Kanton Zug
«Der Blick in die Zukunft sieht sehr düster aus»: Für die Getränkehändler ist das Glas pandemiebedingt nur halb voll

Weniger Events, geschlossene Gastronomie: Der Lockdown setzt den regionalen Getränkevertreibern zu. Auch mit Privatkunden können die Defizite nicht ausgeglichen werden.

Vanessa Varisco
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«Der Blick in die Zukunft sieht sehr düster aus», antwortet Fabian Ungricht, Marketingverantwortlicher des Getränkehandels Bösch auf die Frage, wie er die Zukunft seiner Branche in den nächsten Monaten einschätzt. Mit dieser Beurteilung steht der Marketingverantwortliche der in Baar ansässigen Firma nicht alleine da. Laut einer Umfrage des Dachverbandes für Getränkehandel gehen rund 90 Prozent der Befragten davon aus, dass sie in den nächsten sechs Monaten noch mit hohen Absatzschwierigkeiten rechnen müssen. Grund dafür: die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen.

Auch die Brauerei Baar hatte Umsatzeinbussen zu verzeichnen.

Auch die Brauerei Baar hatte Umsatzeinbussen zu verzeichnen.

Bild: KEYSTONE

Viele Händler klagen über Umsatzeinbrüche. Gemäss Martin Uster, Geschäftsführer der Baarer Brauerei, gibt es mehrere Gründe: «Einerseits das bestehende Veranstaltungsverbot. In dieser Sparte verzeichnen wir ein Minus von 75 Prozent gegenüber 2019.» Die behördlichen Schliessungen der Gastronomie hätten ebenfalls einen Einfluss: «Knapp 25 Prozent weniger Umsatz war hier zu verzeichnen.» Wobei die Brauerei auch Erfreuliches berichten kann. In ihr schlagen nämlich zwei Herzen: Rund 60 Prozent des Umsatzes kommen aus der Herstellung und dem Vertrieb des eigenen Bieres, der Rest aus dem Handel mit Getränken aller Art. Und als Brauerei konnte der Umsatz in der Sparte für die Belieferung des Detailhandels um gut 30 Prozent gesteigert werden.

Besonders hart von der Schliessung der Gastronomie betroffen ist der Zuger Weinhändler Weber-Vonesch. Geschäftsführer Roman Jurt sagt:

«Als direkter Zulieferer von Wein, Schaumwein und Spirituosen verschiedenster Betriebe und auch Events im Grossraum Zug/Zentralschweiz, leiden wir genauso wie diejenigen Betriebe, welche während dieser Phasen geschlossen wurden.»

Die Umsätze in dieser Sparte sind gemäss Jurt letztes Jahr halbiert worden.

Investiert wurde stattdessen in die Anwerbung von Privatkunden

Von den Umsatzeinbussen betroffen waren alle angefragten Händler; allerdings unterschiedlich stark. Während die Brauerei einen Einbruch von gesamthaft 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet, so sind es beim Getränkehändler Bösch gut 35 Prozent.

Die drei Betriebe gaben sich jedoch nicht einfach ihrem Schicksal hin, sondern versuchen, so gut es geht, auf andere Vertriebszweige zu setzen. Ungricht erläutert etwa, dass man in den Onlineshop investiert habe, um Privatkunden zu erreichen. «Aber der Kampf gegen die Grossen ist für uns sehr schwierig. Unser Werbebudget reicht niemals an deren ran.» Auch Jurt von Weber-Vonesch bestätigt, dass man vermehrt auf die Privatkunden gesetzt habe und insbesondere den Lieferdienst verbesserte.

Die Brauerei Baar konnte ausserdem noch auf den Braui Markt, den hauseigenen Getränkeshop, zählen. Dort können direkt vor Ort oder im Onlineshop Getränke und Biere gekauft werden. Und letztlich konnte laut Martin Uster der Umsatz hier auch um einen Drittel gesteigert werden.

Von schneller Erholung ist nicht die Rede

Es ist für die Getränkehändler also kein Leichtes, sich über Wasser zu halten. Hopfen und Malz scheinen zwar noch nicht verloren, aber die Händler müssen den Gürtel enger schnallen – und das noch eine Weile. Martin Uster:

«Die Lage bleibt weiterhin angespannt und wir sind gezwungen, weiterhin sehr haushälterisch mit unseren Finanzen umzugehen.»

Erschwert wird die Lage vor allem wegen der Planungsunsicherheit, so Ungricht vom Getränkehandel Bösch. Er nennt weitere Probleme: «Noch haben viele Kunden Rechnungen offen, was jetzt natürlich verständlich ist. Wir hoffen, dass diese einmal bezahlt werden können.»

Stichtag ist für die drei angefragten Händler Ende Februar. Sie hoffen auf Lockerungen im Gastronomie- und Eventbereich. Doch man bleibt realistisch und ist sich bewusst, dass die Lage nicht von einem Augenblick auf den anderen besser wird. Roman Jurt meint dazu:

«Erfahrungsgemäss wird die Nachfrage nach dem Lockdown nicht sehr rasch, sondern eher gemächlich und schleppend ansteigen.»

So rechnen sie damit, dass sie ab Spätsommer 2021 «hoffentlich wieder einen mehr oder weniger ‹normalen› Betrieb haben werden».

Auf eine schrittweise Besserung hofft Martin Uster, wenn das Wetter wieder frühlingshafter wird und das Impfen vorankommt. Für viele Veranstaltungen hat die Brauerei aber bereits Absagen erhalten, da sie ins nächste Jahr verlegt wurden.