Kanton Zug
Das Sozialversicherungssystem bleibt auch in der Krise stabil und agil

Der Geschäftsbericht der kantonalen Ausgleichskasse und IV-Stelle präsentiert sich ähnlich wie in den Vorjahren: Über 1,1 Milliarden Franken Versicherungsbeiträge wurden eingenommen, 787 Millionen Versicherungsleistungen ausgezahlt.

Vanessa Varisco
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Die Ausgleichskasse musste letztes Jahr schnell eine neue Versicherungsleistung schaffen.

Die Ausgleichskasse musste letztes Jahr schnell eine neue Versicherungsleistung schaffen.

(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 7. Juni 2019)

Als «verrücktes Jahr für die Versicherten» beschreibt die Direktorin der Ausgleichskasse und IV-Stelle Zug Romana Zimmermann 2020. Von einem Tag auf den anderen musste eine neue Versicherungsleistung eingesetzt werden, die Corona-Erwerbsentschädigung. Die Krisensituation habe dazu geführt, dass viele Anrufe eingegangen seien von Menschen, die verunsichert gewesen seien durch die neue Situation. «Wir mussten schnell handeln», blickt Zimmermann zurück. Unter Hochdruck wurden die neuen Massnahmen analysiert, die Prozesse definiert und die Informatik vorbereitet. Überdies lief das Tagesgeschäft natürlich weiter.

Das Anmeldeformular für Corona-Erwerbsersatzentschädigung war bereits am Wochenende nach dem Entscheid des Bundesrats vom 20. März aufgeschaltet, sodass die Zuger Stelle bereits am 4. April erste Entscheide zur Ausrichtung der Entschädigung fällte. Weniger als zwei Wochen später konnten die ersten Unterstützungsgelder ausbezahlt werden. Insgesamt, so ist es dem Geschäftsbericht zu entnehmen, wurden letztes Jahr gut 2500 Erwerbsentschädigungen ausbezahlt in der Höhe von total 26 Millionen Franken.

Gastronomie nicht am Unternehmen angeschlossen

Abgesehen vom spürbaren Mehraufwand bezüglich Entschädigungen blieben die Zahlen stabil. Das Unternehmen hat über 1,1 Milliarden Franken an Versicherungsbeiträgen eingenommen. «In der Zuger Wirtschaft scheinen entsprechend keine grösseren Lohneinbussen aufgrund der Pandemie verzeichnet worden zu sein», erklärt die Direktorin.

Sie Räumt allerdings auch ein, dass wohl 2021 die Auswirkungen deutlich bemerkbarer werden würden, eine Prognose sei schwierig. Ausserdem: Die Gastronomen sind oft nicht an der Ausgleichskasse und IV-Stelle angeschlossen, sondern an einer Verbandskasse. Der Effekt der Schliessungen im Restaurant- und Barbereich dürfte sich deshalb entsprechend nicht im Geschäftsbericht niedergeschlagen haben.

Die Massnahmen des Bundes haben sich auch in anderen Bereichen ausgewirkt: So sind letztes Jahr etwa die Betreibungen und Mahnungen zurückgegangen. Das erklärt Zimmermann mit der vom Bund beschlossenen Aussetzung der Betreibungen und Mahnungen letzten Sommer. Gemäss Zimmermann hätte deren Anzahl bereits im ersten Quartal 2021 wieder angezogen. Die Reaktion erfolgt verzögert. Das gilt auch für die Anzahl der Konkursanmeldungen. Steigen werden jene wohl erst in etwa anderthalb Jahren, erläutert Romana Zimmermann.

Zunehmende AHV-Leistungen

Insgesamt hat die Ausgleichskasse und IV-Stelle in Zug 2020 787 Millionen Franken ausbezahlt. Wobei vor allem mehr AHV-Beiträge – aus demografischen Gründen – und Ergänzungsleistungen ausgerichtet wurden. Der Trend steigender Ergänzungsleistungen besteht schon länger und hat sich letztes Jahr wieder bestätigt.

Mehr ausgegeben wurde auch für die Prämienverbilligung: Während es 2019 gut 57, 8 Millionen waren, die für die Prämienverbilligung aufgewendet wurden, waren es 2020 rund 60,5 Millionen.

134 Menschen vermittelt

Gespürt hat auch die unternehmenszugehörige IV-Abteilung die Pandemie. Heidi Schwander von jener Abteilung sagt: «Auch wir hatten viel mehr Anrufe und mussten schnell und möglichst unkompliziert Lösungen finden.» Beispielsweise musste die Frage geregelt werden, wie der Betrieb in einer Sonderschule abläuft. «Homeschooling funktioniert dort in der Regel nicht», führt Schwander aus. «Schnelle Lösungen zu finden, hat uns sehr gefordert, dank kreativer Prozesse hat das allerdings gut geklappt.»

Ganz grundsätzlich nahmen Arbeitgeber die Unterstützung der Stelle gerne an, um Mitarbeiter im Betrieb zu halten, beispielsweise nach einem Unfall. Die Eingliederungsmassnahmen blieben trotz Pandemie gewährleistet: 134 Menschen konnten mit Hilfe der IV-Stelle in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.

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