses Modells?

Wirth: Aus den Elterngesprächen geht hervor, dass die Veränderungen positiv wahrgenommen werden. Die externe Evaluation im Schuljahr 2015/16 hat gezeigt, dass das Wohlbefinden an unseren Schulen durch die Eltern und die Schüler mit je 94 Prozent positiv bewertet wurde. Das ist ein sehr guter Wert. Ausserdem haben wir in der Lehrerschaft eine grosse Stabilität, es gibt kaum Fluktuation.

Was erhofft man sich von der Auszeichnung?

Schmid: Für uns ist der Preis ein Motivationsschub, den begonnenen Weg weiterzugehen. Die Aussensicht, bei der auch kritische Fragen gestellt wurden, lässt uns wach bleiben. Wir hoffen zudem, dass sich ein stärkerer Austausch mit anderen Schulen ergibt. Das haben wir auch mit dem 1:1-Computing auf der Oberstufe so erfahren.

Stichwort Austausch: Gibt es im Kanton Zug unter den Schulen eine Art Wettbewerb? In Baar wurde beispielsweise eine Erhöhung der Lehrerlöhne beschlossen. Entsteht dadurch eine Konkurrenzsituation?

Schmid: Klar, gutes Personal ist für eine Schule extrem wichtig. Und talentierte Lehrpersonen bewerben sich, wenn das Image einer Schule gut ist. Den Austausch im Kanton Zug erlebe ich aber als sehr positiv und offen. In den letzten 20 Jahren hat sich das stark verändert. Es ist ein Mitein­ander, die Rektoren arbeiten nicht mehr jeder für sich in seinem Kämmerchen.

Zurück zum Schulpreis. Wie wird das Preisgeld von 20 000 Franken eingesetzt?

Schmid: Klar ist, dass die Schüler und die Lehrer davon profitieren sollen. Eine Idee ist, das Geld für die Ausstattung von sogenannten Forscher- oder Ressourcen-Ecken in den Schulräumen zu verwenden. Wir werden aber sicher auch die Schülerparlamente bei dieser Frage einbeziehen.

Welche Herausforderungen sehen Sie künftig auf die Schulen Hünenberg zukom-

men?

Schmid: Mit dem altersdurchmischten Unterricht haben wir gute Grundlagen für die Einführung des Lehrplans 21 geschaffen. Wir setzen viele Anforderungen des kompetenzorientierten Unterrichts bereits um. Doch der Entwicklungsprozess ist nie abgeschlossen. AdL war bis jetzt erst auf der Primarstufe ein Thema. Die Frage wird nun sein, wie das Potenzial des Altersdurchmischten Lernens auf der Oberstufe gewinnbringend genutzt werden kann.

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