KANTON ZUG
Schülerinnen und Schüler knüpfen erste Kontakte zur Arbeitswelt

An drei Orten im Kanton Zug fanden Berufswahlveranstaltungen für Jugendliche statt – trotz Corona. Aufwendige Schutzkonzepte forderten die Veranstalter, und nicht alle gängigen Branchen waren vertreten.

Cornelia Bisch
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Beim Stand der Gipser darf an einem Glücksrad gedreht werden, an jenem der Chemielaboranten wird ein Versuch mit Backpulver und Essig durchgeführt sowie per Knopfdruck Popcorn gebacken, der 3D-Drucker von V-Zug arbeitet an filigranen Firmenlogos aus Kunststoff: Mit solchen und weiteren Attraktionen stellen junge Berufsleute an den drei Berufswahlveranstaltungen in Cham, Baar und Unterägeri den Kontakt zu Schülerinnen und Schülern ab der 5. Primarklasse bis zur 2. Oberstufe her.

Anfangs sind Letztere noch etwas scheu. «Wisst ihr, was das ist?», werden vier Buben von Mirko Mathys am Stand von V-Zug gefragt. Er deutet auf den 3D-Drucker und erklärt seinen Zuhörern, wie dieser arbeitet und programmiert werden kann. Es entsteht ein Gespräch über die Berufe des Konstrukteurs, des Automatikers und Polymechanikers. «Kommt ruhig mal bei uns schnuppern», fordert der junge Mann die Buben im Anschluss auf.

Der 14-jährige Livio Nussbaumer hat hier gefunden, was er sucht. «Ich möchte etwas mit Planung machen», weiss er heute schon. Sein gleichaltriger Kollege Tim Schild ist sich noch nicht ganz sicher. «Auf jeden Fall aber würde mich ein technischer Beruf interessieren.» Die Gruppe kommt an der Berufswahlveranstaltung Unterägeri gut auf ihre Rechnung. Es gibt hier eine Fülle an technischen Berufen zu entdecken wie Informatiker, Elektriker, Automobilmechatroniker und viele mehr.

Ein chemischer Versuch begeistert die Jugendlichen.

Ein chemischer Versuch begeistert die Jugendlichen.

Bild: Christian Herbert Hildebrand (Unterägeri, 18. Mai 2021)

Ohne Nachwuchs gehts nicht weiter

Daneben werden allerhand handwerkliche Berufe wie Maurer, Gipser oder Parkettleger vorgestellt, ebenso wie die verschiedenen beruflichen Möglichkeiten im Gartenbau oder der Landwirtschaft. «Für uns ist jetzt eigentlich Hochsaison», gesteht Reto Schönenberger, angehender Landschaftsarchitekt bei Pan Garten in Unterägeri. «Aber es ist uns sehr wichtig, den Nachwuchs für die Gartenbauberufe zu begeistern.» Denn ohne ihn – den Nachwuchs – gehe es nicht weiter in dieser wie in anderen Branchen, ist er sich bewusst.

Eine Gruppe Mädchen lauscht andächtig seinen Ausführungen über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten im Gartenbau. «Ihr Interesse macht richtig Freude», sagt der 24-Jährige, der es versteht, seine Zuhörerinnen zu fesseln. «Es interessieren sich immer mehr junge Frauen für die Gartenbauberufe», stellt er fest. «Das ist eine gute Tendenz. Es ist schön, in einem durchmischten Team zu arbeiten.»

Medien- und Betreuungsberufe fehlen

Etwas ratlos schauen sich die Freundinnen Sarina Willi (14), Sofia Dunjic (13) und Martyna Mozdzen (14) um. Sofia möchte später in der Medienwelt Fuss fassen. «Am liebsten beim Fernsehen. Ich möchte Reportagen und Filme drehen», schwärmt sie begeistert. Dazu findet sie hier leider nichts. Auch Sarinas Berufswunsch – «etwas mit Natur oder Menschen, vor allem Kindern» – ist nur teilweise vertreten. Martyna möchte Veterinärin werden, kann sich aber auch Informatikerin oder Mediamatikerin vorstellen. Hierzu bekommt sie einige interessante Informationen.

«Es war halt nicht alles möglich», bedauert Yvonne Kraft, Vorstandsmitglied des kantonalen Gewerbeverbands und Organisatorin der Anlässe. «Pflege-, Bäckerei- und Gastroberufe sowie jene des grafischen Bereichs fehlen heute.» An den beiden anderen Veranstaltungsorten in Cham und Baar seien Erstere jedoch vertreten gewesen. «Die Situation ist nicht leicht für diese Branchen.» Eine gewisse Depression und Erschöpfung mache sich mancherorts bemerkbar. «Wenn man nicht weiss, wie es weiter geht mit dem eigenen Geschäft, will man nicht an Jugendliche herantreten.» Im Pflegebereich seien oft kaum Kapazitäten frei für solche Anlässe. «Hingegen ist heute der Beruf des Fachmanns, der Fachfrau Bewegung zum ersten Mal überhaupt vertreten», sagt Kraft. «Diesen Beruf gibt es erst seit zirka fünf Jahren.»

Berufswahlveranstaltung in der Ägerihalle: Nicht etwa die Feuerwehr, sondern Janick Meier von der Firma Rohrblitz erklärt den erst seit 2014 existierenden Beruf des Entwässerungstechnologen.
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Nach genauem Zeitplan wird die Berufswahlveranstaltung in der Ägerihalle besucht.
In der Gruppe studieren die Schülerinnen die erhaltenen Informationen.
Den Beruf der Fachfrau Bewegung gibt es erst seit zirka fünf Jahren.
Im Gartenbau gibt es viele interessante Berufe und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Emanuela Jack von der Firma Amag erklärt Leontina Krstic den Beruf der Automechanikerin.

Berufswahlveranstaltung in der Ägerihalle: Nicht etwa die Feuerwehr, sondern Janick Meier von der Firma Rohrblitz erklärt den erst seit 2014 existierenden Beruf des Entwässerungstechnologen.

Bild: Christian Herbert Hildebrand (Unterägeri, 18. Mai 2021)

Strenges Schutzkonzept

Sie ist froh darüber, dass die Berufswahlveranstaltungen, an denen gesamthaft rund 1700 Schülerinnen und Schüler aus dem Kanton Zug teilnahmen, dieses Jahr überhaupt stattfinden konnten. «Erziehungsdirektor Stephan Schleiss gab uns sein Einverständnis und sicherte uns seine Unterstützung zu», berichtet Kraft. Nur deshalb sei dies möglich gewesen.

Aber die Umsetzung des Schutzkonzepts forderte die Veranstalter, die Zuger Wirtschaftskammer, den Gewerbeverband Zug und die Ämter für Berufsbildung und -beratung. Statt wie vorher üblich an den Schulen, fanden die Anlässe in Mehrzweckgebäuden statt, wo mehr Platz vorhanden war und separate Ein- und Ausgänge eingerichtet werden konnten. Die Adressen der Aussteller und Lehrpersonen wurden erfasst, die Klassen erschienen nach genau vorgegebenem Zeitplan, was deutlich mehr Zeit in Anspruch nahm als in früheren Jahren, und es herrschte Maskenpflicht für alle Teilnehmer. «Ausserdem finden ja unter den Schülern regelmässig Reihentests statt», ergänzt Kraft.

Anfragen von ausserhalb des Kantons

«Die Veranstaltungen fanden ausserdem später statt als üblich, was natürlich wiederum schwierig war für einige Branchen wie den Gartenbau oder die Landwirtschaft, in denen jetzt Hochsaison herrscht.» Dennoch sei der Tenor positiv. «Die Lehrpersonen sind sehr dankbar dafür, dass wieder einmal etwas analog statt digital durchgeführt wurde, und die Schüler konnten Kontakte knüpfen oder sogar Schnupperlehren vereinbaren.» Im Vorfeld seien sogar Anfragen von ausserhalb des Kantons Zug eingegangen. «Leider konnten wir darauf nicht eingehen.»

Ein weiterer Berufswahlanlass im Gewerblich Industriellen Bildungszentrum Zug (GIBZ), an dem die dort unterrichteten Berufe vorgestellt werden, findet am 15. bis 17. Juni statt. «Die 450 angebotenen Teilnehmerplätze waren innerhalb eines Tages ausgebucht, sodass weitere 120 geschaffen wurden», erzählt Kraft. Dies zeige doch deutlich, wie notwendig und beliebt solche Veranstaltungen seien.