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KANTON ZUG: Das Comeback des Auerhuhns

Sie waren einmal beinahe verschwunden. Doch seit einiger Zeit werden im Kanton Zug wieder mehr Auerhühner gesichtet. Dass man einem der seltenen Vögel über den Weg läuft, ist aber höchst unwahrscheinlich.
Livio Brandenberg
Ein Auerhahn im Balzgehabe, fotografiert in der Region Oberägeri. (Bild: Amt für Wald und Wild Kanton Zug/PD)

Ein Auerhahn im Balzgehabe, fotografiert in der Region Oberägeri. (Bild: Amt für Wald und Wild Kanton Zug/PD)

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Es ist scheu und es ist selten geworden. Und jetzt ist es zurück im Kanton Zug: das Auerhuhn. Wie das Zuger Amt für Wald und Wild mitteilte, wurden in letzter Zeit wieder vermehrt Auerhühner auf Kantonsgebiet gesichtet beziehungsweise mittels Kotproben eindeutig identifiziert.

Es seien im ganzen Hürital vereinzelt Exemplare gesichtet worden, sagt Martin Ziegler, Leiter der Abteilung Schutzwald, Waldbiodiversität und Naturgefahren im Amt für Wald und Wild, auf Anfrage. Die zwei Kerngebiete seien aber der Rossberg (Unterägeri) und Höhronen (Oberägeri). Diese beiden Regionen wurden als Waldnaturschutzgebiete im Richtplan ausgeschieden, um dort die bedrohten Bestände erhalten zu können.

Der Wald wurde zu dunkel

Das Auerhuhn ist in der Schweiz laut Angaben der Vogelwarte Sempach «stark gefährdet». Der Bestand wird auf 400 bis 500 Brutpaare geschätzt, was ungefähr 1000 Tieren entspricht. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts gingen die Auerhuhnbestände in ganz Europa deutlich zurück. In vielen Gebieten erloschen sie, so gibt es seit dem Jahr 2000 beispielsweise keine Auerhühner mehr in den französischen Alpen.

Die Gründe für den drastischen Rückgang sind vielfältig. Hauptsächlich dürfte jedoch die moderne Forstwirtschaft verantwortlich sein. Denn das Auerhuhn braucht eine offene Waldstruktur zum Leben. Über Jahrhunderte profitierte es von den teils stark genutzten Wäldern. Im 20. Jahrhundert wurde Holz als Brenn- und Baustoff durch Öl ­respektive Stahl und Beton verdrängt. Gleichzeitig wurden die Wälder grossflächig mit Fichten aufgeforstet. Diese Kombination führte dazu, dass es dem Auerhuhn zu dunkel wurde.

«Im Kanton Zug gab es vor gut 50 Jahren auf höheren Lagen, über 1000 Meter, überall Auerhühner. Dann ist der Bestand rapide zurückgegangen, wie in der ganzen Schweiz», sagt Martin Ziegler. Das Auerhuhn verschwand beinahe aus Zug. Doch der Lebensraum wurde nach und nach wieder hergestellt. Seit den Achtzigerjahren hat man sich von der Fichtenförderung abgewandt und in Zug im Jahr 2000 mit Schutz- und Förderprogrammen angefangen, die unter anderem mit Bundesgeldern für die Waldbiodiversität finanziert werden. «Weil die Auerhühner viel Ruhe brauchen, gibt es in den Gebieten Rossberg und Höhronen weniger Wanderwege. Und wir sperren beispielsweise unbewilligte Bikewege und Trampelpfade mit Astmaterial ab. All dies tun wir in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Eigentümerin, der Korporation Oberägeri oder Unterägeri», so Ziegler. Um die Massnahmen durchzusetzen, habe man mit den Waldeigentümerinnen Verträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren abgeschlossen. «Es gibt also einen Plan», sagt Abteilungsleiter Ziegler. «Umso schöner, wenn dieser Plan nun aufzugehen scheint.»

Flugaustausch mit Schwyzer Hühnern

Wie viele Auerhühner leben denn nun im Kanton Zug? Laut dem Amt für Wald und Wild sind es im Gebiet Höhronen mindestens vier Tiere, im Gebiet Rossberg wurden gleich viele gezählt, tatsächlich dürften es aber noch mehr sein. Wobei Martin Ziegler anmerkt, dass Auerhühner einen grossen Lebensraum – mindestens 1 Quadratkilometer – einnehmen. «Sie brauchen viel Platz, kehren aber immer wieder zurück zu ihren Balzplätzen. Im Frühling treffen sie sich dort, dann buhlen die Hähne um die Hennen, und es kommt vor, dass mehrere Tiere auf einmal zu sehen sind, was sonst selten ist.»

Der grosse Rayon dürfte mit ein Grund dafür sein, dass die Vogelart hier wieder sesshaft geworden ist. Denn: Im Kanton Schwyz sei der Bestand aufgrund ausgedehnter abgelegener Gebiete grösser als im Kanton Zug, sagt Ziegler. «Die Zuger Auerhühner brauchen den Austausch mit den Schwyzer Hühnern.» Dieser Austausch finde fliegend, zum Beispiel über das Gebiet Rothenthurm, statt. «Man kann sagen: Der Kanton Zug profitiert somit von der Quellpopulation in Schwyz, da das Gebiet Ägerital am Rande des möglichen Verbreitungsgebietes liegt.»

Trotz der Freude mahnt Ziegler zur Zurückhaltung: «Wir möchten auf keinen Fall, dass Leute die Tiere suchen gehen. Die Wahrscheinlichkeit, sie zu sehen, ist sowieso äusserst gering.»

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