KANTON ZUG: Es wird bald eng beim Notfalldienst

Notfalldienst leisten die wenigsten gern. In Zukunft könnte die Versorgung sogar schlechter werden, sagt eine Expertin.

Christian Volken
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Noch funktioniert das System mit der neuen Notfallpraxis in Baar und den individuellen Notfalldiensten. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ / Archiv)

Noch funktioniert das System mit der neuen Notfallpraxis in Baar und den individuellen Notfalldiensten. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ / Archiv)

Karin Stadlin ist Gynäkologin in Cham und gleichzeitig Präsidentin der Ärztegesellschaft Zug. Sie warnt vor einem Engpass in der medizinischen Notfallversorgung im Kanton. «Wir haben aber Mühe, den Notfalldienst bei den Augen- sowie Hals-Nasen-Ohren-Ärzten personell aufrechtzuerhalten», nennt Stadlin als Beispiel. Denn im Kanton Zug müssten sich in dieser Sparte acht Ärzte 365 Tage im Jahr den Notfalldienst aufteilen.

Fehlende Motivation ist aus ihrer Sicht nur eines der Probleme für die Aufrechterhaltung eines Notfalldienstes. Weshalb die Abdeckung in Zukunft immer schwieriger wird, habe einen Grund: Immer mehr Pensionierungen der aktuell tätigen Doktoren im Kanton Zug sorgen für eine Ärztelücke. Eine Auswirkung ist gemäss Stadlin, dass deutsche juristische Konsortien Hausarztpraxen aufkaufen und deutsche Ärzte arbeiten lassen, welche beliebig abgezogen oder ausgetauscht werden.

Ein weiterer Grund für das schwindnende Engagement im Notfalldienst ist gemäss Stadlin, dass Mediziner verstärkt auf die Work-Life-Balance achteten. 75 Prozent der Studierenden in der Medizin seien Frauen. Diese würden Fachrichtungen wählen, die auch mit Kindern und in Teilzeit zu bewältigen seien.