KANTON ZUG: Den Schalk kann der «Fasnachtswolf» nicht vertuschen

Max Wolf zieht seit fünf Jahren als Schnitzelbänkler durch Hünenberg. Sich im Schafspelz zu verstecken, darauf verzichtet der ehemalige TV-Mann.

Carmen Desax
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Der ehemalige Sportreporter des Schweizer Fernsehens, Max Wolf (75), zieht zum letzten Mal mit Schnitzelbänken durch Hünenberg. Noch steckt er mitten in den Vorbereitungen. (Bild: Christian H. Hildebrand / Neue ZZ)

Der ehemalige Sportreporter des Schweizer Fernsehens, Max Wolf (75), zieht zum letzten Mal mit Schnitzelbänken durch Hünenberg. Noch steckt er mitten in den Vorbereitungen. (Bild: Christian H. Hildebrand / Neue ZZ)

«Natiirlig», antwortet Max Wolf stilecht auf die Frage, ob er seine Schnitzelbänke denn auch im original Basler Dialekt vortrage. Er lacht und gibt gleich eine Kostprobe zum Besten. Die Vorfreude auf die kommende Fasnacht ist ihm anzumerken. Doch noch gibt es einiges zu tun. Einige Geschichten sind bereits gereimt und die Pointen eingeübt, an anderen wird noch gefeilt. Seit fünf Jahren gehört der gebürtige Zuger zu den Schnitzelbänklern in Hünenberg. Mit 70 Jahren hat der ehemalige Sportreporter des Schweizer Fernsehens angefangen. «Eigentlich viel zu spät», meint er. Umso mehr Mut braucht es wohl, dann doch noch einzusteigen. «Ohne mich wäre es gar nicht so weit gekommen», wirft seine Frau Maria ein. Spätestens jetzt ist auch klar, woher der perfekte Basler Akzent kommt. Maria Wolf ist in Basel aufgewachsen und hat ihrem Mann einerseits den Dialekt und andererseits die Schnitzelbänke nahegebracht. Sie begleitet ihn denn auch an die Auftritte in den Hünenberger Restaurants. Wie jedes Jahr werden die Wolfs am Schmutzigen Donnerstag und am Fasnachtssonntag als Lupo und Lupa unterwegs sein.

Gehörte von Anfang an dazu

Vier Restaurants werden die Wolfs an den beiden Abenden besuchen – nach einem genau ausgearbeiteten Einsatzplan. Denn neben Lupo und Lupa sind in der Ennetseegemeinde fünf weitere Schnitzelbankgruppen unterwegs. «Zu Hünenberg gehörten die Schnitzelbänke von Anfang an dazu», erklärt Max Wolf. Das ist nun schon 40 Jahre her. In allen Ennetseegemeinden gehören Schnitzelbänke zum Fasnachtstreiben dazu, so etwa in Risch, Cham und Hünenberg. Aber auch in Steinhausen, Baar und Neuheim haben sie Tradition.

«Das Programm ist anstrengend», gibt der 75-Jährige zu. Deshalb haben sich die zwei schweren Herzens entschieden, dass dies ihre letzte Saison sein wird. Zum Abschied haben sie sich etwas Spezielles einfallen lassen. «Was, verraten wir natürlich noch nicht», meint Wolf verschmitzt. Müsterchen bekommen vor dem Schmutzigen Donnerstag keine Aussenstehenden zu hören.

Das ganze Jahr aufmerksam sein

Der Aufwand für die Dichter und die Bastler ist immens. Jeder Reim und jede Pointe wird mit dem passenden Bild – der Helge – versehen. Für Maria und Max Wolf werden diese von ihrer Nachbarin Andrea Balmer entworfen. «Die Helgen sind sehr wichtig, sie machen bestimmt 50 Prozent des Auftritts aus.» Doch zuallererst müssen passende Themen her. «Vom Aschermittwoch an müssen Augen und Ohren offen gehalten werden», gibt der erfahrene Schnitzelbänkler Auskunft. Er wisse von Kollegen, die stets ein kleines Notizbuch bei sich tragen.

Jeweils im Frühsommer treffen sich die fünf Hünenberger Schnitzelbankgruppen zum ersten Mal nach der Fasnacht wieder. Im Herbst folgt ein zweites Treffen. Dann wird bereits besprochen, was über das Jahr im Dorf alles passiert ist. Ein bis zwei Monate vor der Fasnacht findet die sogenannte Börse statt. Dabei tauschen sich die Gruppen aus und helfen sich gegenseitig. «Die Top-Shots werden teilweise aber auch untereinander nicht verraten», erklärt Wolf.

Zum Thema werden kann grundsätzlich alles. «Es gibt keine Regeln», so Wolf. Ein «Gspüri» für Geschichten – und auch für Grenzen – brauche es aber auf jeden Fall. Bei den ersten Auftritten merke er sofort, welche Geschichten gut ankämen und welche weniger. Wichtig sei, dass man die Spannung hochhalten könne und die Pointe nicht am Anfang schon vergebe. «Das Hünenberger Publikum ist jedoch sehr nett und applaudiert eigentlich immer», meint Wolf grosszügig.

Carmen Desax