Kanton Zug findet Organspende-Initiative ethisch bedenklich

Eine eidgenössische Volksinitiative will, dass jeder Organspender sein könnte – der Zuger Regierungsrat äussert sich in der Vernehmlassung des Bundesrates.

Andrea Muff
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Die Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» geht von einer Zustimmung zur Organspende aus, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer solchen nicht widersprochen habe oder ein solcher Widerspruch den Angehörigen nicht bekannt sei – ein System der vermuteten Zustimmung. Heute muss der persönliche Entscheid für eine Organspende etwa durch den Eintrag im Nationalen Organspenderegister oder anhand einer Organspende-Karte ersichtlich sein. Der Bundesrat hat als indirekten Gegenvorschlag die Einführung einer erweiterten Widerspruchslösung in die Vernehmlassung geschickt. Der Kanton Zug hat sich dazu im vergangenen Monat geäussert.

Der Regierungsrat teilt gemäss Vernehmlassungsantwort das Interesse des Bundesrates, dass die Verfügbarkeit von Spendeorganen in der Schweiz erhöht werden soll. Die Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» lehne die Zuger Regierung wie der Bundesrat ab. «Die starre Widerspruchslösung ist ethisch bedenklich», begründet er. Denn es sei notwendig, dass Angehörige von Verstorbenen konsultiert werden, wenn die verstorbene Person keine schriftlichen Äusserungen über eine Organspende verfasst habe.

Deshalb begrüsst der Regierungsrat den indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates «im Grundsatz». Dies, weil die Angehörigen beim bundesrätlichen Vorschlag mit einbezogen werden würden. Die Zuger Regierung fordert gemäss Vernehmlassungsantwort eine Anpassung in der Bestimmung, welche das Vorgehen festlegt, falls die nächsten Angehörigen einer verstorbenen Person bekannt sind, aber nicht in der festgelegten Frist erreicht werden können. Der Regierungsrat plädiert in diesem Fall dafür, dass dann eine Organentnahme nicht zulässig sei. Zudem findet die Kantonsexekutive die Bedenkzeit von sechs bis zwölf Stunden, welche den Angehörigen nach der Kontaktaufnahme für die Äusserung eines Widerspruchs zur Organspende eingeräumt werde, zu knapp bemessen. Sie soll auf mindestens zwölf Stunden erhöht werden, heisst es in der Vernehmlassungsantwort.

Gemäss den Kennzahlen von Swisstransplant, die neusten wurden per Ende September erhoben, warten insgesamt 1398 Patienten auf ein Organ. 394 Organe wurden per Ende September transplantiert. Die Jahreszahlen zu 2018 zeigen, dass sich mit 158 verstorbenen Spendern 13 Spender mehr gemeldet haben als im Vorjahr. Das heisst auf eine Million Einwohner kommen 18,6 Spender. Die Anzahl der gemeldeten Lebendspender sank gegenüber dem Vorjahr um 17 Personen auf 120 Spender.