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KANTON ZUG: «Die Initiative geht klar zu weit»

Die «Trinkwasser-Initiative» kommt beim Zuger Bauernverband gar nicht gut an. Auch der Schluechthof äussert Bedenken. Und wie steht es überhaupt um das Zuger Trinkwasser und dessen Qualität?
Andreas Faessler
Die Zuger Trinkwasserqualität ist sehr hoch. Das Bild zeigt das WWZ-Grundwasserpumpwerk in Oberwil. (Archivbild: Christine Benz (3. Juli 2014))

Die Zuger Trinkwasserqualität ist sehr hoch. Das Bild zeigt das WWZ-Grundwasserpumpwerk in Oberwil. (Archivbild: Christine Benz (3. Juli 2014))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Innert wenigen Monaten sind die erforderlichen 100000 Unterschriften für die sogenannte «Trinkwasser-Initiative» (siehe Box) beisammen gewesen. Diese will das Schweizer Trinkwasser vor Verunreinigung durch Schadstoffe aus der Landwirtschaft schützen. Davon lässt sich ableiten, dass die Bevölkerung hohen Wert auf die einwandfreie Qualität des Leitungswassers legt.

Bei den Betroffenen kommt die Initiative allerdings gar nicht gut an, wie eine Anfrage beim Zuger Bauernverband zeigt. «Die Zuger Bauern, wie auch die gesamten Schweizer Bauern, stehen der Initiative sehr kritisch gegenüber», betont Sabrina Leuthold, Geschäftsführerin des Zuger Bauernverbands. Dass die Idee der Initiantin Franziska Herren so viel Zuspruch aus der Bevölkerung erfährt, erstaunt sie nicht. Leuthold: «Wenn man nur den Titel hört, steht für jeden wohl erst einmal fest: ‹Klar bin ich für sauberes Trinkwasser. Wer denn nicht?›. Viele aber befassen sich nicht mit den Hintergründen und möglichen Auswirkungen der Initiative.» Und diese sind aus Sicht des Bauernverbandes gravierend für die Schweizer Landwirtschaft. Sabrina Leuthold spricht im Annahmefall gar von einer Katastrophe, welche die Schweizer Landwirtschaft in eine Nische drängen würde. Da die Initiative nur die Inlandproduktion betreffe, hätte dies unter anderem verschärfte Produktionsbedingungen, Ernteausfälle, oder Verteuerungen zur Folge.

«Die Annahme der Initiative würde bedeuten, dass die Belastung des Trinkwassers mit Pestiziden lediglich ins Ausland verschoben würde und die Schweiz auf noch mehr Importe von Lebensmitteln, die weit unter den hohen Schweizer Standards produziert werden, angewiesen wäre», argumentiert Sabrina Leuthold. Pikant: Dies wiederum würde der im September 2017 angenommenen Ernährungssicherheitsinitiative widersprechen, führt sie weiter aus. «Mit seinem Aktionsplan Pflanzenschutz verfolgt der Schweizer Bauernverband bereits Ziele zur Einsparung von Pestiziden in der Landwirtschaft.» In diesem Kontext betont Leuthold, dass wohlbemerkt nur ein Teil der bedenklichen Stoffe aus der Landwirtschaft stamme. Auch Gartenbaubetriebe, die SBB (Behandlung der Gleisanlagen) und sogar Hobbygärtner würden auf Pflanzenschutzmittel in bedeutenden Mengen zurückgreifen.

Bezüglich Pestizid- und Antibiotikaeinsatz in Zuger Bauernbetrieben gibt es gemäss Bauernverband keine Zahlen. Sabrina Leuthold geht davon aus, dass der Einsatz im nationalen Schnitt liegt.

Ackerbau würde noch stärker abnehmen

Vom Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum (LBBZ) Schluechthof in Cham erfährt man, dass ein grosser Anteil an Pflanzenschutzmitteln, die sehr negative Folgen für das Trinkwasser haben, seit Jahren verboten und viele zugelassene Pflanzenschutzmittel zudem in jüngster Zeit mit strengen Anwendungsauflagen versehen worden seien. «Der Bund ist mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel und der Strategie Antibiotikaresistenzen in der Schweiz schon intensiv dabei, die Situation weiter zu optimieren», erklärt Martin Pfister, Rektor LBBZ. «Dieser Weg ist schon sehr anspruchsvoll. Eine grosse Anzahl an weiteren Pflanzenschutzmitteln darf wohl kurz- bis mittelfristig nicht mehr eingesetzt werden.» Seitens LBBZ ist es freilich notwendig, dass der hohe Gewässerschutz-Standard in der Schweiz weiter verbessert werde. «Die ‹Trinkwasser-Initiative› aber geht aus meiner Sicht klar zu weit. Sie ist radikal», betont Pfister. Sollte sie angenommen werden, so fährt er fort, würde der Ackerbau im Kanton Zug wohl noch stärker abnehmen. Es dürfe auch sehr schwierig werden, weiterhin Obst in der Schweiz zu produzieren. «Und die Kirschenproduktion ist praktisch unmöglich, besonders bei Hochstammbäumen», betont Pfister.

Nicht zu vergessen sei auch, dass durch die Globalisierung immer neue Pflanzenkrankheiten in die Schweiz gelangten, welchen ohne Pflanzenschutzmittel nicht beizukommen sei. «Von Seiten des Bürgers kommt immer mehr der Druck für eine ökologische Produktionsweise, was die Produktion deutlich teurer macht», so Pfister. «Und wie viel ist der Konsument bereit, mehr zu zahlen? Das ist offen.» Man sehe es ja am Einkaufstourismus, der in den letzten Jahren zugenommen hat. «Und der Anteil an Bioprodukten im Gesamtwarenkorb liegt bei gerade mal 7,7 Prozent.»

Grosse Betriebe müssten Viehbestand reduzieren

Auch die Vorgabe, dass nur so viel Tiere auf dem Betrieb gehalten werden dürfen, wie Futter produziert werden kann, bereitet dem LBBZ Sorge. «Im Bereich Hofdünger sind die Auflagen bereits heute sehr streng», sagt Pfister hierzu. Im Falle einer Annahme der Initiative würden so auch im Kanton Zug vor allem grosse und effiziente Betriebe ihren Viehbestand reduzieren müssen. Pfister befürchtet, dass diese dann lieber auf die Direktzahlungen des Bundes verzichten würden – und somit auch auf Anreizprogramme für eine ökologische Produktion. «Wenn sich diese Betriebe am absoluten gesetzlichen Minimum orientieren, um möglichst günstig zu produzieren, haben wir im schlimmsten Fall eine schlechtere Situation als heute», zieht Pfister ein ernüchterndes Fazit.

Zuger trinken kein Seewasser

Gemäss Wasserwerke Zug (WWZ) ist anzunehmen, dass eine pestizidfreie, rein ökologische Landwirtschaft die Zuger Wasserqualität – wie auch die Qualität der Oberflächengewässer (Seen, Flüsse) – zwar noch verbessern würde. Diese aber sei jetzt schon sehr hoch. Laut WWZ ist im vergangenen Jahr keine der Wasserproben aus dem Zuger Netz punkto Pestizid-/Herbizidrückstände auffällig gewesen. «Das Trinkwasser im WWZ-Netz setzt sich je zur Hälfte aus regionalem Quell- und Grundwasser zusammen», erklärt Robert Watts, Leiter Kommunikation WWZ. Im Zuger Versorgungsgebiet wird es in den Quellen im Lorzentobel und den Grundwasserpumpwerken in Drälikon, Oberwil und Baar gewonnen.

«Für die hohe Qualität des Zuger Trinkwassers spricht zum einen, dass wir kein Seewasser verwenden. Zum anderen, dass nebst dem hohen Quellwasseranteil ein Grossteil des geförderten Grundwassers aus Grundwasserströmen stammt, die weder einer hohen Siedlungsdichte noch einer intensiven Landwirtschaft ausgesetzt sind», so Watts weiter. Zudem seien im WWZ-Gebiet um sämtliche Quellen und Pumpwerke Schutzzonen definiert, also Bereiche, in denen die Bodennutzung eingeschränkt ist. «Dies trägt dazu bei, dass das gefasste Wasser nicht durch eine unsachgemässe Oberflächenbewirtschaftung – sei es Bautätigkeit, Verkehr oder Landwirtschaft – verschmutzt wird.»

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